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iPhone 4 vs. HTC Desire 2.2

Gadget undInternet, Computer undMobile, Sonntag 8 August 2010 19:36

T-Mobile gab mir diese Woche die Gelegenheit, ein iPhone 4 zu testen. Da ich selber jahrelang begeisterter iPhone Besitzer war und vor kurzem erst auf ein HTC Desire umgestiegen bin, bietet sich ein Vergleich natürlich an, noch dazu wenn es seit rund einer Woche für das HTC Desire Android 2.2 gibt, das ja einige Verbesserungen und neue Features (z.B. 720p Videos) enthält (hier gibt es eine Auflistung aller Neuerungen).

Auf den Preis und dem damit möglicherweise verbundenen Mobilfunk-Tarif gehe ich hier nicht näher ein.

Äußerlichkeiten

Plastik vs. Metall. Das iPhone gewinnt natürlich den Style-Preis, obwohl ich mich mit den Kanten im Vergleich zum 3G oder 3GS nicht so schnell anfreunden kann.  Das Desire liegt, dank der rauen Rückseite, besser in der Hand (vielleicht aber auch nur Gewohnheit). “Gefühlt” ist das iPhone schwerer obwohl beide fast aufs Gramm genau gleich viel wiegen, liegt wohl an den sichtbaren Materialien.

Das iPhone-Display ist wirklich sehr schön, dafür ist es kleiner als das Desire-Display. Bei der Helligkeit sind meiner Meinung beide gleich auf. Die etwas höhere Auflösung des iPhones sieht man.

Das was ich am Desire vermisse ist der geniale Lautlosschalter vom iPhone (den kann man auch mit dem Handy in der Hosentasche betätigen), dafür vermisse ich am iPhone den “Back”- und den “Menu”-Button, hab immer in den iPhone-Apps versucht das Menü zu finden :) Den Trackball am Desire verwende ich so gut wie nie. Beim Desire reagiert der Einschaltknopf oben auf sehr leichten Druck, was in der Hosentasche dazu führen kann, dass das Handy sich einschaltet.

Natürlich hab ich versucht die Empfangsprobleme des iPhone 4 zu replizieren und ja, es ist möglich das iPhone 4 so zu halten das man sofort zwei Stricherln beim UMTS-Empfang verliert und beim WLAN 50% der Geschwindigkeit. Aber Gesprächsabbrüche oder Unterbrechung der WLAN-Verbindung habe ich nie zusammen gebracht. Habe auch versucht beim Desire Empfangsprobleme zu “erzeugen”, ohne sichtbaren Erfolg. Grad das Desire hat seit dem Update auf Froyo, aka Android 2.,2 einen viel besseren UMTS Empfang als vorher. Ein Vergleich der generellen Empfangsqualität ist nicht wirklich möglich, da ich mein HTC mit einer Bob-Karte bestückt habe und dank Micro-SIM ich auch nicht die T-Mobile Karte des iPhones im Desire verwenden kann.

Akkulaufzeit habe ich nicht getestet, 10 Jahre Smartphones haben mir gezeigt, dass immer eine Ladestation in der Nähe sein muss :) . Wobei, beim Desire kann man einen Ersatzakku mitnehmen wenn man will :) .

Innerlichkeiten

Die technischen Daten beider Geräte sind ja sehr ähnlich. Seit Android 2.2 kann auch das Desire, so wie das iPhone 4, 720p (1280×720) Videos aufnehmen, deswegen hier ein Video das einen direkten Vergleich zeigt (am besten in HD und Fullscreen anschauen!):

Das iPhone 4 schafft eine konstantere und höhere Framerate als das Desire. Hier noch ein Standbild aus dem Video mit Vergrößerung, dabei sieht man die bessere Bildqualität des iPhone 4-Videos:

Bei der Kamera ein ähnliches Bild. Wobei ich, als ich mein Desire gekauft habe, sehr enttäuscht von der Fotoqualität war, dann aber im XDA-Forum gelesen habe, dass wenn man die Rückseite des Handys abnimmt oder zu mindestens die Plastikabdeckung innen und außen intensiv säubert wird die Bildqualität besser und das stimmt! Hier ein Vergleich, links mit (dreckiger) Abdeckung, rechts ohne Rückendeckel, wobei, wenn man die Abdeckung wirklich gut putzt werden die Fotos auch mit Abdeckung brauchbarer:

Wie sieht es nun im Vergleich bei den Fotos aus? Hier zwei Fotos:


Wie schon beim Video wirkt das iPhone Foto schärfer und hat sattere Farben. Beim Desire kann ich dafür unter verschiedenen Auflösungen auswählen und auch zwischen 5:3 und 4:3 umschalten, beim iPhone 4 ist die Auflösung mit 2592×1936 fix bei der Apple-Kamera-App eingestellt.

Userinterface

Nein, ich will jetzt keinen Glaubenskampf Apple vs. Android. Ich habe beides verwendet, war und bin mit beidem zufrieden. Jedes Betriebssystem hat seine Vor- und Nachteile. Ich mag die Aufgeräumtheit und Sauberkeit des iOS4, dafür aber auch die Freiheiten von Android.

Das Multitasking des iPhone 4 ist momentan irgendwie völlig sinnlos und schlecht gelöst, hier hat Android die Nase klar vorne. Auch mag ich das Konzept mit dem “Back”-Button am Android da es eben auch Programm übergreifend geht. Man muss nicht so wie beim iPhone den Umweg über den “Home”-Screen nehmen. Dafür ist das Scrolling am iPhone, z.B. im Browser, gefühlt smoother. Ansonsten starten Apps auf beiden Handys gleich schnell und bei beiden reagiert das Userinterface sehr schnell, es macht Spass, diese Handys zu benutzen!

Programme

Zwar gibt es beim iPhone zahlenmäßig mehr Apps, aber die Apps, die man wirklich braucht, gibt es auch in vielen Varianten unter Android. Was ich an Android auch mag: Wenn dir z.B. die eingebaute Kalender-App nicht gefällt, lad dir einfach eine neue herunter! Genauso bei der SMS-App, dem Browser, etc. Beim iPhone ist das in geringem Ausmaß auch möglich, aber eben nicht für alle Standardprogramme.

Was ich wirklich unter Android vermisse ist Qando, hier ist aber schon Abhilfe angekündigt.

Wer GMail oder Google Apps verwendet ist bei Android natürlich besser aufgehoben als beim iPhone. Auch ist Google Maps unter Android weitaus besser als auf dem iPhone. Dafür ist die Voicemail-Funktion (falls das Netz es erlaubt) am iPhone sehr praktisch.

Die iBooks-Funktion am iPhone schaut zwar Nett aus, nur gibt es eigentlich noch keine Inhalte. Auch bezweifle ich, das ein Handy ein guter E-Bookreader ist.

Was für mich auch ein Grund zum Umstieg auf Android war: kein schlecht adaptiertes iTunes mehr unter Windows!

Facetime

“Seen this, done this!” Und zwar seit 20 Jahren alle paar Jahre wieder. Mehr dazu zu sagen? Nein. Oder: Wer kann sich noch an die Videotelefonie-Kampagne von “Drei” erinnern? Z.B. an solche Presseaussendungen.

Browser

Das Programm, das ich auf meinem Smartphone am häufigsten verwende, ist der Browser. Gerade hier soll ja Android 2.2 einiges an Geschwindigkeit gebracht haben, deswegen habe ich gleich mal zwei Javascript Benchmarks laufen lassen (im gleichen WLAN, nacheinander mehrmals). Zuerst einmal den SunSpider Javascript Benchmark, desto weniger Millisekunden, desto besser:

Hier ist das Desire unter Android 2.2 beinahe doppelt so schnell wie das iPhone 4!

Der zweite Test ist die V8 Benchmark Suite -version 5, hier der Vergleich (höher ist besser):

Auch hier ist der Browser im HTC Desire der ganz klare Sieger.

Aber, nur zum Vergleich: die aktuelle Chrome 6.0 Beta braucht auf meinem Laptop für den ersten Test 340,2 Millisekunden und schafft beim V8 Benchmark einen Score von 5605, d.h. da haben die Handys noch viel Aufholbedarf! :)

Unter Android 2.2 kann der Browser Flash 10.1. Teilweise nervt es wenn die ganzen Flash-Banner geladen werden, anderseits kann ich sogar meine Prezis am Desire wunderbar abrufen. man kann in den Einstellungen aber entscheiden ob Flash-Sachen immer oder nur wenn man es antippt geladen wird.

Bei den Bookmarks und sonstigen Fähigkeit gibt es keine großen Unterschiede. Was mich am Android-Browser nervt ist, dass man immer eine URL von Anfang an eintippen muss, damit er sie erkennt. z.B. wenn ich “derstand” eintippe gibt er mir nicht “mobil.derstandard.at” als Auswahlmöglichkeit, nur wenn ich “mobil” eintippe kommt diese Auswahl.

Netzwerk

Wichtig ist natürlich auch, wie schnell das Handy beim Download und Upload ist. Dazu haben ich Speedtest.net, jeweils mit dem Wiener Server verwendet, da es da für Android als auch für Apple eine App gibt.

Im WLAN-Betrieb sind beim Download beide Handys gleich schnell. iPhone 4 und Desire 2.2 schaffen beim Download zwischen 13 und 14 Mbit pro Sekunde. Beim Upload ist das Desire immer um ein ein paar Prozente schneller aber der Unterschied ist vernachlässigbar.

Beim UMTS-Test schaut es gleich anders aus. das iPhone 4 schafft hier maximal etwas mehr als 2 Mbit pro Sekunde beim Download, das HTC Desire bis zu 4 Mbit/S (unter HSDPA)! Beim Upload sind beide wieder mit rund 1,5 Mbit/S wieder gleich auf. Wobei ich hier nicht sagen kann ob der langsame Download ein Problem des iPhones 4 oder ein Problem mit dem T-Mobile Netz (am iPhone erkennt man nicht ob es HSDPA verwendet oder nicht) ist, ich habe es aber an verschiedenen Orten, immer mit laut iPhone 4 vollen 3G-Balken, getestet und hatte immer das gleiche Ergebnis. Leider konnte ich, wie schon erwähnt habe, nicht die SIM-Karten austauschen.

Fazit

Schwierig, beide Handys sind super, mit beiden macht das Arbeiten/Spielen/was-auch-immer Spass.

Das iPhone ist mehr Lifestyle, das Desire mehr Tech.

Ich fühle mich beim iPhone mehr Bevormundet, bei Android freier, mit allen positiven und negativen Seiten (was hab ich komisch geschaut als ich zum ersten Mal eine Porno-App im Android-Market im Suchergebnis gefunden habe).

Gerade mit Android 2.2 gibt es einige neue Möglichkeiten die noch sehr viel Innovationspotenzial haben (z.B. c2dm). Beim iPhone ist da schon alles sehr etabliert und unaufgeregt, viele innovative Neuerungen haben das “Update” auf das iPhone 4 nicht gebracht.

Also: Jede(r) sollte beide mal in der Hand gehabt haben und dann entscheiden, beide sind die richtigen.

Möbelkauf in Österreich, ein Hindernislauf

Konsumenten undKunst, Design, Dienstag 27 Juli 2010 15:37

Möbelkauf in Österreich ist einfach, denkt man: Ikea, Leiner, XXLutz, etc. besuchen, Möbel mitnehmen und aufbauen.

Ja, aber abseits des “Mainstreams” wird es schwieriger.

Die kleinen Designerläden haben meistens auch nur Kataloge, wenig vor Ort (Lagerkosten, besonders schlimm beim Lampenkauf) und meistens steht im Internet mehr über ein Produkt  als die VerkäuferInnen wissen.  Schade eigentlich!

All das musste ich wieder schmerzhaft erfahren, als mein “Fernsehwagerl” kurz vor dem Zusammenbrechen war. Ich suchte verzweifelt nach einem Ersatz und fand diesen im “Audio-Scooter” des wirklich tollen und sehr empfehlenswerten “System 180“:

In Online-Shops wie z.B. hier wird das Möbel um 239 Euro inkl. Ust. & Versand innerhalb Deutschlands angeboten. Auch im Shop in Berlin kostet das Teil 239 Euro inkl. Ust. Leider liefern beide nicht nach Wien, da es für Österreich ja einen Vertriebspartner gibt.

Dieser Vertriebspartner in Österreich ist cento-design. Also bin ich frohen Mutes dorthin und habe mich erkundigt was der “Audio Scooter” in Österreich bei Abholung im Geschäft bzw. Lieferung (jeweils bei Selbstmontage) kostet. Brav habe ich meine Visitenkarte hinterlassen, da man, siehe erster Absatz, das “erst nachfragen müsse”.

3-4 Wochen vergingen, ich bekam natürlich keine Antwort.

Also wieder in das Geschäft, man konnte sich an mich erinnern(!), hat sich entschuldigt, mir noch eine Visitenkarte abgenommen und mir wieder gesagt, dass sich am nächsten Tag jemand melden wird.

Wieder vergehen ein paar Tage, nichts bekommen. Also angerufen und es wurde mir versichert, dass ich am nächsten Tag das entsprechende Angebot erhalte.

Und wirklich, am nächsten Tag bekam ich eine Email mit einem Angebot. Im Vorfeld hatte ich mir schon überlegt, um welchen Preis dieses Möbel mir wohl angeboten wird? 250 Euro? (1% mehr Ust. in Österreich) 300 Euro? 350 Euro? Mehr nicht, oder?

Nun, es kam völlig anders:

Da war ich dann baff!

In Berlin kostet das Möbel 239 Euro, in Wien zahle ich dafür 540 Euro inkl. Ust.!

Wenn ich es mir liefern lasse: 684 Euro!!! Das sind um 445 Euro mehr!

Wenn ich in München wohne und es mir liefern lasse zahle ich 239 Euro, wenn ich ein paar Kilometer weiter in Österreich wohne und es mir liefern lasse 684 Euro!

Ok, zusammengebaut, obwohl ich das gar nicht wollte und der Aufbau max. 25-30 Minuten dauert!

Also habe ich das Angebot des Österreichischen Vertriebes an die Deutsche Zentrale geschickt mit der Bitte um Aufklärung wie so ein Preisunterschied zustande kommt.

Ich bekam als Antwort keine Erklärung zur Preisgestaltung, sondern nur den Hinweis, dass das Möbel ja montiert geliefert wird!

Aber wenigstens machte man mir ein Angebot, das Möbel unmontiert zum Preis von 298,50 Euro inkl. Ust. & Versand an meine Adresse zu schicken.  Das habe ich dann auch getan und somit knapp 400 Euro gespart!

Fazit: Wieder ein Wirtschaftsbereich, in dem KundInnen sich emanzipieren und Zwischenhändler (in diesem Fall die “Möbelhändler” die nur mittels Katalog verkaufen und sonst keine Leistung bieten) durch das Internet hoffentlich bald ihr “Geschäftsmodell” (einfach den Preis verdoppeln) verlieren!

Open Design: Ich biege mir einen Sessel!

Kunst, Design, Freitag 9 Juli 2010 15:21

Letzte Woche hatte traf ich bei einer Veranstaltung der Creativwirtschaft Ronen Kadushin, ein in Berlin lebender Designer, der sich mit Open Design beschäftigt.

Open Design bedeutet, dass seine Werke unter einer Creative Commons Lizenz stehen und jeder z. B. die “Schnittmuster” herunterladen kann und das jeweilige “Ding” selbst herstellen kann (er/sie darf es natürlich nicht verkaufen).

Mir gefiel sofort Ronens “Hack chair prototype“, ein aus 6mm dickem Aluminium gebogener Sessel (Den Namen hat der Sessel übrigens, da Ronen eine Hacker-Konferenz besucht hat).

Am nächsten Tag mailte ich gleich mal fünf verschiedene Firmen an, ob sie, auf Basis des DXF-Files (Autocad) mir mit einem Lasercutter so einen Sessel zum biegen herstellen können. Bezeichnend für die Österreichischen KMUs: Nur eine Firma antwortete.

Ich beauftrage die Produktion und heute durfte ich das geschnittene, ungefaltete Produkt in Empfang nehmen:

Alu ist schon ein nettes Material :)

Jetzt ging es ans Biegen, dankenswerterweise hat Johannes das ganze auf Video aufgenommen:

Somit habe ich jetzt einen sehr coolen “Hack chair prototype” (mit Kratzern :) ), der noch dazu recht bequem ist:

Die Kosten für Material und Lasercut lagen bei rund 320 Euro, da ein Einzelstück. Wer sich ebenfalls so etwas biegen möchte, den berate ich gerne!

PS: Unbedingt auch die anderen Objekte von Ronen Kadushin anschauen!

Demokratie darf und muss Geld kosten

Politik, Mittwoch 7 Juli 2010 08:19

In Zeiten der Wirtschaftskrise (noch?) und des Sparbudget macht sich eine neue “Methode” breit, um demokratiepolitische Entscheidungen zu begründen, hier zwei aktuelle Beispiele:

1. Anfechtung Burgenland-Wahl

Sowohl die FPÖ als auch die LBL lehnten die Anfechtung und damit eine Neuwahl wegen der Punktlandung bei der Burgenland-Wahl (hätte das LBL eine Stimme weniger wäre sie aus dem Landtag geflogen und die FPÖ hätte das Mandat bekommen, so ein Zufall!) mit der Argumentation ab, dass die Kosten dafür zu hoch wären bzw. man so was den Bürgern nicht zumuten wolle.

2. Verspätetes Budget

Ja, das verspätete Vorlegen eine Budgets ist ein Verfassungsbruch für den schon einmal eine Regierung zurückgetreten ist. Und ja, ich finde es richtig und wichtig, dass die Opposition dagegen protestiert und dazu z.B. Sondersitzungen einberuft, das sind eben die Mittel, die dafür eingesetzt werden sollen. Und hier kommt wieder das gleiche Argument wie bei der Burgenland-Wahl: Karheinz Kopf, Klubobmann der ÖVP,  im Standard:

Zu guter Letzt parierte Kopf die drohenden Sondersitzungen mit der Frage, was wohl die Bevölkerung davon halte. Immerhin müssten 183 Abgeordnete mehrmals nach Wien anreisen. Und das sei mit hohen Kosten verbunden.

Bei beiden Beispielen stellen sich mir die Haare auf!

Gerade bei komplizierten Entscheidungen oder Wahlen darf und MUSS Demokratie Geld kosten. Geld darf hier nie als Argument für demokratische Entscheidungsprozesse dienen. Wie weit soll so eine Argumentationskette noch gehen? “Wir brauchen keine Nationalratswahl da diese Geld kostet”?

Politik kostet Geld und das ist auch gut so! Und: Mehr als die Abfertigungen z.B. bei der ÖBB kann so eine Burgenland-Wahl auch nicht kosten, von den 500 Millionen für den Verbund will ich gar nicht reden.

Wenn das Vertrauen in die Politik so gering ist wie derzeit ist es wichtig alle demokratischen Mittel einzusetzen, sie zu erklären und ihre Abläufe zu dokumentieren, damit für die WählerInnen Entscheidungen nachvollziehbar sind.

Die Kosten als Begründung für die Nichtbenutzung demokratischer Mittel zu verwenden ist undemokratisch!

OpenData Anwendungen

Internet, Computer undPolitik, Dienstag 1 Juni 2010 08:20

Ich bin der Meinung, dass OpenData (d.h. Copyright-freie, in maschinenlesbarer Form, Veröffentlichung von nicht personenbezogenen Daten eines Staates/einer Stadt/etc., deren Erfassung durch öffentliche Gelder finanziert wird, am besten erklärt in diesem Vortrag) in Zukunft sehr wichtig werden wird. Dadurch kann den Menschen eines Landes wieder sichtbar gemacht werden, wofür ihre Steuergelder verwendet werden und OpenData, bzw. die damit gemachten Anwendungen und Visualisierungen helfen somit der Legitimierung eines Staates/einer Stadt/der Politik. Dann ist Steuerzahlen nicht mehr zum “Geld in das Schwarze Loch werfen”, sondern nachvollziehbar.

Auch muss zuerst ein Staat bzw. dessen Verwaltung Transparent werden bevor man verlangen kann das die BürgerInnen ihre Daten offenlegen (wenn überhaupt). Ich mag zwar die Metapher “Staat=Firma” nicht, aber jede(r) AktionärIn hat mehr Rechte auf Einblick in die Gebaren eines Unternehmen als BürgerInnen in einen Staat.

Um zu zeigen, was OpenData International schon kann, habe ich am Barcamp Vienna, am 29. & 30. Mai in Wien bei Microsoft, einen Vortrag über bereits bestehende Anwendungen gemacht, hier die Prezi dazu, die Links auf den einzelnen Seiten sind anklickbar (am besten in Fullscreen anschauen, dazu auf “More” klicken):

Mir ist es wichtig zu zeigen, dass OpenData eben nicht nur “Datenwüsten” besteht, sondern durchaus in vielen Lebensbereichen hilfreich sein kann, die Wirtschaft ankurbelt und in Zukunft sicherlich unsere Welt verändern wird.

In Österreich steckt OpenData leider erst in den Kinderschuhen, aber es bilden sich schon Initiativen wie Open Government Austria und Open3.

Infos zum Barcamp Vienna am 29. & 30. Mai

Web2.0, Mittwoch 26 Mai 2010 14:37

Am Samstag ist es soweit: das Barcamp Vienna (bei Microsoft, Am Europlatz 3, A-1120 Wien) öffnet die Tore!

Als Rolf und ich im Februar das Barcamp ankündigten gingen wir von rund 150 TeilnehmerInnen aus, bis heute sind es aber (“komme sicher”, “komme vielleicht” zusammengezählt) über 250 Anmeldungen (Anmeldung weiterhin möglich)!

Das freut uns sehr, bestand doch unsere “Werbung” aus ganzen zwei Tweets :)

Hier nun weitere Infos zum Barcamp Vienna:

Der Eingang zum Barcamp wird auf der Rückseite des Microsofts-Gebäude sein. Wir werden natürlich den Weg vom Haupteingang aus Beschildern.

Abseits des obligatorischen WLANs gibt es bei Microsoft  neben der Cafeteria (mit Garten) zwei große Vortragsräume und fünf(!) mittlere bis kleine Vortragsräume, natürlich alle mit Beamer, d.h. Platz ist genug und alles ist ohne Stufen erreichbar.

Los geht’s am Samstag um 9:00 mit dem Frühstück, um 9:30 startet die Begrüßungssession mit der Vorstellungsrunde und Programmeinteilung. Am Sonntag startet die erste Session um 10:00 nach dem Frühstück.

Die Sessionlänge wird 45 Minuten sein, der Timetable ist hier Online.

Es gibt am Samstag und Sonntag Frühstück und Mittagessen, am Samstag zusätzlich noch ein Abendessen mit anschließender Party in der Cafeteria (da gibt’s dann natürlich auch Bier und Wein). Bring your own Music! DJ-Equipment und DJ sind vor Ort! Song Contest schauen ist auch möglich!

Ich freue mich schon auf spannende Vorträge & Diskussionen und wünsche uns allen viel Spass!

And don’t forget:

  • 1st Rule: You do talk about Barcamp.
  • 2nd Rule: You do blog about Barcamp.

Bitte immer den Tag bcvie verwenden wenn ihr über das Barcamp berichtet.

PS: 195, 225, 244 und 463 sind die Panini-Pickerl die mir noch fehlen, dazu hab ich hunderte Doppelte, deswegen gibt es natürlich am Barcamp eine Tauschbörse :)

“Social Micropayment”, ein Zukunftsmodell?

Internet, Computer undWeb2.0, Dienstag 18 Mai 2010 16:50

Ach, wie gut kann ich mich noch daran erinnern, vor rund 15 Jahren saßen wir (Christine, Herwig, Christoph, Roland und ich) zusammen und diskutierten über Micropayment. Damals dachten wir noch, dass in Zukunft die (damals noch böse) Firma Microsoft jedes Mal fünf Groschen für einmal ausdrucken in Word verlangen wird.

Anfang der 2000er versuchte dann mein damaliger Arbeitgeber einen Online-Shop für Musik zu machen, scheiterte aber unter anderem an den hohen Gebühren der Kreditkartenunternehmen (Grundgebühr pro Transaktion plus Prozente).

Da ist in den letzten Jahren, dank iTunes & Co eine “stille” Revolution passiert. Amazons AWS hat kein Problem, mir im Monat einen Cent von meiner Kreditkarte abzubuchen, genauso wenig wie Cent-Beträge für Apps etwas alltägliches sind.

Insofern ist es endlich möglich, auch außerhalb von “Closed Garden” wie z.B. iTunes, Micropayment auch für Inhalte jeglicher Art anzubieten, z.B. Blogbeiträge wie dieser, Zeitungen, Videos, Musik, Flashgames, etc.

Seit kurzem gibt es dazu mindestens zwei Anbieter: Flattr und Kachingle.

Beide verwenden ein ähnliches Modell: Als KonsumentIn kann ich bestimmen wie viel Geld ich im Monat verteilen will (bei Flattr kann man zwischen €2, €5, €10 oder €20 pro Monat auswählen, bei Kachingle sind es derzeit Fix $5 pro Monat, wobei beide Services von einer Servicegebühr leben). Die Verteilung des Geldes wird recht gut in diesem Video von Flattr erklärt:

Kachingle funktioniert ähnlich, der Unterschied ist, dass ich nur einmal eine Seite “Kachinglen” muss, ab dann wird automatisch mitgezählt wie oft ich diese Seite besuche und mein monatlicher Betrag wird anteilsmäßig auf alle Seiten die ich “Kachingled” habe und in diesem Monat besucht habe aufgeteilt. Cynthia Typaldos, Gründerin von Kachingle, erklärt (gemeinsam mit ihrem Hund) in diesem Video sehr rührend die Entstehungsgeschichte:

Beide Dienste lassen sich natürlich sehr leicht (z.B. als Plugin) in bestehende Seiten einbauen, beide arbeiten sicherlich an Facebook-Applikationen und besserer Web2.0-Integration.

Ich finde diese Ansätze sehr interessant, wobei bei Flattr man wohl bewusster seinen “Kuchen” verteilt, Kachingle dafür vielleicht etwas “ehrlicher” bei der Verteilung ist (nicht jeder gibt zu, dass er z.B. die Kronenzeitung liest :) ).

Meiner Meinung nach ist dies erst ein Anfang, hier gibt es noch viele Möglichkeiten, dazu ein paar Ideen:

  • Jeder Retweet auf Twitter wird gezählt.
  • Jeder Klick auf eine z.B. Bit.ly-Url wird der Person zugerechnet die die URL erstellt hat.
  • Das abspielen eines YouTube-Videos wird gezählt.
  • Flickr-Images anschauen wird gezählt.
  • usw.

Hier gibt es sicherlich noch unendlich viele Ideen. Ganz großes Potential hat auch der Facebook iLike-Button. Man stelle sich vor Facebook steigt in dieses Geschäft ein!

Gespannt bin ich auch auf die Skalierbarkeit, wenn mehr Seiten den Button haben aber auch mehr Personen Geld zum verteilen haben. Die Frage ist auch ob schnell genug der “Tipping Point” erreicht wird (etwas, dass für Facebook einfacher wäre).

Ich finde solche Ansätze weitaus interessanter als z.B. eine Kulturflatrate. Nicht falsch verstehen, ich will sehr wohl, das ContentcreatorInnen bezahlt werden, aber eine Flatrate ist technisch ein massiver Aufwand und die Verteilung sowie Verwaltung weltweit überhaupt nicht geklärt. Diese Micropayment-Dienste sind da weitaus einfacher und nachvollziehbarer.

Außerdem: Ein bewusstes “bezahlen” durch Klick auf einen Button hinterlässt ein besseres Gefühl als eine Flatrate, die in einem “schwarzen Loch” verschwindet.

Ich habe einmal beide Dienste auf meinem Blog eingebaut und bin neugierig wie sich diese Services weiterentwickeln.

Die Post, die Werbung und mein Briefkasten

Allgemein undKonsumenten, Mittwoch 12 Mai 2010 16:57

Auf meinem Briefkasten und an meiner Haustür pickt schon seit Jahren der “Bitte keine umadressierte Werbung”-Kleber. Bis auf ein paar Pizzazusteller und das Wien-Magazin halten sich Post & Co auch daran. Bis gestern.

Gestern fand ich in meinem Briefkasten folgenden “Brief” der Post:

Adressiert an den “Werbeverzichter” in meiner Straße und meiner Hausnummer, nur die Türnummer fehlt:

Ist das jetzt der Weg um den Aufkleber zu umgehen, auch wenn man nicht die genaue Adresse hat? Anscheinend ja, aber richtig schlimm wird es wenn man den Brief aufmacht:

Schön, dass ich bestimmen darf was in meinen Briefkasten darf, ich dachte diese Entscheidung habe ich schon vor Jahren durchs aufkleben des oben erwähnten Aufklebers getroffen, aber anscheinend hab ich da was missverstanden.

So, die Post will also das ich auswähle von welchen Firmen bzw. Branchen ich Werbung haben will. Praktisch, dass die Post mir gleich eine Auswahl an Firmen gibt:

Was wohl diese Firmen für diese “Exklusivität” bezahlt haben, damit sie offiziell ihr Logo den Menschen präsentieren können, an die sie sonst, siehe Aufkleber oben, nicht ran kommen? Schön auch das Kleingedruckte!

Aber die Post bietet mir noch mehr, ich kann neben den Firmen auch Branchen auswählen, warum meine Adresse nur einmal verkaufen wenn es auch 100x geht!

Besonders lachen musste ich über die Zeile: “Bitte beachten Sie, dass kein Anspruch auf den Erhalt von Flugblättern besteht.

Den Gipfel der Unverschämtheit schießt aber die Rückseite der “Antwortkarte” ab (Ich habe wieder das vor-ausgefüllte aus Datenschutzgründen unkenntlich gemacht):

Da steht im kleingedrucktem: “Ich erteile meine ausdrückliche Einwilligung zur Verwendung meiner oben angeführten Daten für Marketingzwecke Dritter durch die zur Ausübung des Gewerbes der Adressverlage und Direktmarketingunternehmen berechtigten Gewerbetreibenden.

Auf gut Deutsch:  “Scheissegal, was sie auf der Vorderseite für Unternehmen und Branchen auswählen, wir verkaufen ihre Adresse eh an alle.

Darf ich Fragen was passiert wenn ich auf diesen tollen “Brief” nicht reagiere? Hält sich die Post dann weiterhin an den Aufkleber? Und: was macht die Post eigentlich wenn ich ankreuze “Nein, ich bin mit einer solchen Datenverwendung nicht einverstanden.”, eigentlich ein Widerspruch zur Vorderseite, oder? :)

Ich fordere die Post auf, in Zukunft diese Art der Werbung zu unterlassen und mich nicht mehr damit zu belästigen, ich finde dieser “Brief” ist eine Frechheit!

Visualisiert: OpenStreetMap & Österreich

Internet, Computer undWeb2.0, Dienstag 4 Mai 2010 17:28

Fasziniert von diesem Projekt habe ich mich mit OpenStreetMap beschäftigt und einige Visualisierungen für Österreich realisiert (Datenstand 29. April 2010).

Zuerst alle asphaltierten und mit dem Auto befahrbare Straßen in Österreich die in OpenStreetMap eingetragen sind (falls jemand Interesse hat: ich habe davon auch eine Variante mit 53264×27312 Pixel für einen Kunstdruck :) ):

Irgendwie das Nervensystem eines Landes, oder? Ich finde so sieht man viel deutlicher die notwendige Infrastruktur eines Landes, einer Stadt.

Im Gegensatz dazu alle “Pfade” (Wanderwege, Feldwege, etc.) die in OpenStreetMap eingetragen sind, hier sieht man z.B. schön die Wege in den Alpen und wo die meiste Landwirtschaft in Österreich ist:

Interessant ist da auch das Schienennetz:

Im Vergleich dazu sind alle auf OpenStreetMap eingetragenen Radwege eher mickrig, liegt aber auch daran, dass eine Rad-Autobahn wohl keinen Sinn macht:

Auch für Wien schauen solche Karten interessant aus, finde ich:

Leider sind noch nicht alle Bauflächen eingetragen, deswegen nur die (vollständig wirkenden) Wasserflächen.

Mit den OSM-Daten von OpenStreetMap kann man auch sehr gut visualisieren wann welche Node (eine Node in OSM ist ein Punkt der z.B. Teil einer Straße oder die Ecke eines Hauses ist) eingetragen oder zuletzt geändert wurde (da die Historie der Punkte nicht im OSM-File gespeichert wird), dazu eine Video, dass sehr gut zeigt wie Österreich in OpenStreetMap “entstanden” ist (unbedingt in HD & Fullscreen anschauen!):

Dazu ein paar Daten: In diesem Video sind 6.596.519 Nodes visualisiert. Es gibt Tage an denen fast 400.000(!) Nodes verändert/hinzugefügt wurden! Die ältesten Einträge in dem OSM-File sind übrigens vom 1. August 2005, dann ist bis Anfang 2006 Pause.

Danke an alle die bei OpenStreetMap mitarbeiten und damit solche Dinge ermöglichen!

Ausländer raus – Schlingensiefs Container

Kunst, Design undPolitik, Donnerstag 25 März 2010 13:45

Letzte Woche hatte ich die Gelegenheit, im Anschluss an die TransAct-Buchpräsentation (Lesenswert, war ein wichtiges und sehr tolles Projekt!) wieder die Dokumentation “Ausländer raus – Schlingensiefs Container” von Paul Poet aus dem Jahr 2002 zu sehen.

Der Film dokumentiert eindrucksvoll die Aktion von Christoph SchlingensiefBitte liebt Österreich” im Rahmen der Wiener Festwochen aus dem Jahr 2000, wenige Wochen nach Angelobung der Blau/Schwarzen Regierung.

Obwohl das ganze schon ein Jahrzehnt alt ist muss man feststellen, dass die die Dokumentation (leider?) immer noch sehr aktuell ist. Beängstigend ist auch, wie die Argumente von damals heutzutage als “normal” angesehen werden.

Interessant auch: Damals hat die Donnerstagsdemo ja das “Ausländer raus”-Schild heruntergerissen und wollte die Container stürmen, was Schlingensief (zu recht!) erschütterte, da dadurch die Demonstranten (ohne das es ihnen aufgefallen ist!) eigentlich die Forderungen der FPÖ, die ja gegen diese Aktion war, erfüllten.

Man findet zu dem Film nur sehr wenig im Internet, ich habe mir erlaubt den Trailer, den ich auf Skip.at gefunden habe, auf YouTube zu stellen:

Der Film erschien 2006 in der “Der Österreichische Film” Edition des Standards auf DVD.

Unbedingt anschauen, ist absolut Sehenswert!

PS: Ja, ich war damals auch bei den Containern und ja, ich war auch oft bei der Donnerstagsdemo.