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Utopie Atlantropa: Afrika und Europa ein Kontinent?

Zukunft, Dienstag 8 Januar 2008 13:27

Gestern eine sehr interessante Doku über Hermann Sörgel und sein Projekt “Atlantropa” auf ZDF Doku gesehen.

Sörgels 1928 formulierte Idee ist das absenken des Mittelmeers um 200 Meter mit Hilfe eines 35 Km langen Staudamm bei Gibraltar. Der Staudamm sollte gleichzeitig als Kraftwerk dienen und den ganzen Kontinent mit Strom versorgen (zum Vergleich, das momentan größte Kraftwerk ist etwas mehr als 3,5 Km lang…). Alleine der Bau des Dammes sollte zehn Jahre dauern und eine Million Arbeitsplätze schaffen (die Logistik dafür wäre ein Wahnsinn). Über einen Zeitraum von bis zu 150 Jahren sollte das Mittelmeer um 200 Meter absinken (durch Verdampfung) und eine Menge neues Festland entstehen:

Flächengewinn

Die dunklen Flächen sind der Flächengewinn durch die Absenkung, so sollte der Staudamm aussehen:

Staudamm bei Gibraltar

Durch die Absenkung des Meeresspiegels sollten Europa und Afrika zu einem Kontinent zusammenwachsen, eben “Atlantropa” (der Kontinent der an den Atlantik angrenzt). Mit der aus dem Staudamm gewonnen Energie sollte dann auch Afrika begrünt werden um neue Anbaugebiete zu schaffen.

Natürlich müssten alle Hafenstädte im Mittelmeer neu gebaut werden da sie ja dann bis zu 400 Km vom Meer entfernt sind, hier ein Entwurf für Genua, im Hinterland ist die “alte” Stadt:

Entwurf Genua

Sörgel konnte auch einige bekannte Architekten der damaligen Zeit für das Projekt gewinnen, unter anderem hat er auch mit Corbusier darüber geredet und der soll begeistert gewesen sein.

Venedig sollte, mit der umschließenden Lagune, in einen künstlichen See (mit einem weiterem großen Staudamm) umgewandelt werden und so als Freiluftmuseum erhalten bleiben da es ja nach der Absenkung über 400 Km vom Meer entfernt liegt. :)

Interessant ist das der Glaube an die Technik so groß war das Umweltschutz und z.B. soziale Probleme (was machen die ganzen Fischer wenn das Meer hunderte Kilometer entfernt ist?) komplett verdrängt wurden, wichtig war einen von der Energie- und Nahrungsversorgung unabhängigen Kontinent zu schaffen.

Das Projekt war selbst den Nazis zu groß und Sörgel durfte während des 3. Reiches nicht mehr publizieren. Nach dem Tod von Sörgel wurde das Atlantropa-Institut aufgelöst und die Idee geriet in Vergessenheit. Am Ende der Dokumentation kommen einige Architekten zu Wort die meinen das die Zeit für so ein Projekt noch nicht Reif ist, aber vielleicht in 500 Jahren.

Die TU Darmstadt hat sich mit den Ideen befasst und eine Webseite (von dort sind auch die Bilder) dazu gemacht.

Die Doku gibt es anscheinend bei Amazon zu kaufen, sehenswert wenn man wissen will wie jemand bis an sein Lebensende eine Utopie verfolgt.

PS: Die Dokumentation wird auf Eins festival diese Woche öfters wiederholt.

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