Internet, Computer, Donnerstag 10 Juli 2008 09:20
Christoph Chorherr ruft auf seinem Blog dazu auf für die Gestaltung der Grünen Wahlplakate Ideen zu liefern.
Eigentlich eine gute Idee, Crowdsourcing ist gerade modern und macht in diesem Fall Sinn, nur stellt sich gerade da die Frage:
Brauchen die Grünen ein Wahlplakat?
Hat nicht Chorherr mit seinem Aufruf schon indirekt gezeigt was die Grünen machen sollten? 2/3 der Österreicher sind am Internet, die neue Zielgruppe der 16 jährigen wohl zu 100%.
Deswegen behaupte ich mal:
Was die Grünen brauchen ist ein guter Internt-Wahlkampf!
Und damit meine ich jetzt nicht eine Agentur zu beauftragen damit sie den Grünen eine neue Community baut, auch bitte keine Bannerwerbung auf derStandard.at nur weil die Medienplanner behauptet dort sind die Grünwähler, sondern aktiv die bestehenden Seiten bespielen!
Aber nicht mit Kampfpostern, sondern ich will:
Grüne PolitikerInnen twittern sehen.
Grüne PolitikerInnen auf Flickr sehen.
Grüne PolitikerInnen auf Youtube sehen.
Grüne PolitikerInnen auf Myspace sehen.
Grüne PolitikerInnen auf Facebook sehen.
Grüne PolitikerInnen in Forumsdiskussionen sehen.
Grüne PolitikerInnen in Chats sehen.
Ich möchte täglich auf Youtube sehen wo die Grünen gerade unterwegs sind, was sie die Bevölkerung fragen, über welche Themen (schließlich geht’s ja um Themen und Perspektiven, einen Personenwahlkampf gegen Faymann werden die Grünen wohl nicht gewinnen) sie mit den Menschen reden, sehen wie viele Leute für die Grünen arbeiten, sehen das es da mehr als nur einen Van der Bellen, einen Pilz, eine Glawischnig und einen Chorherr gibt. Sehr gut finde ich z. B. die kurzen Meldungen der Grünen Klagenfurt (leider war der Elan da nur von kurzer Dauer) auf Youtube.
Ich möchte wenn ich auf Flickr “Wahlkampf” eintippe Fotos von Grünen PolitikerInnen sehen, ich will auf Geizhals.at mit Ihnen diskutieren wie man beim Neugerätekauf auf das Energiesparen achten kann, usw.
Was schön wäre ist eine Seite (dessen URL kann man dann von mir aus auch auf einem Plakat bewerben kann) wo alle Aktivitäten zusammengefasst werden, siehe z. B. Platterwatch. Wirklich mutig wäre dann wenn auch die Aktivitäten der anderen Parteien dort auch einsehbar wären.
Das ist sicher viel Arbeit, aber Obama z. B. erreicht auf Twitter mit einem 140 Zeichen Statement über 45.000 Personen und die lesen das auch mehrmals täglich aktualisert, was man mit einem Plakat (vor allem wenn ich mir das Plakat auf diesen hässlichen Holzständern, teilweise verbogen, teilweise vom Regen aufgelöst, vorstelle) nicht schafft. Aktiver Dialog ist angesagt!
Also:
Die Grünen brauchen kein Plakat, die Grünen brauchen einen Internet-Wahlkampf!
EDIT: Nein, ich habe Blogs natürlich nicht vergessen, nur wie Heinz richtig sagt: PolitikerInnen die jetzt noch nicht bloggen werden es auch nicht in den nächsten Wochen lernen. Deswegen der Fokus auf die anderen Web2.0-Aktivitäten.
EDIT: Hier mein Nachtrag.
RSS Feed














Schöner Beitrag… full akk. Damit könnten die Grünen unter Umständen sogar mich Wahldiva rumkriegen.
Gute Idee, die Leute dort “abholen”, wo sie sind.
Eine Seite mit einem Aktivitätenfeed (wie friendfeed), dazu eine Leiste mit den Personen: Bild, bei Klick: Profil mit persönlichem Feed.
Müsste sich recht schnell aufbauen lassen.
Content wird täglich produziert, es muß nur jedesmal daran gedacht werden, die Statements auch gleich aufzuzeichnen und zu twittern / posten.
Bisher twittert ja nur Häupl
-> http://twitter.com/Haeupl
…wollen wir wirklich Politker, die twittern oder im Facebook auf Friends-Jagd gehen? Meist tun sie es ohnedies nicht selbst, da würden ihre PR-leute rotieren.
Ich brauch nicht unbedingt Politiker als “Friends”. Und ich bin der Meinung, Politik hat schon genügend Öffentlichkeit zur Verbreitung ihrer Stehsätze. Ist ja nicht so, dass mehr Präsenz in mehr Medien auch mehr Inhalt bedeuten würde.
Das klingt jetzt vielleicht naiv oder auch politikverdrossen (das trifft auf jeden Fall zu), aber ich finde, man sollte die österreichischen Parteien/Politker mal zum medialen Downshifting nötigen. Und nicht die selben Phrasendrescherei jetzt auch noch via Viraleffekt verbreiten. Noch mehr Lärm um Nichts.
Und es kann doch nicht sein, dass die durchschnittliche österreichische Legislaturperiode keine zwei Jahre mehr dauert, und die Parteien auch noch mit Unmengen Subventionen für ihre Imagekampagnen belohnt werden…
@linzerschnitte: da muss man eben die Grenze ziehen, mir gehts nicht um Virales Marketing, mir gehts um authentisches Auftreten und Nutzen der Medien um die Wähler zu erreichen, alles andere wird nicht, wie du richtig sagst, funktionieren. Das Ganze ist natürlich eine Gratwanderung.
Das schlechteste Beispiel für nicht authentisch ist für mich der Molterer. Man hat richtig gemerkt dass er sogar für den Satz “Es reicht” einen Personal Trainer gebraucht hat und es stundenlang vor dem Spiegel geübt hat.
Ergänzung zu @Linzerschnitte:
Und gerade in diesen Communities entscheidest du ob du deren Freund werden willst oder ob du infos von den Politikern willst, bei Plakaten geht das nicht, die sind immer da, egal ob du willst oder nicht
Stimmt, das ist der Kern der Sache: Authenitzität. Und das traue ich leider den wenigsten Politkern zu….und noch dazu: Social Media ist ein Instrument zur Selfpromotion. Ich will aber keine persönliche Beziehung zu ‘meinem Abgeordneten’, Ich will Politker, die ihren Job machen.
Beim Molterer hast absolut recht. Kann ich mir so richtig vorstellen, den Personal Trainer: “Willi, damit gehts in die Geschichte ein….”
@linzerschnitte selfpromotion ja, aber gerade in social media geht selfpromotion mehr noch über Themen, man wird gehört wenn man was sagt und nicht nur wenn man schön lächelt.
Und beim Willi ist es echt schlimm, den haben sie genaus wie den Gusi durch solche Massnahmen ruiniert.
beim gusi kommt halt dazu, dass der ein richtiger Apparatschik ist - und ein Kanzler muss zumindest ‘Volksnähe’ vortäuschen können (- siehe Schüssel).
@Linzerschnitte nicht den S…. nennen, der redet gerade Scheisse im Nationalrat auf ORF2, wie wenn er wieder Bundeskanzler wird
@ max oh. mea culpa:-)
was ich wegen der plakate noch anmerken wollte. nachdem wir im letzten jahrzehnt doch unentwegt im ‘wahlkampf’ waren, hab ich diesbzgl. eine gute selektive Wahrnehmung. aber pssst, sag das bitte nicht dem herrn chorherr.
generell waere es in der werbung, bzw. jeder professionellen kommunikation angebracht, sich online media literacy anzueignen.
das trifft auf politische werbung genauso wie auf alle unternehmen oder auch NGOs zu.
unternehmens-images, rationale und emotionale markenwerte, brand-definitionen etc. funktionieren ja schon jetzt nicht mehr als einbahn-kommunikation, sondern werden von konsumentInnen, waehlerInnen, foerderInnen wesentlich mitbestimmt.
das feine an der onlinekommunikation (oder nenn es halt web 2.0) ist doch, dass vieles, was bisher nicht in dem ausmass oeffentlich stattgefunden hat, jetzt fuer alle user vorhanden ist und sogar noch wunderbar gemessen und ausgewertet werden kann (und das vergleichsweise einfach, vor allem in der welt der mashups)
was ja bei wirtshausgespraechen zb nicht der fall ist - und man kann sich als werbetreibendeR auch noch herrlich involvieren und einmischen.
dass diese chancen nicht schon viel staerker gemutzt werden, kann nur am noch immer herrschenden analphabetismus bezueglich onlinekommunikation liegen.
dumme plakate sind halt schnell gebaut, nachhaltig und intelligent kommunizieren ist dagegen eine andere strategie…
mit verlaub, da bleibt mir nur mehr ein zitat aus der literatur: “die können mich alle im Arsch lecken”!
@fadi versteh ich
aber das nutzt halt leider nix, ich will endlich wieder Perspektiven un dkonzepte in der Politik und zwar von allen Parteien!
@fadi, jetzt sind’s doch ned so unkooperativ, herr fadi!
@michaela: die media literacy halte ich auch für den entscheidenden faktor, wobei sich die nur durch praxis, also durch online-kommunikation herstellt. man hat sie nie alleine, sie gehört immer zu einem netzwerk/einer gruppe, das/die online kommuniziert.
unkooperativ, perspektivenlos und konzeptlos ist die werte politik. ich habe mir nur erlaubt meine innerste stimmung auszudrücken.
die bevölkerung wird immer älter, dadurch entsteht eine dynamik ins bewahrende, nicht in den aufbruch. anstatt an der zukunft zu schrauben, drehen meine und deine gewählten volksvertreter verängstigt und ideenlos an jener schlinge, an der sich die nächste generation aufhängen kann.
prosit!
als lektüre empfehle ich: “Die Logik des Mißlingens. Strategisches Denken in komplexen Situationen.” (Taschenbuch) von Dietrich Dörner.
dennoch: den beitrag und die reaktionen darauf finde ich sehr anregend.
bussi nach wien
fadi
[...] den Inhalten (siehe Maschis Sorgen eines potentiellen Nichtwählers) oder Formen (siehe Max’ Ideen für einen Internetwahlkampf) eines Wahlkampfs wird eine Fokusgruppe nicht [...]
Walhkampf 2.0 ist eine tolle Idee. Das würde SPÖ und ÖVP auch gut gefallen, denn schließlich steht ja der vollständig überwachte Bürger im Programm so ziemlich jeder Partei. Durch den Einsatz von Politik 2.0 legitimiert man dann endlich die Überwachungskameras, die Vorratsdatenspeicherung, die Onlineverfolgung und alles, was dem Bürger so wirklich Spaß macht. Die Polizei wird sicher auch bald “twittern”, allerdings bin ich dann mal gespannt auf die “Friendsjagd”.
also ich bin im Gegenteil der Meinung, dass Wahlkampfplakate auch wenn sie landschaftsverschandelnd sind, notwendig sind. um alle Leute die lesen können, aber trotzdem nicht online sind wie viele Pensionisten zu informieren (Information ist es schließlich auch, wenn auf einem Plakat ein Schaß steht, dass das unerreichbar ist und darum nicht wählt) sorry, aber wenn die Grünen das machen wird es auf intellektuelle arroganz die sich gar nicht um die Senioren kümmern herauslaufen.
@weltbeobachterin:um Plakate wird man eh nicht herumkommen und grad in der Gruppe der Pensionisten gibt es die größten Steigerungsraten bei Internetzugängen (fast 50% bei den 60-70 jährigen haben Internet, 20% bei älteren laut AIM).
[...] aus Plakaten – es wird an allen Ecken und Enden kommuniziert und von vielen Bloggern, wie z. B. Max Kossatz, wird unmissverständlich auf die Berücksichtigung ergänzender Kanäle hingewiesen. Ich bin [...]
Wahlkampf findet ja nicht nur in Form eines Werbewahlkampfs statt. Das ist nur ein kleiner Teil. Plakatwerbung ist wieder nur ein kleiner Teil davon. Sich also von den Plakaten zu erwarten, dass hier alle möglichen Zukunftslösungen, Themen etc. transportiert werden, kann nicht erfüllt werden. Wenn irgendetwas auf Plakten Platz hat, dann ist es eine knappe Kernbotschaft. Speziell die Grünen, die nur über einen Bruchteil des Budgets der großen verfügen, müssen hier verknappen.
Und das Ziel muss sehr wohl sein, dass das Plakat im Fernsehen gezeigt wird. Hier geht es ja sehr stark darum wie dieser Wahlkampf geführt wird. Deswegen ist genaue diese Intialzündung von Christoph Chorherr so wichtig gewesen.
@alm
klar, aber die Kernbotschaft kann nicht sein “Rot-Schwarz verhindern” oder “Wir machen das besser”, das wird wohl jede Partei sagen…
Auch das die Plakate im Fernsehen sind ist ok, nur erwarte ich mir eben mehr Reflexion.
Mir gehts ja auch um eine prinzipielle Diskussion, da der Zeitpunkt (viele mögliche Kleinparteien) dafür wohl sehr gut ist
[...] Andreas Klinger hat sich offenbar Max’ Überlegungen angeschlossen und schlägt statt einem Wahlplakat eine Facebook-Applikation vor. Categories: [...]
[...] auch etwas für die Plakat-Aktion überlegt. Kein Plakat, sondern in Anlehnung an meine Kommentare zur Plakat-Aktion haben sie eine Facebook-Applikation entwickelt in der sozusagen jeder User selber zum Plakat wird. [...]