Web2.0, Dienstag 29 Juli 2008 16:22
Da gibt es das wirklich sehr interessante und lesenswerte Buch “The Long Tail: Why Why the Future of Business Is Selling Less of More” von Chris Anderson, Chefredakteur von Wired, in dem er die Theorie aufstellt das in Zukunft Firmen Online mehr mit vielen Nischenprodukten (der “Long Tail”) verdienen werden als Mit Blockbustern, d. h. das Einkaufsverhalten, z. B. bei Filmen oder Musik, wird sich verändern und die Verkaufskurve dadurch abflachen:
Eigentlich ein sehr guter und logischer Ansatz da ja Online z. B. die Verkaufsfläche unbegrenzt ist und dieser “Long Tail” genauer den Bedürfnissen der KäuferInnen entsprechen kann.
Nun gibt es eine Studie von Anita Elberse, Professorin an der Harvard Business School die diese Theorie überprüft hat.
Dazu hat sie Daten von Nielsen VideoScan, Nielsen SoundScan, Quickflix (DVD-by-mail Verleih in Australien) und Rhapsody, ein Abo-basierender Online Musikdienst, ausgewertet, mit erstaunlichen Ergebnissen:
So ist z. B. gerade bei den digitalen Downloads im Zeitraum von 2005 bis 2007 die Dominanz der Blockbuster im Vergleich zum CD-Verkauf gestiegen und der “Long Tail” zwar länger, aber auch viel flacher geworden, d. h. die Kurve ist steiler geworden, wie man hier schön sieht:
Es zeigte sich anscheinend bei allen Daten das gleiche Bild: Die Dominanz von Blockbustern ist, entgegen der Theorie von Chris Anderson, nicht geringer sondern im Gegenteil größer geworden:
My colleague Felix Oberholzer-Gee and I studied this question. In particular, we looked at weekly sales of home videos as reported by Nielsen VideoScan from January 2000 to August 2005, focusing on a random sample of nearly 5,500 titles. Using econometric models that control for a number of possible concomitant trends, we found that sales did shift measurably into the tail: The number of titles that sold only a few copies almost doubled for any given week from 2000 to 2005. In the same period, however, the number of titles with no sales at all in a given week quadrupled. Thus the tail represents a rapidly increasing number of titles that sell very rarely or never. Rather than bulking up, the tail is becoming much longer and flatter. Moreover, we determined that this is not simply a function of the sharp increase in the number of titles that have come onto the market in recent years, or of the transition from VHS to DVD; it is the truth of the long tail.
Meanwhile, our research also showed that success is concentrated in ever fewer best-selling titles at the head of the distribution curve. From 2000 to 2005 the number of titles in the top 10% of weekly sales dropped by more than 50%—an increase in concentration that is common in winner-take-all markets. The importance of individual best sellers is not diminishing over time. It is growing.
D. h. jetzt aber nicht das der “Long Tail” unwichtig ist, KaüferInnen die gerne im “Long Tail” shoppen kaufen dafür weitaus häufiger ein.
ABER! sie kaufen trotzdem zum Großteil Blockbuster und nur zu einem geringen Prozentsatz aus dem “Long Tail”!
Der Artikel ist sehr lesenswert, Anita Elberse gibt auch Tipps für Produzenten und Retailer wie man mit diesen Ergebnissen umgehen kann, z. B.:
When trying to strengthen your presence in digital channels, focus on marketing your most popular products.
Fast noch spannender ist die Diskussion die sich Aufgrund dieses Artikels zwischen Chris Anderson und Anita Elberse entwickelt hat, siehe hier und hier!
Ich denke ja das der “Long Tail” auf jeden Fall seine Berechtigung hat, nur ob man damit Geld verdienen kann bin ich mir auch nicht sicher, denke eher das er wichtig zum verstehen von Social Networks ist und sich daraus vielleicht Ideen und Produkte entwickeln lassen die eben nicht mit z. B. digitalen Downloads vergleichbar sind.
Ich bin aber sehr neugierig wie diese Diskussion noch weiter gehen wird, finde es sehr wichtig das diese “Long Tail” Theorie, die seit zwei Jahren als “Buzzword” durch die Welt geistert genauer hinterfragt wird und somit vielleicht weiterentwickelt wird und nicht nur fürs Bullshitbingo da ist.
RSS Feed







interessant, dass die sehr etablierte these auch mal getestet wird.
unabhängig davon, wie lange und dick der tail ist, ist es spannend, ob der long tail eine basis für geschäftsmodell sein kann.
meine theorie dazu ist, ja, aber auch nur langfristig. kurzfristig muss man trotzdem in den markt kommen und umsätze generieren. und da bieten sich die am leichtesten erreichbaren 20% die dann 80% des umsatzen machen an.
dann kann man darauf aufbauend langfristig und schritt für schritt auch den long tail erreichen/explorieren.
ja, ich denke auch das es nur über so eine Kombination geht, nur wie lange wohl der Zeitraum sein muss bis das funktioniert?
In den Beispielen werden schon Daten für 2-3 Jahre verwendet und es funktioniert immer noch nicht, so langen hält kein Startup durch..
ja. in den meisten fällen bleibt nur, die geschäftsidee ganz langsam nebenbei aufzubauen. das sorgt u.a. auch dafür, dass die unternehmensanteile in eigener hand bleiben – man kann allerdings dann auch nicht den investor für sein eigenens scheitern verantwortlich machen. hab mir dazu auch mal nähere gedanken gemacht: http://startupict.blogspot.com/2007/12/long-tail-financing-12.html.
2-3 jahre könnens schon sein. spannend ist die auch frage, zu welchem zeitpunkt man von einem teil-zeit gründer zum vollzeit unternehmer werden soll.