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Wahl08: “Postdemokratie” von Colin Crouch

Politik, Mittwoch 13 August 2008 17:43

Pünktlich zur Nationalratswahl 2008 ist “Postdemokratie“, die deutsche Übersetzung von Colin Crouchs Buch “Post-Democracy” (2004) im Suhrkamp Verlag erschienen.


Wikipedia hat eine schöne Erklärung des Begriffes Postdemokratie:

Postdemokratie bezeichnet ein politisches System, in dem es nicht auf die Beteiligung der Bürger (als Input gesehen), sondern nur auf Ergebnisse ankommt, die dem Allgemeinwohl dienen und dem Kriterium der Verteilungsgerechtigkeit genügen (Outputorientierung). In Bezug auf kollektiv verbindliche Entscheidungen wird dabei demokratischen Verfahren nur instrumentelle Bedeutung zugemessen. Sie erscheinen nützlich, wenn und insofern Mehrheitsentscheidungen oder demokratisch kontrollierte hierarchische Entscheidungen geeignet sind, allgemeinwohlorientierte Politik hervorzubringen.

Hier ein Auszug aus dem Buch der sehr gut zur anstehenden Wahl passt:

Da ich das Buch gestern erst bekommen habe bin ich noch nicht ganz durch, kann aber jetzt schon sagen das es meiner Meinung nach ein “must read” ist, auch wenn es teilweise überzeichnet ist, soll wohl die Notwendigkeit des Handels dramatisieren.

Crouch vergleicht auch sehr schön die unterschiedlichen demokratischen Systeme und behauptet das es wohl ein Fehler war die USA als Vorbild zu nehmen, genauso wie er Italien als eines der “Vorreiter” der Postdemokratie bezeichnet.

Leider finde ich kein Interview mit Colin Crouch Online. Im vorletzten Spiegel (32/2008, leider nicht Online) war ein sehr interessantes.

6 Kommentare für 'Wahl08: “Postdemokratie” von Colin Crouch'

  1.  
    13. August 2008 | 21:02

    klingt wirklich interessant! Danke für den Tipp
    Vielleicht bekomme ich es irgendwo. Obwohl ich noch einiges wartet zum Lesen.

  2.  
    14. August 2008 | 16:47

    Ein sehr guter Textauszug. Super.

    “Die Mehrheit der Bürger spielt dabei eine passive, schweigende, ja sogar apathische Rolle. Sie reagiert nur auf die Signale, die man ihnen gibt.”

    Dieser Satz gefällt mir. Man wird Authist. Bilder und Video schauen. Lässt sich berieseln. In Zeiten des bidirektionalen Webs nutzen auch nur ein paar wenige Leute die Möglichkeiten zur weiterbringenden Informationsvermittlung.

    Was mir auffällt - eigene Meinungen und Statements sind nicht (so sehr) gefragt. Mit der Masse mitschwimmen. Mainstream. Obenbleiben und aufpassen, daß der Kopf nicht nass wird. Unerkannt bleiben. Wenn man seine Meinung hat, wenn man Dinge differenzierter sieht, ist es nicht weit weg, daß man in den “Linken-Bereich” gestellt wird. Lieber über den Nachbarn reden oder über den Arbeitskollegen, der irgendwas verbrochen hat - lieber über das Wahlplakat reden; ist er nun retuschiert oder nicht; ein fesches Hemd hat er aber.

    Der Treshhold hat sich stark verschoben.

    Bei Politik fehlen die Themen. Der Wille und die Motivation etwas zu machen - und der Weitblick. Es fehlen die Persönlichkeiten. Es fehlen die Meinungen. Es fehlen Ecken und Kanten. Es fehlen die Vorbilder. Es fehlen die Werte. Was übrig bleibt ist beinharte kahle kalte Wirtschaft und Industrie.

  3.  
    Jan_Kiel
    14. August 2008 | 23:07

    Mir stellt sich eher die (rhetorische) Frage, ob es, mit Verlaub, nicht auch früher schon Wahlkampfmanager, eher inhaltsleere Slogans und lancierte Themen gegeben haben könnte. Sicherlich hat sich diese Tendenz im Zeitalter der Spin-Doctors verstärkt, keine Frage. Viele Politikwissenschaftler neigen allerdings dazu, maßlos zu übertreiben; nur um eine umso griffigere, vermeintlich dramatische Entwicklung diagnostizieren - und vermarkten - zu können. In einer repräsentativen Demokratie ist es nun einmal so, dass der Bürger seine politische Souveränität auf Zeit auf den Abgeordneten seiner Wahl delegiert. Und politische Partizipation wie beispielsweise “1968″ wiederholt sich nun einmal nicht alle Nas’ lang.

  4.  
    20. August 2008 | 14:08

    Mit Freude habe ich über das Buch von Colin Crouch gelesen!
    Ich habe es nicht gekannt, als ich im Frühjahr 2008 meine Master-Thesis für den ‘Master of Advanced Studies ZFH in Arts Management’ an der Zurich University of Applied Sciences erstellte. Mein Thema war die Proklamation des neuen Zeitalters der “pAstmoderne – Weg zum new-global-Age”, welches in Buchform erschienen ist. Eines der Kapitel darin beschreibt ‘Das Ende der Demokratien’ und als gutes Beispiel ‘Die Demokratie der Sachfragen’, anstelle jener der ewigen Personalfragen… . Eine ‘power structure research’ Studie der Uni Münster beweist, dass die Politik unter Globalisierungsbedingungen nur noch (ich zitiere:) “für die Aufrechterhaltung eines Anscheins von Verteilungsgerechtigkeit” zuständig ist. Wahlkämpfe drehen sich im allgemeinen nur um die Besetzung dieser Positionen” (die ewigen ‘Personalfragen’…!). Das hat doch nichts mehr mit Demokratie zu tun!!! Aufgrund dieser Fragen möchte ich mich europaweit Symposien zum Thema “Die intensiv genutzte Gesellschaft – von der Notwendigkeit von Brachflächen” einsetzen und damit ein direkt-demokratisches politisches ‘Policy Making’ und ‘Agenda Setting’ anregen. “YES, WE CAN!” sagt Barak Obama immer wieder! “YES, WE CAN!” sage auch ich! Demokratien müssen leben und nicht in Ohnmacht ersticken!

  5.  
    pofp
    10. Oktober 2008 | 12:50
  6.  
    max
    10. Oktober 2008 | 13:08

    @pofp DANKE!!!! Super!

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