Kunst, Design, Mittwoch 10 September 2008 16:52
Die Ars Electronica ist vorbei. Von Donnerstag Abend bis gestern war Linz wieder einmal der Nabel der Netz/Medien/Internet/Web2.0/was auch immer Kunst/Diskussion/was auch immer Welt.
Interessant sind (läuft im Lentos noch bis Oktober) auf jeden Fall die Arbeiten der Kunstszene rund um die Kapelica Gallery (Ljubljana, Slovenia). Teilweise sehr radikale arbeiten wie diese von Zoran Todorovic:
Aus Abfällen von Schönheitsoperationen, an denen der Künstler die Rechte erworben hat, wird ein Aspik-Kuchen gekocht und in der Galerie, in der Fotos des “Herstellungsweges” hängen, den Besuchern zum kosten angeboten. Ein schönes Beispiel um moralische Grenzen zu zeigen (erinnert mich an ein Projekt eines Freundes wo Blutwurst aus Eigenblut gekocht wurde).
Auch sind die Einflüsse der NSK erkennbar in der Bildsprache der gezeigten Arbeiten.
Sehr interessant waren auch die Arbeiten der Studenten der Universität Tokyo. Jede Menge sehr spannende Interfaces aber auch tanzende Roboter wie dieser, ein Projekt von Shin’ichiro Nakaoka:
Auch war das Symposium dazu wirklich spannend!
Die Gewinner des diesjährigen Prix Ars Eelctronica waren teilweise interessant aber großteils sehr Banal (die Goldene Nica Preisträger aber sind sehenswert).
Das von Joichi Ito organisierte Symposium war eigentlich erstaunlich interessant. Z. B. Tim Pritlove sprach über (schon sehr bekannte aber immer noch gute) Blinkenlights (ab Oktober in Toronto, Canada!)
Paul Keller zeigte sehr schön dass BitTorrent-Seiten das weitaus bessere Archive von z. B. Arthouse-Filmen hat als jede offizielle Seite dazu (und auch kompatibler mit verschiedenen Rechnern, schneller, mehr Diskussion und mehr Formate).
Georgia Popplewell stellte Global Voices vor, eine Art “Human Aggregator und Übersetzer” der Blogospähre. So gab es noch einige mehr interessante Vorträge.
Leider gab es auch Heuer wieder ein Problem das bei jeder Ars auftritt: Warum müssen bis zu drei Symposien gleichzeitig stattfinden?
Die Abendveranstaltungen waren sehr mau, da wird wohl Geld gespart für nächstes Jahr bzw. in den Neubau des AECs investiert, schade! Wo sind die Zeiten wo es noch tolle Performances gab und nicht nur Konzerte (Ein Satz den man diesmal sehr oft hörte)?
Ein Highlight in jeglicher Hinsicht war aber Paul Granjon mit seinem “Konzert”. Musik die an The Residents erinnert kombiniert mit witzigen Roboter und Animationen, hier ein Ausschnitt:
Der absolute Tiefpunkt war die Mission Future Konferenz, selten so eine schlechte Konferenz mit so hochkarätigen Speakern gesehen.
Wobei es nicht an den Speakern lag!
Hier ein Beispiel: Da gab es eine halbstündige Werbeveranstaltung für einen MBA-Kurs einer Berliner Privatuni (vor lauter Profis auf dem Gebiet
) gefolgt von einem rund 10 minütigem, vom Interviewer extrem schlecht vorbereiteten Interview mit Lars Hinrichs (Xing-Gründer), selbst andersrum wäre es noch viel zuviel Zeit für die Uni gewesen.
Dazu Powerpointfolien wo als Facebook-Gründer “Mark Zuckermann” stand, Meldungen wie “Die Frau …. ist noch nicht da die macht wohl noch ihre Folien, hahaha (über die einzige Frau die vorgetragen hat!) usw.
Jeder der wirklich die 800+ Euro für diesen Konferenztag gezahlt hat sollte eigentlich sein Geld zurückverlangen (oder er/sie hat bei der abendlichen Weinverkostung wirklich heftig zugeschlagen).
Alles in allem eine sehr durchwachsende Ars, man merkt die Angst vor 09 in LInz.
Was ich aber jedes Jahr nicht verstehe: Warum müssen die Webseite der Ars Electronica jedes mal so dermaßen unübersichtlich und unbrauchbar sein?
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Warum Angst vor 2009?
@Jana 2009 ist Linz europäische Kulturhauptstadt, siehe hier (habs jetzt auch im Artikel eingebaut)
Ah, richtig. Eh kurios, 2003 graz, 2009 linz. gibt aber glaube ich immer zwei, was ist die zweite? kulturhauptstadt des führers ist gewagt:
http://www.linz09.at/de/detailseite/programm/programm/ankuendigungen08/1577722.html
@Jana: Wilna in Litauen ist laut Wikipedia die zweite nächstes Jahr.
Na, passend zum Fußballspiel heute abend! (ok, Fußball interessiert eh keinen in der blogösphäre..)
@Jana Haha, stimmt
Obwohl, ich schaue schon…
@jana @max Wer spielt denn? Ich trinke gerade ein fußballfreies Bier im Prater.
haha, in dem video hat paul granjon statt des roboters ja echte dancers! aber der roboter war eh cooler
@kurt tragisch wars…. ö hat gegen litauen 0:2 verloren, das großartige 3:1 gg. frankreich hat nix genutzt.
Paul Granjon fand ich auch eines der HIghlights. Hier ein kurzes Video von seinem Konzert im OK in Linz: http://www.youtube.com/watch?v=XoNr7m-uAEA
Solche Roboter-Öhrchen sollten viel öfter getragen werden.
„Alles in allem eine sehr durchwachsende Ars, man merkt die Angst vor 09 in LInz.“
Das kann ich so nicht bestätigen, ich fand es auch zum dritten Mal wieder inspirierend und anregend. Eine offensichtlich so kostspielige wie laue Mission Future-Konferenz würde mich allerdings auch ärgern. Meine gehörten Vorträge waren unterschiedlicher Natur, was ich aber nicht als Manko ansehe. Insgesamt empfinde ich das Niveau der Ars als überdurchschnittlich – insbesondere die Organisation und der Rahmen machen daraus einen Schuh.
Dass viele Arbeiten nicht mehr „vom Hocker reißen“, liegt wohl an der wenigstens 30-jährigen Geschichte der Medienkunst und dass demenstsprechend Ideen und Konzepte wiederkehren. Der Reactable beispielsweise basiert wohl auf einer Adaption eines bereits vorhandenen technischen Prinzips. Mich lässt z. B. gerade die oben erwähnte aber zugegebenermaßen radikale Arbeit von Zoran Todorovic „relativ kalt“, da ich diese eher der Body Art der 60er und 70er Jahre zuordne und ich von deren Dramatik weiß.
@Norman ich hab nicht gesagt das diese Arbeit Medienkunst ist
Danke, Max.
Nach langer Abstinenz wieder am Blog-lesen, sorry fuer den spaeten Kommentar. Betreffend “Mission Future” haette ich dich vorwarnen sollen, das sind imho schleimige 2nd-tier-agentur-”Trendforscher” die es mittlerweile irgendwie geschafft haben ins offizielle Ars-Programm zu kommen. DIe letzten paar Jahre lief diese Veranstaltung als Guerillia-dings parallel und hat versucht sich mit dem namen ars electronica zu schmuecken – ich hab letztes Jahr dort maptales praesentiert (weil der veranstalter ein haberer von phil ist) und es war ganz ganz schrecklich – zwei klingende namen gekauft, dazwischen marketing- und freunde-pushen muell und das ganze als trendscouting an vollkommen planlose manager verkauft (der typ vom bauernbund (!) war noch einer der spannenderen, mit denen ich mich mittags unterhalten habe) – brrrr….
@Flo habs die letzten Jahre nie geeschafft diese Konferenz zu besuchen, dachte mir eigentlich das sie jetzt Erfahrung haben, anscheinend nicht… War wirklich einfach nur schlecht.
Dies ist in der Tat eine sehr interessante Veranstaltung, ich glaube, im nächsten Jahr wird es noch besser und noch mehr bemerkenswerte Ereignisse.