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Wahl08: Ein kleiner Rückblick

Politik, Freitag 3 Oktober 2008 09:35

DIe Wahl ist geschlagen, die Wunden sind geleckt (wobei ich schon 14 Tage vor der Wahl das Endergebnis fast auf die Stelle hinter dem Komma genau vorhergesagt habe). Von meinen drei prognostizierten Rücktritten von SpitzenkandidatInnen sind zwei bereits alle vollzogen (beim LIF wohl gleich gründlich mit dem Ende der Bewegung).

Was hat diese Wahl aber noch gezeigt?

1. Die Macht der Kronen Zeitung ist nicht unendlich

Auch wenn man noch soviel Werbung für eine Partei macht wird’s nicht mehr als 30%. Außerdem könnte man das bewerben von Faymann auch positiv auslegen, wie dieser Leserbrief in der gestrigen Krone behauptet:

Somit ist DIchand wohl endgültig gescheitert mit seinem Versuch die politischen Verhältnisse in Österreich zu bestimmen und nicht nur zu beeinflussen. Siehe dazu auch die die Daten von Georg, die zeigen dass die Macht der Krone zwar groß, aber nicht unendlich ist.

Weitaus mehr endlich ist natürlich auch die Macht von “Österreich”.

2. Die Grünen haben versagt

Die Grünen haben mit ihrem Wahlkampf bewiesen das sie DRINGEND eine Erneuerung brauchen. So eine Chance ungenutzt zu verstreichen zu lassen regt mich wirklich auf. Wobei ich hier nicht der Agentur oder den Beratern die Schuld gebe sondern der Partei, denn wenn nichts da ist kann auch nichts daraus gemacht werden. So sehr Van der Bellen wichtig für die Grünen ist ist er auch ein Symbol dafür das hinter ihm die Personen (bis auf eine handvoll Ausnahmen) fehlen. Dazu gibt es eine sehr gute Analyse (und Diskussion) von Helge und ein sehr gutes Interview von Christoph Chorherr im heutigen Standard das anscheinend Online nicht verfügbar ist, deswegen habe ich es eingescannt:

3. Eine Person und sei sie noch so gut, reicht nicht

Das Liberale Forum hat mit ihrem Wahlkampf gleich einige Dinge eindrucksvoll bewiesen: Einerseits,  dass eine Person alleine und eine nicht vorhandene Struktur zu wenig ist und anderseits das ein auch noch so guter Internetwahlkampf in so guter Zeit einfach nicht funktionieren kann.

Ausserdem hat das LIF ein Paradebeispiel für schlechte Kommunikation rund um die Eurofighter-Geschichte abgeliefert. Nach dem “News”-Artikel waren da nur kleine Berichte in den Medien, nur am Blog  von Heide Schmidt wurde die Ehrlichkeit von Alexander Zach in Frage gestellt. Hier hätte man sofort drauf reagieren müssen (und nicht nur Kommentare löschen), denn das Web2.0 kennt keine Gnade für Lügner.

Das ist nicht passiert und somit hat das Debakel seinen Lauf genommen (die Ankündigung einer nächtlichen Krisensitzung hat dann so richtig die Aufmerksamkeit gebracht). Wie gesagt, ein Lehrstück.

4. Der Rechtsruck

Der Rechtsruck ist Schlimm war aber leider vorhersehbar. Wobei ich davon ausgehe das 60-70% der “RechtswählerInnen” ProtestwählerInnen sind die in Deutschland z. B. “Die Linken” oder in Bayern die “Freie Wähler” gewählt haben.

Trotzdem ist es Schlimm und zeigt das die Politik der letzten 10 Jahre, angeführt von Wolfgang Schüssel, komplett versagt hat (habe mir erst vor kurzem die Karikaturen im Standard der letzten fünf Jahre angeschaut, wie oft da Jörg Haider auf einem Scherbenhaufen stehend abgebildet war ist beeindruckend). Deswegen ist es für die Österreichische Politik extrem wichtig das die ÖVP sich endlich erneuert damit die Mitte wieder Dialog fähig ist und das entstandene Vakuum wieder auffüllt.

5. Das Internet

Ganz klar war der Internet-Wahlkampf oder auch der “Web2.0″-Wahlkampf ein Testballon für die Zukunft.

Das zeigt auch klar das Ergebnis: die Partei, die am wenigstem von sich aus im Internet gemacht hat (die FPÖ) hat die meisten Stimmen bei den unter 30-jährigen (DER Internet-Zielgruppe).Dafür war es aber auch die Partei über die am meisten im Internet (meistens negativ) geschrieben wurde.

Auch hat der Jugendwahlkampf der SPÖ, angeführt von Laura Rudas, eigentlich versagt, denn genau in diesem Segment hat die SPÖ am meisten verloren. Wobei man hier natürlich immer auch sagen kann: Was wäre wohl passiert hätte es den Jungendwahlkampf der SPÖ nicht gegeben? Hier sind die Probleme natürlich vielschichtiger.

Für die Zukunft aber muss Jeder Partei klar sein das das Internet sehr, sehr wichtig sein wird und die Politik verändern wird (einer meiner Lieblingssprüche ist: “Das Internet ist die Rache der WählerInnen an den PolitikerInnen”). Dann werden die Parteien die jetzt schon ihre Erfahrungen damit gemacht haben eine Vorteil haben, was mich wieder positiver für die Zukunft stimmt.

Den diese Zugänge können, richtig eingesetzt, der Weg sein um die Protestwähler wieder aktiv in den politischen Diskurs einzubringen und das würde uns allen helfen!

Deswegen ist JETZT der Moment um zu zeigen wie wichtig das Internet ist. JETZT geht es darum zu sorgen das eine zukünftige Regierung, egal wie sie aussieht, die Themen abarbeitet die uns wichtig sind. Um das zu erreichen müssen wir JETZT unseren PolitikerInnen klar machen was dieses “Medium” kann.

Das Internet wird, anders als die Wahlplakate, nicht für die nächsten fünf Jahre weggeräumt!

  1.  
    3. Oktober 2008 | 09:58

    Das ewige Gejammere vom Rechtsruck …

    Kärnten ist ein gutes Beispiel:
    Ich lebe hier und kenne also genug “Rechtsaußen”-Wähler. Es mag überraschen, dass dieses Land keineswegs ein Land voll mit Neonazis, Ausländerfeinden usw. Gut, die könnte es hier mehr geben als anderswo, aber sind es nicht 48%.

    Die Leute hier wählen aus den gleichen Gründen orange oder blau wie anderswo: Wegen des zweifelsohne vorhandenen Charismas von Jörg Haider oder aus Protest bzw. Mangel an Alternativen.

    Was in Österreich extrem fehlt, sind Politiker mit Charisma. Schau dir einen Tony Blair an. Der konnte die Wähler auch für schlechte Nachrichten mobilisieren.

  2.  
    max
    3. Oktober 2008 | 10:02

    @Georg wie schon im Artikel geschrieben gebe ich dir da vollkommenn recht. Haider hat einen sehr guten Wahlkapmf gemacht und war damit erfolgreich. Deswegen ist die Erneuerung der ÖVP und die Erneuerung der Grünen so wichtig.

  3.  
    3. Oktober 2008 | 10:05

    Nur: Ein Bauernminister (sorry für den Terminus) alleine macht noch kein Angebot für urbane Wähler.

    Krone: Ich glaube so ganz gescheitert ist Dichand nicht. Faymann wird ihm wohl einiges “schulden”. Ohne Dichand wäre er wohl sicher nicht Nr. 1 geworden.

    Ansonsten zweifle ich daran, dass die Politik das Netz versteht. Dort wird stets am Wahlabend abgeräumt. Und ständige Kommunikation mit vielen Bürgern … das kostet Zeit und ist mühsam. Die wollen gach noch was von einem.

  4.  
    max
    3. Oktober 2008 | 10:10

    @Georg Ja, aber er ist wenigstens ein JUNGER “Bauernminister” :)
    Ja, ohne Dichand wäre er nicht Nummer eins geworden, aber nur 1/3 der Bevölkerung zu mobilisieren, wo man doch über 50% erreich ist mager.
    Bei der Politik sind neue Strukturen gefragt, dann lässt sich sowas wohl auch gut abhandeln.
    Siehe dazu auch den Artikel von Peter.

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