Wissen belastet
Home Über die Titel-Grafik Impressum Wissen belastet by Email RSS RSS Feed
Eine kleine Frage zur Finanzkrise

Politik, Montag 13 Oktober 2008 07:56

DIe Börsen fallen wie verrückt und ich stelle mir die ganze Zeit eine Frage:

WER KAUFT IM MOMENT BILLIG AKTIEN?

Denn ohne Käufer würden die Kurse auch nicht sinken…

Es gibt Menschen/Firmen/Banken/Staaten die sich gerade massig billige Anteile von Unternehmen kaufen und sobald alles wieder (mit Steuergeldern) gerettet ist wunderbar damit verdienen werden, irgendwie grauslich, oder?

  1.  
    13. Oktober 2008 | 08:53
  2.  
    13. Oktober 2008 | 09:12

    Ist das nicht vielmehr umgekehrt? Fallen Aktienkurse nicht, wenn zuwenig Nachfrage herrscht, wenn also wenig Aktien gekauft werden?
    Wenn es große Nachfrage nach einer Aktie gibt, dann steigt der Preis. Wenn nicht, dann sinkt er.
    Aber – und da stimme ich Dir zu – es wird sicher zahlreiche Profiteure der Finanzkrise geben.

  3.  
    max
    13. Oktober 2008 | 09:18

    @julian: Der Kurs wird durch den Verkauf (Umsatz) bestimmt (etwas vereinfacht, siehe auch http://de.wikipedia.org/wiki/Aktienkurs ), nicht durch Nachfrage oder Angebot, deswegen gibt es an der Wiener Börse auch oft Aktien die keinen Tageskurs haben da an diesem Tag kein Verkauf stattgefunden hat.

    @Walter: Naomi Klein ist ok, finde ich aber noch streckenweise noch naiver als meine (mit Absicht, da ich es mal auf den Punkt bringen wollte) naive Frage.

  4.  
    13. Oktober 2008 | 09:31

    Logisch, das momentan (auch) gekauft wird, ich denke aber, dass dies in etwas geringerem Ausmaß bzw. nicht so massiv geschieht wie die “Angst” bei Verkäufen.

    Wer investiert dürfte klar sein: Alle, die noch genug Geld/Risiko eingehen möchten, um langfristig wieder (gut) verdient zu haben.

  5.  
    rip
    13. Oktober 2008 | 09:41

    Hm womöglich kaufen derzeit genau jene Menschen Aktien, die sich dann in zwei Wochen aus den Fenstern stürzen. Ob das so beneidenswert ist.,..

  6.  
    13. Oktober 2008 | 10:46

    Wer derzeit kauft? Deine Bank, die Dir Deine Sparbuchzinsen zahlt? Deine Versicherung, die dich nicht als Kunden verlieren möchte? Der Staat, der eine irrationale Panikstimmung etwas abfedern möchte?

    Ich halte es ganz ohne mich dabei grauslich zu fühlen, für ein echtes Problem des vor allem deutschsprachigen Raums, dass man sogenannten “Profit” noch immer für etwas (nicht im durch bestimmte Umstände begründeten Einzelfall sondern ganz grundsätzlich) Ablehnenswertes befindet. Und dabei vollkommen übersieht, dass es keinen grundsätzlichen Unterschied gibt zwischen dem Bäckermeister, der seine Zutaten günstig einzukaufen und teuer zu verkaufen versucht und dem Bäckergesellen, dessen Lohn nichts anderes als seinen Anteil am vom Bäckermeister erwirtschafteten Umsatz und damit seinen “Profit” darstellt.

    Die sehr tiefliegenden Ursachen für unsere Emotionen liegen übrigens im katholischen-christlichen Zinsverbot, das wiederum eine historische Hauptwurzel des christlichen Antisemitismus darstellt…

  7.  
    max
    13. Oktober 2008 | 10:55

    @maschi Keine Panik, ich bin sehr wohl für Profit, sonst würde die Welt ja nicht funktionieren (bin auch nicht katholisch). Ich gönne auch jedem sein Geld, Neid ist mir da fern (Warren Buffet hat im September 8 Millarden Dollar plus gemacht, sei ihm gegönnt).

    Nur gibt es eben Momente wo man unterscheiden muss was sinnvoll ist und was nicht und in dieser Situation finde ich das eigentlich fast unmoralisch (und ich bin der letzte der mit der Moral droht).

  8.  
    dieter
    13. Oktober 2008 | 11:55

    @max: auch wenn s übers Ziel hinausschießt. Moral gibt es nicht. höchstens divergierende Ethische Anschauungen. Und diese gelten am Markt nur für jene, die wenig verdienen.
    Das Problem ist ja, das es volksökonomisch extrem unvernünftig ist,
    daß ich zB. 5x Währungen tausche und dann mehr habe als vorher;
    daß ich als Aktienbesitzer nicht nur Anteilseigner eines Unternehmens bin sondern Spielball oder Spielmacher für absurde Spekulationsgeschäfte, deren Inhalte nichts mit dem Wert des Unternehmens zu tun haben, sondern nur mit möglichen Gewinnen oder Verlusten desselben in der Zukunft, dh. die Börse ist immer ein Wettbüro. Dh. weiters das die Unternehmen nicht mehr im Sinne des Unternehmens agieren, sondern im Sinne der Aktienbesitzer, was wiederum schlecht für die Volkswirtschaft ist. Da es nicht so ist, das es allen gut geht, wenn es der Wirtschaft gut geht.
    Das ist in erster LInie einfach dumm und zwar immer dumm, weil nicht nachhaltig.

    @maschi: Der wesentliche Unterschied ist, daß der kluge Bäckermeister am Abend im feinen Tuch durch die Society wandert, während selbst der kluge Bäckersgeselle in der Nacht immer die Brötchen backen wird, damit der kluge Bäckermeister zu seinem Zwirn kommt, da selbst dem klügesten Bäckersgesellen die Prduktionsmittel fehlen werden, um selbst erfolgreicher Bäckermeister zu werden.
    Das ist der grundsätzlicher Unterschied, weil es zwei nebeneinander stehende Marktgesetze gibt, und nicht eines auf dem anderen steht. Mit deiner Arbeitskraft kannst du arbeiten. Mit Produktionsmitteln kannst du arbeiten lassen. Das ist nicht das gleiche, und folgt auch nicht den gleichen Regeln in der Ausführung.

    Die unterschwellige Kürzung, daß wenn ich gegen Zinsen bin, ich ein Antisemit bin, ist sehr frech. Außerdem ist diese Ausage einerseits historisch unrichtig, und nicht nur weil sie vereinfacht ist. (Erstens war das Verbot Zinsen zu nehmen, weder räumlich noch zeitlich so generell, wie du das darstellt. Zweitens hatte die jüdische Bevölkerung immer auch andere Berufe und waren nicht nur Geldhändler. Drittens waren nicht alle christlichen Gelehrten für ein Zinsverbot. Viertens gab es in einer langen Periode des “damals” kaum Geld und “Zinsen” wurden zb. in Saatgetreide bezahlt … )

    Andererseits ist der Glaube, der Emotionen halb Europas auf den Grund gehen zu können, ein Aberglaube. “Die Psycholgie” ist keine Wissenschaft, da sie eine individuelle Heilungsform ist, und daher keine generalisierenden Aussagen treffen kann und will.

    Drittens: Warum genau ist ein Zinsverbot schlecht? Also wieso muß ich glauben, daß die Analogie natürlich ist, daß Geld so was ist wie Paradeiser, wenn ich sie in die Erde schmeiße und gieße, werden mehr daraus?

    Viertes: Aktiengewinne haben mit Zinsen so mal nichts zu tun.

  9.  
    dieter
    13. Oktober 2008 | 11:58

    Fünftens: Manche sind auch deswegen emotional, weil sie so blöd waren, Ihre zukunfsvorsorge auf dem Kapitalmarkt anzulegen und jetzt Existenzängste haben.

  10.  
    13. Oktober 2008 | 13:14

    Ich bin dafür aus der Krise hoffentlich zu lernen und natürlich auch über neue Kapitalmarktregeln und vielleicht auch neue Transaktionssteuern oder ähnliches nachzudenken, und damit die Wiederannäherung eines oftmals casino-artig wuchernden Finanzmarkts an realwirtschaftliche Erfordernisse sicherzustellen. Ich bin aber kein Experte dafür. Auch ohne Experte zu sein, fühle ich mich informiert genug, um Zinsverbote oder ähnliches für widersinnig zu halten. Ich werde niemals etwas befürworten, von dem ich bis auf weiteres nach bestem Wissen und Gewissen vermuten muss, dass es die breite Bevölkerung in Armut stürzen würde.

    Mein Punkt von oben sollte sein, dass man das Kind nicht mit dem Bade ausschütten soll und bei dieser Gelegenheit vielleicht auch mal das eigene Emotions-Verhältnis zum “Profit” auf historische Wurzeln und Zusammenhänge abklopfen könnte. Wer jetzt “kauft”, fördert damit voraussichtlich sowohl das eigene Wohlergehen und trägt aber gleichzeitig auch zum im allgemeinen Interesse liegenden Ende der Krise bei, beides indem er sich “antizyklisch” verhält. Genau diese Form von Verknüpfung von individuellem und allgemeinem Interesse ist der einer marktwirtschaftlich organisierten Volkswirtschaft inhärente Vorteil. Wenn jemand also Geld fürs “Kaufen” überhat und die verbundenen Risken auch zu tragen bereit ist, soll er das machen. Für mich ist darüberhinaus hier einfach keinerlei Platz für Anti-”Profiteurs”-Emotionen…

  11.  
    max
    13. Oktober 2008 | 13:57

    @dieter beim ersten abschnitt bin ich voll deiner Meinung, deswegen meinte ich ja das ich der letzte bin der mit der Moral kommt.

    @dieter, @maschi
    Ich hoffe auch das jemand aus dieser Situation lernt und zwar die Politik. Jetzt ist der Moment da um auch eine Globale Politik zu machen um die Globalen Konzerne einerseits besser zu unterstützen ihnen aber auch genau zu sagen wo die Schranken, die es geben muss, sind. Wenn die Politik es jetzt nicht schafft als ebenbürtiger Partner mit der Wirtschaft zu stehen dann wird sie es nie wieder schaffen.

    Denn es kann nicht sein das die Politik nur der Rettungsanker ist wenn alles andere versagt hat. den Banken muss klar werden das sie so einfach diesmal nicht davonkommen dürfen.

    Ich bin auch schon lange der Meinung das Politiker viel zu wenig verdienen.

    Und ich denke schon das Platz für Anti-Profteurs-Emotionenen sein muss, gerade jetzt ist es wichtig zu zeigen wo jemand sinnvoll davon profitiert hat und wo nicht. Drei Tage vor der Pleite der Lehmann-Bank wurden an die Manager noch $20 Millionen Prämien ausgeschüttet, das kann einfach nicht sinnvoll sein und dass finde ich unmoralisch.

    Profit sei jedem gegönnt, nur was da jetzt passiert ist in vielen Fällen einfach Betrug.

  12.  
    13. Oktober 2008 | 14:07

    Ich kann da ganz gut mit so. Und zur Wiederbelebung des Politischen: wenn alles gut geht beginnt im Kernland des Kapitalismus (und ja, trotz der vergangenen Jahre: auch der Demokratie) in einigen Wochen eine neue politische Ära an die man Hoffnungen knüpfen darf, auf die wir uns vielleicht bis auf weiteres und so im Groben mal einigen können… so ganz unbelastet von weiterem Wissen, meine ich. :)

  13.  
    max
    13. Oktober 2008 | 15:10

    @maschi ich hoffe auch, nur hat amerika europa nicht immer enttaeuscht? egal wer da gewählt wurde?

  14.  
    13. Oktober 2008 | 15:23

    mmh, also ich antworte auf solche fragen in letzter zeit immer, dass ich definitiv glaube, dass die welt heut anders aussähe, und ich glaub schon auch besser, wenn der wahlsieger der wahl 2000 auch offiziell al gore geheissen hätte. aber wie und ob überhaupt, das “wissen” wir natürlich nicht…

  15.  
    max
    13. Oktober 2008 | 18:59

    @maschi bei gore gebe ich dir recht, wobei die erwartungen immer viel größer als die ergebnisse sind… aber das ist ja auch bei europäischen PolitikerInnen so :)

  16.  
    26. Oktober 2008 | 17:40

    Ich werde gar nichts kaufen. Verschiedene Tagesgeldkonten, etc. Hauptsache es ist sicher. Nichts ins Ausland, nichts mit Risiko.

Die Kommentarfunktion ist zur Zeit leider deaktiviert.