Politik, Mittwoch 22 Oktober 2008 13:06
Eine kleine Anekdote: Vor über zwei Jahren hatte ich mit einem Kollegen ein Termin bei einem Kunden wo unser(e) AnsprechpartnerIn aus dem ÖGB-Umfeld kam. Damals war die BAWAG-Krise gerade am Höhepunkt, die Bank hatte eine Milliarde Euro Verlust gemacht und musste verkauft werden, der ÖGB war fast Pleite. Unser(e) AnsprechpartnerIn meinte das dies wohl einer der größten Wirtschaftsskandale ist und nur schwer zu “übertrumpfen” ist.
Mein Kollege und ich sagten damals: “Warten Sie ab, die AUA wird ein noch viel größerer Skandal, deren Strategie kann einfach nicht funktionieren und der Staat deckt das.”
Die BAWAG wurde dann um 3,2 Milliarden Euro verkauft, der ÖGB hat alle seine Schulden decken können und noch eine Gewinn gemacht und die Steuerzahler mussten keinen einzigen Cent zahlen (natürlich war es ein indirekter Verlust für den ÖGB).
Jetzt, zwei Jahre später, ist die AUA ein weitaus größerer Skandal. Der aktuelle Schuldenstand ist knapp eine MIlliarde Euro aber im Unterschied zur BAWAG will nicht mal um einen Euro jemand die Fluglinie kaufen.
Wobei ich z.B. die Lufthansa sehr gut verstehe, warum jetzt etwas kaufen wenn es in zwei, drei Monaten ohne Schulden wohl gratis ist? Außerdem wissen die Lufthansa und die anderen abgesprungenen Bieter jetzt, nach der Due Diligence, welche Leichen da noch im Keller liegen.
Deswegen wird jetzt wohl der Staat (=die Steuerzahler) einspringen müssen und das wird sehr, sehr teuer.
Wie konnte es soweit kommen?
Hier eine kleine chronolgische Aufzählung:
01.04.2006: Alfred Ötsch wird Vorstandsvorsitzender der AUA, er will die “Unabhängigkeit der Fluglinie erhalten”.
10.08.2007: Ablöse von Vertriebsvorstand Burger kostet rund eine Million Euro.
16.01.2008: Ötsch wird auch Finanzvorstand der AUA.
17.01.2008: Für Ötsch wird 2008 das “Jahr der AUA”.
01.02.2008: In einem Interview sagt Ötsch: “Die AUA ist saniert”.
13.03.2008: Dividenden fähiger Gewinn der AUA für 2009 angestrebt.
31.03.2008: Die AUA feiert ihren 50. Geburtstag.
29.04.2008: Al Jaber zieht seine Investition von 150 Mio. Euro (zu recht) zurück. Damals war die AUA, wenn man es hochrechnet, noch mindestens 750 Mio. Euro Wert.
08.05.2008: auf Der Hauptversammlung wird Ötsch massiv kritisiert.
09.05.2008: Ötsch kann sich plötzlich einen strategischen Partner vorstellen.
19.05.2008: AUA ist ein “Finanziell stabiles Unternehmen”.
28.07.2008: Fast 50 Mio. Euro Halbjahresverlust (knapp versechsfacht gegenüber dem Vorjahr).
09.09.2008: Herr Ötsch wird als Beschuldigter im SIemens-Prozess geführt.
20.09.2008: Al Jaber zeigt die AUA an.
03.10.2008: Ötsch sagt das der Verkaufstermin hält und die AUA rund 70 bis 90 Mio. Euro Jahresverlust haben wird.
16.10.2008: Gewinnwarnung, Verlust der AUA für 2008 wohl um die 125 Mio. Euro.
21.10.2008: Laut Analysten wird der Verlust der AUA heuer wohl bis zu 170 Mio. Euro ausmachen.
21.10.2008: Kein Käufer legt ein Angebot.
22.10.2008: DIe Aktie befindet sich auf Talfahrt (22.10. 12:34: -28,92%).
Hier zeigt sich klar das seit über zwei Jahren eigentlich keine wirkliche Strategie vorhanden ist.
Alfred Ötsch (Jahresgehalt um die 700.000 Euro 2006 ohne Spesen, der Vertrag läuft noch drei Jahre) hat bis zum Frühjahr 2008 behauptet die AUA ist ohne Partner Überlebensfähig.
Aus diesem Grund fordere ich den sofortigen Rücktritt des AUA-Vorstandes, ins besonders den Rücktritt von Alfred Ötsch und diesmal ohne Abfertigung.
Wobei die Politik natürlich eine (große) Mitschuld trägt, lange Zeit war es für das Ego der Politiker wichtig das es eine eigenständige Österreichische Fluglinie gibt und alle haben über die Probleme der Swissair gelacht.
Auch muss im ÖIAG sich einiges ändern, welche Strategie neben der Wertvernichtung in Bezug auf die AUA (aber auch für andere Unternehmen) dort entwickelt wurde ist mir Schleierhaft.
Jetzt muss die Politik hier lückenlos Klarheit schaffen!
Ich hoffe das der mediale Druck von allen Seiten so heftig wird das es da kein vorbei mehr gibt. Diese Verantwortungslosigkeit darf es nicht mehr geben.
PS: Wurde eigentlich jemals eine Summe genannt die sich der ÖIAG aus dem Verkauf der AUA erwartet? Ich konnte da nichts finden.
EDIT: Als Herr Ötsch am 1. April 2006 Vorstandsvorsitzender wurde lag der AKtienwert der AUA bei knapp 800 Mio. Euro, nach Börsenschluss am 22. Oktober 2008 waren die Aktien der AUA nur mehr etwas mehr als 250 Mio. Euro Wert.
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Das “beste” Szenario wäre ja der Staat würde nun eine ordentliche Kapitalspritze hineinpumpen und in ein paar Monaten würde die Airline dann schlussendlich doch für ein Butterbrot an die LH gehen …
Schließe mich deiner Forderung an, Max. Allerdings erweitert darum dass auch der Herr Michaelis und die ÖIAG Spitze endlich gehen muss. Die Herren leiden alle an pathologischer Selbstüberschätzung. (Vielleicht kann man sie ja ins Fussball Nationalteam einberufen.)
Guter Kommentar:
http://derstandard.at/?url=/?id=1224256121940
Grossartig aufbereitet, glasklare Schlüsse gezogen. Thx!
@hansjoerg: Leider, so wirds wohl laufen!
@Peter: Ja, Michaelis muss wohl auch gehen, zuvor will ich aber eine Aufarbeitung was da passiert ist.
@maschi: danke!
Der Staat deckt so einiges. Mal sehen welche Skandale und Finanzkrisen uns in zukunft noch erwarten.
super Auflistung, schon unglaublich, dass das geht. und auch noch honoriert wird, also finanziell meine ich…
[...] AUA ist saniert” sprechen können. Na ja, der Herr Ötsch wird auch sonst noch einigen Erklärungsbedarf [...]
Interessantes zum Thema AUA bloggt auch der Beobachter.
[...] Kossatz hat hier auf seinem Blog Wissen belastet einen sehr umfangreichen und interessanten Beitrag [...]
[...] will ja nicht unken und in die allgemeine Hetze einstimmen, aber im Artikel "AUA: Herr Ötsch, treten Sie zurück!" auf Max Kossatz’s Blog "Wissen belastet" ist noch einmal minutiös [...]