Kunst, Design, Montag 10 November 2008 22:00
Tolle Aktion gestern vor dem Leopold-Museum in Wien:
Wann wird dieses dunkle Kapitel der Österreichischen Geschichte endlich vollständig aufgearbeitet?
Siehe auch hier.
Apropo Leopold, verstörend auch der letzte Absatz in diesem Artikel.
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Es kann und wird nie vollständig aufgearbeitet sein.
Die Aktion der IKG finde ich optisch und medial wirklich gut gemacht.
ABER
Wie Sachverhalte verkürzt oder verdreht wieder gegeben werden finde ich bedenklich.
“.. Rudolf Leopold ist vom Kunstrückgabegesetz ausgenommen …”
–> Stimmt und stimmt nicht.
Das Kunstrückgabegesetz gilt nur für Kunstwerke im Eigentum des Bundes. Was Herr Leopold mit seinen privaten Bildern bzw. die Privatstiftung macht ist einfach nicht im Anwendungsbereich des Gesetzes. Er ist also nicht ausgenommen, sondern gar nicht im Fokus dieses Gesetzes.
In meinen Augen wird versucht der Eindruck zu erwecken, dass Leopold Kunst arisiert hat oder im Krieg sich Werke beschafft hat, erst im Kleingedruckten steht, dass die Werke idR (?) nach dem Krieg teilweise von privaten Händlern, teilweise von Museen erworben wurden.
Ob im Wissen der Arisierung oder nicht ist manchmal klarer, manchmal weniger.
“… wurden während des NS-Regimes entzogen und dann von der Republik Österreich mit öffentlichen Geldern für die Privatstiftung erworben…”
–> Stimmt, aber es fehlt ein Teil.
Die beanstandeten Bilder wurden bis 1945 entzogen, dann hat sie Herr Leopold im Laufe der Zeit privat erworben. Er hat dann eine Privatstiftung gegründet. Diese wurde vom Staat gefördert und mit dieser Förderung wurde die Sammlung Leopolds zu einem kleinen Teil ihres Wertes DURCH DIE STIFTUNG gekauft.
d.h. eine Privatstiftung hat mit Hilfe öffentlicher Gelder von einem Privatmann Bilder erworben – das obige Zitat verkürzt in meiner Ansicht zu stark und erweckt einen falschen Eindruck.
@Robert da hat du recht, das ist natürlich eine Verkürzung aber im Endeffekt geht es doch darum das da alles aufgeklärt wird. Es kann einfach nicht sein das man darauf wartet bis jede Spur verstorben ist.
Da ist natürlich richtig.
In meinen Augen setzt sich die IKG jedoch ins Unrecht, indem sie die Dinge so stark zurecht rückt.
Man muss sich aber von dem Glauben lösen, dass je alles aufgeklärt und je alles zurückgegeben werden wird (siehe Demonstration für Montezumas Federkrone in Wien).
Für entzogene Kunstgegenstände im Privatbesitz bleibt einem nach derzeitigem Stand nur der Zivilrechtsweg. Das Gutachten Graf hat für die IKG in einigen Fällen einen gangbaren Weg aufgezeigt. Dieser ist kostspielig und gefährlich, daher wurden meiner Meinung nach hier keine weiteren Schritte unternommen.
Auch der Sammler Leopold hätte nur geringe Probleme, wenn er seine Sammlung nicht in einer Stiftung eingebracht hätte / einbringen hätte müssen.
Bereits in den 50ern dachte man (viel zu früh!) einen tabula rasa zu haben.
Jetzt wäre es an der Zeit den Tisch wirklich rein zu machen. Dazu gehört einerseits ein guter Willen seitens der Republik (der seit Mitte der 90er durchaus gegeben ist) und auch guter Wille seitens der IKG danach Ruhe einkehren zu lassen.