Kunst, Design, Freitag 16 Januar 2009 08:44
Wenn wir Österreicher etwas lieben dann ist es ein Kunst- oder Kulturskandal!
Wer kann sich nicht an die Aufregung über Thomas Bernhards (genial Inszeniert von Claus Peymann) “Heldenplatz” erinnern, inklusive Pferdescheiße vor dem Burgtheater, das Hrdlicka Mahnmal gegen Krieg und Faschismus vor der Albertina, der sich selbst in den Mund pissende Mann in Salzburg (“Arc de Triomphe“) von Gelatin/Gelitin, oder zuletzt die Diskussion über “Willkommen Österreich“.
Ich finde ja solche Diskussion sehr gut, sie zeigen das die Kunst und Kultur doch irgendwie noch in den Köpfen der Menschen ist.
Jetzt gibt es einen europaweiten Kunstskandal!
Der “böse” tschechische Künstler David Cerny hatte den Auftrag für Brüssel ein Kunstwerk zu schaffen das alle EU-Staaten repräsentiert und dazu sollte er auch KünstlerInnen eben aus diesen 27 EU-Staaten einladen. Gemacht hat er etwas ganz anderes: Niemanden eingeladen und alles selber gemacht (erinnert mich an die Peter Weibel-Ausstellung “Inszenierte Kunstgeschichte” 1988 im MAK).
Der Name des Kunstwerkes: “Entropa”
Groß war und ist die Aufregung, einzelne Staaten fordern eine Entschuldigung (die es auch schon gibt), usw.
Was ich aber weitaus interessanter finde: Schon bei der “Willkommen Österreich”-Sache (die ich total harmlos finde) war es so das die eigentliche Sendung von knapp 200.000 Menschen gesehen wurde, die Diskussion dazu im Fernsehen sahen aber doppelt so viele Menschen. Genau das gleiche passiert jetzt mit “Entropa”: Es gibt nur ganz wenig Fotos bzw. Videos davon, keiner erklärt die Intention dahinter, usw. jeder redet über etwas das er/sie nicht kennt.
Deswegen habe ich mal versucht mehr Infos zu dem Kunstwerk selber zu finden, hier ein sehr schönes Video auf YouTube (unbedingt in HD ansehen):
Schön wäre zu wissen was in dem Folder, den gegen Ende des Videos die Besucher in der Hand halten, steht!
Auch ist die Wikipedia Seite recht informativ.
Auf FLickr gibt es nur sehr wenig, hier eine Frontansicht, das Foto selber ist aber von Reuters:
Ich finde ja die Arbeit sehr gelungen, der Baukasten Europa passt genau. Ich muss auch zugeben das so aus dem Kontext gerissen ich viele Länder nicht Aufgrund des Umrisses erkenne, bei einigen aber die Assoziation (Ikea für Sschweden) sehr treffend ist. Auch muss klar sein das die Darstellung Österreichs (vier Atommeiler in der grünen Wiese) aus Tschechischer Sicht sicherlich ein guter Kommentar ist.
Ich Bin gespannt wie sich diese Diskussion weiter entwickelt!
RSS Feed






Ich glaube dass das der Folder sein dürfte:
http://www.eu2009.cz/scripts/file.php?id=8282&down=yes
@Dalmet Ja! Super! Danke! ICh war wohl zu blöd mich auf der Webseite zum Tschechischen EU-Vorsitz auszukennen.
ich finde das werk selbst auch ziemlich gut, die diskussion darüber zwar prinzipiell lächerlich, aber – wie du sagst – schon gut, dass überhaupt über kunst geredet wird.
bleibt zu hoffen, dass der cerny ein gespür für’s geschäft hat und das ding in einer kleinen bausatz-version für die wohnzimmerwand vermarktet…
Interessante Kunst – das Hakenkreuz hätt’ ich ohne Wikipedia jetzt nicht entdeckt, wär aber auch überraschend gewesen ohne…
Ich denk mal Litauen ist dann das Land wo ich dachte da stehen die Nazgul vom Herr der Ringe drauf
Wer regt sich denn worüber auf?
Ich denke, die Tschechen allein sollten dieses “Kunstwerk” näher betrachen, denn es spiegelt gerade ihre Stereotypen über Europa wieder. Nicht irgendwelche allgemeine “Hindernisse”, die alle in Europa überwinden müssen, denn das ist hier gerade belanglos, sondern die Hindernisse in der Mentalität der Tschechen selbst, ihre Intoleranz, ihre Unfähigkeit, konstruktiv über ihre EU-Partner zu denken und eine gewisse (beschränkte) provinziale Denkweise (typisch für Post-Soz-Länder, einschließlich meines). Es geht nicht darum, dass man Stereotypen nicht ansprechen darf oder dass man keinen Sinn für Humor hat. Man muss fragen: Wessen Stereotypen werden tatsächlich dargestellt? In der Beantwortung dieser Frage verbirgt sich die große Erkenntnis des Werkes. Ich, ehrlich gesagt, finde das “Werk” oberflächlich, profan und nichts Besonderes sagend. Deutschland für mich ist mehr als die Autobahn und das Hackenkreuz. Bulgarien ist bestimmt mehr als Klos. Polen ist mehr als fanatische Katholiken. Die Unfähigkeit des Künstlers, über die Oberfläche hinaus zu sehen, wird lediglich durch dieses Werk bezeugt und stellt vielleicht nur sein Problem im Umgang mit der Realität dar. Das ist letztendlich nichts Neues. Viele moderne “Künstler” leiden an Ideenmangel und produzieren Werke, die man unbedingt als “Kunst” ausschildern muss, damit sie als solche erkannt werden können. Ein Blamage für die Tschechen.(Eine Bulgarin)
P.S. Nur eune Zugabe, weil sich viele Leute über die Darstellung Bulgariens als Klo freuen: Ich finde es geschmacklos, Armut auszulachen. Ich würde auch gerne Herrn Cerny persönlich sagen bzw. ihn darüber informieren, dass das “Klo” Bulgarien eins der sehr wenigen Länder Europas ist, das die Deportierung seiner Juden im Zweiten Weltkrieg verhindert hat. Es gab zu jener Zeit sogar eine nationale Bewegung dagegen. Weiß Herr Cerny etwas davon oder weiß er nur von den Klos?
Ich finde das Kunstwerk insgesamt recht lustig (auch die künstliche Aufregung darüber), aber die Hakenkreuze in Deutschland und das Klo in Bulgarien finde ich schon ein bisschen krass, weil es einfach offensichtlich beleidigend ist und zwar auf einem Niveau, das nur der Selbstironie vorbehalten sein sollte.
ich finde das projekt ganz gelungen. immerhin hat ja der herr cerny nicht alles selbst gemacht. wenn man sich die namen anschaut, kommt man sogar zu dem schluss, dass die künstler aus dem jeweilig dargestellten land kommen. also hat eigentlich niemand grund, beleidigt zu sein, nicht auf tschechien, nicht auf herrn cerny und nicht auf die eu.
hmmm. offensichtlich hab ich den artikel oben nicht genau gelesen vorher. aber mich wunderts trotzdem, dass im folder zu jedem land ein anderer künstler angeführt ist.