Gestern trafen sich über 30 Personen im Cafe Ritter um über die Initiative Grüne Vorwahlen zu sprechen.
Aufgeschreckt durch die Resonanz (ist länger her das es z.B. im derstandard.at positive (!) Kommentare zu einem Artikel über die Grünen gibt) auf die Idee UnterstützerInnen zu finden die dann bei der Wiener Landesversammlung der Grünen die Kandidatenliste mitbestimmen bzw. auf den Kopf stellen könnten waren sehr viele Parteimitglieder (Funktionäre, Angestellte, Gemeinderat-, Landesrat- und Nationalratsabgeordnete) anwesend, um wohl raus zu finden was “die da” wollen.
Nach einer Erläuterung des Projekts durch die drei Initiatoren (Jana, Helge, Martin) ging es schnell in eine Fragerunde über die von den anwesenden Grünen fleißig genutzt wurde.
Hier zeigte sich für mich genau das Problem der Grünen: Sie haben den Bezug zu ihren WählerInnen/SympathisantInnen/UnterstützerInnenn komplett verloren.
In einer Phase des Projekts Grüne Vorwahlen, wo es hauptsächlich darum geht bis 15. Juni genug UnterstützerInnen zu finden damit die ganze Sache überhaupt funktioniert, wurde eigentlich keinerlei Frage zu diesem Prozess gestellt. Es ging immer nur um die Wahl der KandidatInnen und um Parteiinterne Dinge. Wo das Problem liegt zeigen gleich die ersten drei Fragen die gestern gestellt wurden:
“Wie schaut das mit dem Datenschutz aus, ihr sammelt ja die Seiten”
Ähem, jeder kann die Unterstützung auch direkt schicken, außerdem ist auf dem Formular, im Gegensatz zum Formular der Grünen, ein Feld das man ankreuzen kann wenn man keine Zusendungen der Grünen haben möchte und das Projekt selber wird damit nichts machen außer erinnern wann die Landesversammlung ist (steht auch auf dem Formular).
“Wieso wird dazu einen kommerzielle Plattform wie Facebook verwendet, warum nicht Open Source?”
Ähem, was will das Projekt erreichen? UnterstützerInnen bekommen, nicht einen neue Online Community der Grünen aufbauen und die Leute sind nun mal auf z.B. Facebook, außerdem gibt es ja auch die eigentliche Webseite. Hier war ich gleich entsetzt über den Kommentar “Ich musste den Facebook-Account meiner Tochter verwenden um mir das anschauen zu können” Hallo? Da kann sich jeder registrieren, mehr Mut bitte!
“Das System ist unfair da es Kandidaten, die mehr im Internet machen, bevorzugt!”
Sorry, da musste ich fast lachen. Hier geht es doch jetzt einmal darum UnterstützerInnen zu bekommen, das Internet ist da “nur”, richtig eingesetzt, eine Methode um Aufmerksamkeit zu erreichen. Wenn es genug UnterstützerInnen gibt sind die Wiener Grünen die einzigen die alle Adressen haben, dann liegt es an den KandidatInnen diese WählerInnen zu umwerben, wie ist ihnen überlassen, wenn sie wollen können sie auch von Tür zu Tür gehen! Außerdem kann ja jeder andere auch um UnterstützerInnnen werben, wo ist das Problem?
So ging es fast drei Stunden weiter, hier noch ein paar Beispiele die mich entsetzten:
“Was ist wenn da Wähler den Grünen eins auswischen wollen?”
Was ist den Grünen lieber? Leute die sich die Mühe machen zu registrieren, sich informieren und dann hoffentlich bei der Landesversammlung für Kandidaten zu stimmen oder Leute die die Grünen einfach nicht wählen? Wer dann auf die Landesliste kommt hängt einzig von den KandidatInnen ab und wie sie sich “verkaufen”. Und selbst wenn einige den Grünen eins auswischen wollen, so what? Damit muss die Partei halt umgehen, ist wohl besser es wischen ihnen nur 600 Leute bei der Landesversammlung “eins aus” als 60.000 bei der Wahl, oder?
Am schlimmsten wurde es dann als es um Inhalte ging (nicht missverstehen, es ging nie um konkrete Inhalte, es ging um den Begriff Inhalte):
“Die Plattform sollte auch Inhaltsvorschläge für die Grünen liefern!”
Sorry, soll das jetzt ein Outsourcen der Parteiarbeit werden? Das ist verdammt noch einmal die Aufgabe der Grünen Themen zu finden, nicht die Aufgabe der WählerInnen! Und wenn den Grünen da nichts einfällt sollten sie vielleicht Geld in die Hand nehmen und in Meinungsforschung investieren.
Wie gesagt, so ging es stundenlang weiter, da wurde z.B. noch gefordert das “Grüne Vorwahlen” den KandidatInnen eine Plattform zur Präsentation bieten muss (sic), das die Plattform um Projektförderung bei den Grünen ansuchen soll (LOL), usw.
Man merkte richtig das hier sich Unwissen mit Angst (vor den WählerInnen!) mischte.
Natürlich gab es auch ein paar gute Kommentare, vor allem von Personen die sehr aktiv im Internet sind, das war aber sehr wenig.
Im Endeffekt hat das Treffen für mich gezeigt das die Grünen schleunigst Erneuerung brauchen. Hier ist die Diskrepanz zwischen Partei und WählerInnen weitaus größer als in anderen Parteien.
Deswegen muss ich nochmals das Zitat von Michael Moore wiederholen:
Take over your local Democratic Party.
In most counties the local Democratic Party is run by just a few people, ’cause most citizens would never think of showing up. Go to the next county or town Party meeting, and bring ten friends. In most cases your bunch will constitute a majority. Use the rules and the state party by-laws (which can often be found on the Web) and seize control.
Darum jetzt UnterstützerIn werden um mitzuwählen!
EDIT: hier ein direkter Link zum Formular.