Politik, Mittwoch 8 April 2009 09:08
Gestern trafen sich über 30 Personen im Cafe Ritter um über die Initiative Grüne Vorwahlen zu sprechen.
Aufgeschreckt durch die Resonanz (ist länger her das es z.B. im derstandard.at positive (!) Kommentare zu einem Artikel über die Grünen gibt) auf die Idee UnterstützerInnen zu finden die dann bei der Wiener Landesversammlung der Grünen die Kandidatenliste mitbestimmen bzw. auf den Kopf stellen könnten waren sehr viele Parteimitglieder (Funktionäre, Angestellte, Gemeinderat-, Landesrat- und Nationalratsabgeordnete) anwesend, um wohl raus zu finden was “die da” wollen.
Nach einer Erläuterung des Projekts durch die drei Initiatoren (Jana, Helge, Martin) ging es schnell in eine Fragerunde über die von den anwesenden Grünen fleißig genutzt wurde.
Hier zeigte sich für mich genau das Problem der Grünen: Sie haben den Bezug zu ihren WählerInnen/SympathisantInnen/UnterstützerInnenn komplett verloren.
In einer Phase des Projekts Grüne Vorwahlen, wo es hauptsächlich darum geht bis 15. Juni genug UnterstützerInnen zu finden damit die ganze Sache überhaupt funktioniert, wurde eigentlich keinerlei Frage zu diesem Prozess gestellt. Es ging immer nur um die Wahl der KandidatInnen und um Parteiinterne Dinge. Wo das Problem liegt zeigen gleich die ersten drei Fragen die gestern gestellt wurden:
“Wie schaut das mit dem Datenschutz aus, ihr sammelt ja die Seiten”
Ähem, jeder kann die Unterstützung auch direkt schicken, außerdem ist auf dem Formular, im Gegensatz zum Formular der Grünen, ein Feld das man ankreuzen kann wenn man keine Zusendungen der Grünen haben möchte und das Projekt selber wird damit nichts machen außer erinnern wann die Landesversammlung ist (steht auch auf dem Formular).
“Wieso wird dazu einen kommerzielle Plattform wie Facebook verwendet, warum nicht Open Source?”
Ähem, was will das Projekt erreichen? UnterstützerInnen bekommen, nicht einen neue Online Community der Grünen aufbauen und die Leute sind nun mal auf z.B. Facebook, außerdem gibt es ja auch die eigentliche Webseite. Hier war ich gleich entsetzt über den Kommentar “Ich musste den Facebook-Account meiner Tochter verwenden um mir das anschauen zu können” Hallo? Da kann sich jeder registrieren, mehr Mut bitte!
“Das System ist unfair da es Kandidaten, die mehr im Internet machen, bevorzugt!”
Sorry, da musste ich fast lachen. Hier geht es doch jetzt einmal darum UnterstützerInnen zu bekommen, das Internet ist da “nur”, richtig eingesetzt, eine Methode um Aufmerksamkeit zu erreichen. Wenn es genug UnterstützerInnen gibt sind die Wiener Grünen die einzigen die alle Adressen haben, dann liegt es an den KandidatInnen diese WählerInnen zu umwerben, wie ist ihnen überlassen, wenn sie wollen können sie auch von Tür zu Tür gehen! Außerdem kann ja jeder andere auch um UnterstützerInnnen werben, wo ist das Problem?
So ging es fast drei Stunden weiter, hier noch ein paar Beispiele die mich entsetzten:
“Was ist wenn da Wähler den Grünen eins auswischen wollen?”
Was ist den Grünen lieber? Leute die sich die Mühe machen zu registrieren, sich informieren und dann hoffentlich bei der Landesversammlung für Kandidaten zu stimmen oder Leute die die Grünen einfach nicht wählen? Wer dann auf die Landesliste kommt hängt einzig von den KandidatInnen ab und wie sie sich “verkaufen”. Und selbst wenn einige den Grünen eins auswischen wollen, so what? Damit muss die Partei halt umgehen, ist wohl besser es wischen ihnen nur 600 Leute bei der Landesversammlung “eins aus” als 60.000 bei der Wahl, oder?
Am schlimmsten wurde es dann als es um Inhalte ging (nicht missverstehen, es ging nie um konkrete Inhalte, es ging um den Begriff Inhalte):
“Die Plattform sollte auch Inhaltsvorschläge für die Grünen liefern!”
Sorry, soll das jetzt ein Outsourcen der Parteiarbeit werden? Das ist verdammt noch einmal die Aufgabe der Grünen Themen zu finden, nicht die Aufgabe der WählerInnen! Und wenn den Grünen da nichts einfällt sollten sie vielleicht Geld in die Hand nehmen und in Meinungsforschung investieren.
Wie gesagt, so ging es stundenlang weiter, da wurde z.B. noch gefordert das “Grüne Vorwahlen” den KandidatInnen eine Plattform zur Präsentation bieten muss (sic), das die Plattform um Projektförderung bei den Grünen ansuchen soll (LOL), usw.
Man merkte richtig das hier sich Unwissen mit Angst (vor den WählerInnen!) mischte.
Natürlich gab es auch ein paar gute Kommentare, vor allem von Personen die sehr aktiv im Internet sind, das war aber sehr wenig.
Im Endeffekt hat das Treffen für mich gezeigt das die Grünen schleunigst Erneuerung brauchen. Hier ist die Diskrepanz zwischen Partei und WählerInnen weitaus größer als in anderen Parteien.
Deswegen muss ich nochmals das Zitat von Michael Moore wiederholen:
Take over your local Democratic Party.
In most counties the local Democratic Party is run by just a few people, ’cause most citizens would never think of showing up. Go to the next county or town Party meeting, and bring ten friends. In most cases your bunch will constitute a majority. Use the rules and the state party by-laws (which can often be found on the Web) and seize control.
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ein ebenso interessanter wie – leider – wenig überraschender stimmungsbericht. merci.
vl. werden ja sogar lehren im positiven sinne gezogen.
so wenig mir die pr der aktion gefällt (bzw. eigentlich: mich abstößt), so sehr muss ich ex post anerkennen, dass sie allein mit der beschriebenen debatte/auseinandersetzung schon mehr gutes bewirkt hat als ich für wahrscheinlich gehalten hätte.
Mich irritierte auch die Angst unter Fremdem in irgendwelchen Foren zu diesem Thema zu posten und deshalb ein eigenes Forum für gruenevorwahlen.at haben zu wollen.
Ganz ehrlich: für mich waren (wie für einige/viele andere auch) das auch neue Gesichter und ich hab mit denen nie gechattet
nur eine kleine relativierung: meiner beobachtung nach kamen nicht alle dieser fragen von den anwesenden grünen.
was die frage “Das System ist unfair da es Kandidaten, die mehr im Internet machen, bevorzugt!” angeht:
diese argumentation habe ich schon so oft und in grundverschiedenen zusammenhängen gehört, ich bin es echt schon leid.
festzuhalten gilt: jede kultur- und medientechnik schafft inklusion wie exklusion.
wer sich in schrift äußerst, schließt die aus, die nicht lesen können.
wer sich in zeitungen äußert, schließt die aus, die diese zeitung nicht lesen.
wer deutsch spricht, schließt die aus, die deutsch nicht oder nicht so gut verstehen.
das ist damit noch lange kein grund, schrift, zeitungen, und die deutsche sprache abzuschaffen!
und in sachen hol-/bringschuld: wer ist verantwortlich für seine darstellung im web? jede/r für sich. das müssen die kandidat/inn/en selbst leisten.
wie wär’s mit etwas anerkennung für den unentgeltlichen einsatz der unterstützerinnen, statt zu bemängeln, dass sich diese nicht über alle medien gleich äußern? als nächstes verlangt einer, die grünen vorwahlen sollen einen fernsehspot kaufen:)))
@Jana bezüglich Relativierung, ja, aber soweit ich mich erinnere kamen die erwähnten fragen von den grünen bzw. wurden sie von den grünen aufgegriffen und weiter diskutiert.
bei den anderen punkten stimme ich dir vollkommen zu!
Thx a lot. Dachte schon, ich muss jetzt einen Stimmungsbericht schreiben, aber besser gehts nicht – und ich kann heute vielleicht tatsächlich wieder was “arbeiten”, juhu!
Danke für den Bericht. Ich konnte gestern nicht kommen.
Ich würde der Initiative raten sich nicht zu sehr mit den Grünen Funktionärinnen und Funktionären zu beschäftigen, sondern sich dem selbst definierten Ziel “Wir wollen die Grünen öffnen, und möglichst viele Sympathisanten dazu motivieren, an diesen Wahlen teilzunehmen.” zu widmen.
Ich hab mein Formular schon abgegeben. Kann man irgendwo nachlesen, wie viele die Initiative schon per Unterschrift unterstützt haben?
Ich fand die Diskussion am Abend durchaus spannend, auch wenn sie zum Großteil am Thema, wie wir möglichst viele Unterstützer für die Initiative finden, vorbei ging. Dass so viele Grüne Funktionäre oder Mandatare anwesend waren, finde ich durchaus positiv, denn immherhin setzen die sich mit Thema auseinander und zeigen guten Willen.
Und wenn der Sinn und Zweck unserer Initiative von manchen nicht ganz verstanden wurde, müssen auch wir uns überlegen, wie wir das besser kommunizieren können. Ich hab das unter http://www.baeck.at/blog/2009/04/08/gruene-vorwahlen-oder-die-hoffnung-im-bunker/ versucht.
@martin: bislang in etwa 55. definitiv noch ein langer weg!
@martin @helge wobei jemand von den grünen gestern meinte das sie im jahr rund 120 neue unterstützeriInnen/mitgliederInnen bekommen, da sind 55 in nicht mal einer woche schon ein sehr guter erfolg finde ich!
wow, der bericht hat wirklich voll daneben gegriffen: die mehrheit der aufgegriffenen bemerkungen, etwa jene, dass eine eigene plattform notwendig sei, oder dass die grünen ja geld beisteuern könnten etc… werden hier nicht nur völlig verdreht wiedergegeben: sie kamen auch nicht von den anwesenden grünen.
ihr beschimpft eure eigenen potentiellen aktivistInnen und schafft eine künstliche dichotomie, die es dort gar nicht gegeben hat. ihr vergesst zu erwähnen, dass euch mindestens drei mal seitens der grünen technische wie inhaltliche unterstützung angeboten wurde, auf die ihr nicht einmal reagiert habt. der vorschlag, eine eigene technische plattform zu nutzen war eine konkrete antwort auf die frage, was getan werden sollte, um menschen vor dem 15. juni dazu zu bewegen, sich als unterstützerIn eintragen zu lassen.
wolltet ihr nicht hören, daher schnell mal im inhalt verdreht (so kommts mir zumindest vor).
klar kann sich jedeR über facebook registrieren lassen und die bemerkung mit dem zugang der tochter war nichts als eine scherzhafte nebenbemerkung, aber sie hat etwas aufgegriffen, was von mehreren teilnehmerInnen kam (und ebenso hier nicht aufscheint): dass euer konzept nur social-waterboarding verstärkt.
im moment funktioniert das ding nach der vorstellung: wir haben eine gute idee und den rest machen wir als team (noch dazu ein virtuelles). team ist dabei die abkürzung für: toll, ein anderer machts…
gestern waren da einige leute, die konkret was tun wollten. ihr habt uns einfach unterschriftslisten in die hand gedrückt und auf irgendwelche späteren treffen verwiesen. das war verdammt demotivierend. jede frage, jeder diskussionsansatz, jeder vorschlag wurde von euch als kritik aufgefasst und sofort in der luft zerrissen (noch dazu ganz schön feindselig). und der schwanzvergleich mit den beiden grünen abgeordneten (die euch eigentlich zu einer veranstaltung einladen wollten, aber ihr habt sie gleich einmal gar nicht ausreden lassen) war zum genieren.
ihr seid gerade dabei, eine an sich gute idee an die wand zu fahren. leider…
ach ja: danke für den hinweis, dass ihr die adressen der unterstützerInnen sammelt. ich hab meine erklärung dann lieber gleich mal nicht bei euch abgegeben und werd sie selbst den grünen schicken.
@rosa warst du gestern sicher auf der gleichen veranstaltung wie ich?
ich verstehe deinen text leider nicht, was meinst du z.b. mit “beschimpft eure eigenen potentiellen aktivistInnen”? und was mit “schwanzvergleich mit den beiden grünen abgeordneten”?
es darf sich doch jeder noch eine meinung bilden und die kundtun, wenn du einer anderen meinung hast gerne, ich hab das gestern so gesehen wie im artikel beschrieben.
@rosa und andere:
Was gestern andauernd übersehen und von vielen ignoriert wurde ist, “die grünen vorwahlen” wollen explizit keine plattform schaffen dei kandidaten presentiert!
Es soll einzig und alleine durch das finden von Unterstützern die notwendigkeit geschaffen werden, dass sich die kandidaten selbst ihre plattformen schaffen oder suchen.
Ob das so klappen wird ist ein gänzlich anderes thema.
Gestern wurde viel zu viel über irgendwelche Plattformen rumdiskutiert, open/closed-source, öffentlich, privat, anonym, am besten ohne registrierung aber trotzdem nicht anonym (das war die spitzenmeldung;-).
Das interessiert “die grünen vorwahlen” alles nicht! (oder nur insoferne als sie diese plattformen dann verlinken wollen, sofern überhaupt online)
Cool fande ich auch, dass manche Grünen solche Plattformen begrüßen würden. Ja warum gibts es dann noch nicht?????
Lustig genug, dass diese vorwahlen nichtvon den grünen ausgerufen wurden, aber immerhin hatte man ja was ganz ähnliches eh in planung.
Und was die zusammenarbeit mit den Grünen angeht: da erwarte ich mir schon was, aber das hätte mich gestern abend nicht im detail interessiert.
@MartinM danke, sehr gut auf den Punkt gebracht!
Ich nominiere “social waterboarding” für den Titel “krasseste Wortschöpfung des Monats”. Aber was ist damit gemeint?
Social Waterboarding: Man surft da ganz klass auf einer hippen facebook welle, twittert dabei ein schönes lied und blogt ein paar unterstützungserklärungen.
Da die web2.0 leute aber nur die aufmerksamkeitsspanne einer katze haben, ist das den momment uninteressant wo der surfer von der bildfläche verschwindet und von unterstützungserklärungen weiß dann auch keiner mehr was….
oder bezieht man sich da eppa auf so ne foltertechnik?
Also ich war ja nicht beim Treffen.
Finde aber die Initiative großartig und versuche Euch alle mal machen zu lassen.
Wenn ich die Berichte so lese, dann denke ich mir, vielleicht sollten auch meine KollegInnen ein bisschen mehr Zurückhaltung üben, damit nicht aus den Grünen Vorwahlen eine Parteigremium wird (dann könnten wir nämlich statt Cafe Ritter, einfach Grünes Haus, Großer Sitzungssaal, Lindengasse 40 machen)
)
Und @RosaParks. Wär vielleicht besser, wenn du offenlegen würdest, was deine Funktion ist bei den Grünen…
Jou, Social Waterboarding ist sicher auf die Foltertechik bezogen. (Man hat die ganze Zeit das Gefühl man ertrinkt in verbalen Auswüchesen einer Web2.0 Generation) Wobei ich den Kontext in dem Beitrag nicht sah.
Ganz falsch ist es vom Prinzip her nicht. Weil ich befürchte, dass die Platform an Überfütterung von Bloggern Twittern und anderen Web2.0 Auswüchsen in der HOFFENTLICH stattfindenden 2. Phase etwas untergehen wird.
Aber wie bereits erwähnt, das ist noch nicht das Topic. Jetzt heissts mal genug Unterstützer finden für das ganze. Ich hoffe die Kommen zusammen und sammle auch bei Freunden weiter. Würde mich echt intressieren was die jüngeren unbekannteren Grünen Kandidaten zu sagen haben.
wow, kognitive dissonanz rulez!
is ja alles nur etwas widersprüchlich aber kein sich ausschließender Widerspruch, gleichzeitig Social Waterbording und sinnvolles Engagement, gleichzeitig konstruktive Diskussion und Dampf ablassen, gleichzeitig AktivistInnen abwerten und sich zu AktivistInnen erklären, gleichzeitig Distinktionsgewinne einstreichen und neugierig sein, gleichzeitig ein “grünes” Wir konstituieren und sich vom “grünen” Wir abgrenzen, …
es lebe die Komplexität und Pluralität!
ich finde es übrigens auch nicht notwendig, dass Du Dich hinter Rosa Parks avatarisierst;
und finde es bemerkenswert, liebe Marie, dass Du versuchst, “Euch alle mal machen zu lassen”.
Natürlich ist Waterboarding eine Foltermethode (http://de.wikipedia.org/wiki/Waterboarding) und ich kann daher auch Wortkonstruktionen wie “Social Waterboarding” nichtmal in irgendeinem übertragenen Sinn ok finden.
Ich fand den Abend angenehm und wichtig und ich denke so empfanden ihn nicht nur die anwesenden Grün Abgeordneten, mit denen ich im Anschluss noch kurz sprechen konnte (Musiol, Ellensohn, Schreuder), sondern auch beinah alle Anwesenden – die Stimmung war trotz zu spürender “unterschiedlicher Welten” für mich sehr gut. Wir hatten kurz ein bissl einen Themenzielkonflikt, weil den Grünen naturgemäss andere Fragen wichtiger waren als uns. Wir wollen neue UnterstützerInnen sammeln. That’s it.
Es wäre schön, wenn man bei der Aktion nicht den Eindruck bekommt, dass sich die Grünen vor den eigenen Wählern fürchten.
Es soll kein Parteigremium werden, davon gibt’s ja eh schon genug und wer will, kann dort ja auch mitmachen. Ich hoffe die Grünen sehen das als Weg, um einen besseren Kontakt zu einigen interessierten (und gut vernetzten) Wählern zu bekommen.
Abgesehen davon: Wer den Begriff “Social Waterboarding” so verwendet, wie von MaMa angedeutet ist meiner Meinung nach nicht regierungsreif, da dies zu einer Verharmlosung der Foltertechnik führt.
Jetzt wird den Grünen und auch den gestern anwesenden Funktionären unrecht getan. Mich beschleicht das Gefühl, dass die hier in einer Loose-Loose-Situation sind. Wäre nämlich kein Grüner gekommen, dann hätte der Tenor unisono zu recht gelautet: “Die kümmern sich nicht um Initiativen, die Ihnen helfen wollen.” Jetzt sind eben ein paar gekommen und schon wird übers zu Tode umarmen und ähnliches geschrieben, wovon aber nach dem gestrigen Abend keinesfalls die Rede sein kann. Dass es dabei unterschiedliche Auffassungen und Zielsetzungen gibt ist doch gut, alles andere wäre doch recht langweilig.
Die Initiative Grüne Vorwahlen ist doch eben deswegen angetreten, damit grüne Mandatare stärker in den Dialog mit ihren potenziellen Wählern treten. Ist doch gut, wenn die das jetzt tun.
Ich hatte den Eindruck, dass viele der “Funktionäre” schon viel zu weit vorraus gedacht haben. Deswegen gabs dann ja auch so viele Fragen die garnicht Thema des Abends waren.
Was die motivation der potentiellen Unterstützer anbelangt:
Da war die “Funktionärsmeinung” ja, man muss den Menschen Leute/Themen präsentieren, sonst machens da nicht mit.
Das glaube ich nicht. Gerade Grün-Wählern sollte doch der Ausblick auf einen hauch mehr direktes mitspracherecht genügen um die Unterstützungserklärung zu unterschreiben.
Dass man da nicht “Herr und Frau Österreicher” angeln kann ist klar, aber die sind für sowas eh eher nicht zu haben, deswegen bestimmt bei den Großparteien ja auch der Vorstand die Kandidatenliste
ich glaube rosa parks ist ein troll
1. ich war leider (mittlerweiler glücklicherweise) nicht dabei, weil ich irgendwie genau die befürchtung hatte, dass es sich in richtung typisch grüne zerredungsveranstaltung entwickeln würde (frei nch monty python: judäische volksfront oder volksfront von judäa?)
.
2. die grünen sollten mal – frei nach obama – zuhören lernen.
3. die inititiative sollte so lange wie möglich im internet präsent bleiben. die grünen zerredungsversuche sind teil der problematischen symptonmatik: if you can’t convince them confuse them!
Und das ist sie wieder, die wir/ihr Rhetorik – eigentlich gibt’ es diese Grenze nicht, gestern wurde sie unglücklich eingeführt, weil die besuchenden Grünen die Fragen immer in Richtung “wie stellt’s IHR euch das vor” etc stellten, und unter Umständen wir von InitiatorInnenseite zu sehr auf diese Trennung eingegangen sind bzw. diese angenommen haben.
Auf einmal setzte sich diese Trennung dann auch in die andere Richtung fort – und Rosa Parks wendet sich jetzt ja auch entsprechend an “ihr, die ihr diese Initiative (macht, seid, was weiß ich)”, ihr, die ihr sie “an die Wand fahrt”.
Ungut. Günter Strobls Worte finden in mir viel Nachklang:
“die grünen zerredungsversuche sind teil der problematischen symptonmatik: if you can’t convince them confuse them!”
Und wie Marie Ringler finde ich, dass die Grünen jetzt besser nicht versuchen sollten, sich da vorzeitig zu involvieren. Wo auch? Jede/r unterzeichnet für sich das Formular, jede/r wird für sich wählen. Und mit welchem Ziel auch? Leute davon abhalten, Unterstützer zu werden?
Mehrmals erwähnten Grüne gestern die “Möglichkeit einer Kooperation” – Kooperation mit wem? Es gibt keinen Verein, keine Partei “Grüne Vorwahlen”, es gibt nur jede Menge Individuen, die in Interesse zeigen – geneigte WählerInnen sind das! Kooperation mit dem Wähler/der Wählerin? Irgendwie hinkt mir da die Begrifflichkeit.
Das allererste Treffen vor eine Woche erschien mir ungleich produktiver – da saßen 16 Leute im Raum, die richtig Lust hatten, ein bisschen die Trommel für die Partei ihrer Wahl zu rühren.
Und niemand von denen maßt sich ja etwas an – sondern es gibt lediglich eine Reihe von Menschen, die etwas nutzen wollen, was die Grünen VON SICH AUS eh schon anbieten: mitwählen, ohne Parteimitglied zu sein.
Gestern aber schien es, als wollten die besuchenden Grünen eine Rechtfertigung (warum wir die, die nicht im Web sind ausschließen, warum wir mit dem, was wir haben, nicht zufrieden sind, z.B.):
Es gibt nur eine Rechtfertigung: Das Statut der Grünen! Bitte dort nachlesen!
Kleine Ergänzung zu oben: In Phase zwei, also wenn die Frist, bis zu der die VorwählerInnen registriert sind, abgelaufen ist, dürfen und müssen sich die Grünen aber wohl involvieren – aber auch dann nicht bei einer Initiative (die es als homogenen Körper eh nicht gibt), sondern sich für die Individuen sichtbar machen! Die UnterstützerInnen sind dann schon optimal vorbereitet und aufnahmefähig! Umwerbt uns!
@Günther, @Jana danke für den jeweils sehr guten Kommentar!
@rosa parks habs im ersten kommentar leider überlesen, aber der “social waterboarding” vergleich ist eine zumutung, eigentlich eine bodenlose frechheit und ein disqualifikationsgrund.
@navigator schön wärs, ich glaube es aber leider nicht.
Zu den Grünen: Willkommen im 21. Jahrhundert, learn to play.
in gewisser weise bin ich ausnahmsweise vielleicht wirklich ein troll: und zwar insofern, als ich mich gestern in der früh über diesen beitrag mit seiner stark verschwörungstheoretischen tendenz geärgert hab und dann einfach reingetippt habe, um mir dann lmaa zu denken… kein besonders guter start, gib ich zu. daher ein paar anmerkungen:
den begriff “social waterboarding” hab ich mir nicht ausgedacht. er ist übrigens am dienstag abend in einem zwischenruf auf der veranstaltung auch gefallen (die betreffende person ist dann aber gegangen und nicht zu ihrem statement gekommen).
kränken wollte ich damit ganz sicher niemanden und er ist auch kein vorwurf an die protagonistInnen, sondern eine darstellung eines problems des web 2.0.. da “nicht so gemeint” die typisch österreichische autogenerierte schuldbefreiung darstellt, füge ich noch hinzu: ich entschuldige mich bei allen, die sich dadurch angegriffen gefühlt haben. bitte erlaubt mir folgende klarstellung:
waterboarding ist – zynisch gecleant formuliert – eine methode, menschen zu isolieren und die orientierung zu nehmen, um sie auf diese weise zu handlungen zu veranlassen, die sie unter normalen umständen nie setzen würden. im web 2.0 gibt es ein ähnliches phänomen: statt der unglaublichen fülle von wasser gibt es eine unglaubliche fülle von informationen, statt einem tuch gibt es den pc zwischen mir und der umwelt. es ist in der praxis, obwohl das jede und jeder für sich selbst abstreiten würde (was übrigens beim waterboarding auch teil der methode ist, nämlich den betroffenen das bewusstsein dafür zu rauben, dass sie eigentlich gegen die eigenen interessen gehandelt haben oder gar etwas völlig absurdes getan/ausgesagt haben), unmöglich, die fülle an “informationen” zu verarbeiten, zu bewerten. reduzierte wahrnehmungsfähigkeit wird zum selektionsprinzip (und das ist wieder kein vorwurf an die einzelne person, sondern die einzige möglichkeit, mit dieser situation umzugehen).
der begriff social waterboarding beschreibt somit keinen vorwurf an grüne vorwahlen, sondern ein real existierendes problem. um ein beispiel zu nennen: der kasten mit den letzten getagten ereignissen gibt in der regel überhaupt keinen überblick über irgendeine diskussion. wenn drei von fünf angezeigten ereignissen twitter-antworten sind, dann ist das nicht diskursiv, sondern schlicht irrelevant. auch eine auflistung von facebook-einträgen (die ich nur abgeben kann, wenn ich mich vorher als friend eingetragen habe) ist keine diskussion im sinne von austausch, sondern ein selbstbezügliches system.
da so zu tun, als ob es irgendwelche ansätze dazu gäbe, eine auseinandersetzung nachvollziehbar zu machen, heißt meines erachtens, sich selbst was vorzumachen.
selbstverständlich sind nicht ein paar protagonistInnen für die auseinandersetzung verantwortlich, aber wenn bestehende auseinandersetzung nicht nachvollziehbar ist (wobei auch noch zu klären ist, was auseinandersetzung ist – twitter ist es m.e. nicht), dann wird auch kein mensch an der sache interessiert sein. warum auch?
die moralische idealisierung “grüne wählerInnen sind doch…”, “von grünen wählerInnen kann mensch doch erwarten, dass…” ist nur eine idealisierung und ist in der praxis eine übrigens von grünen selbst oft geübte entledigung von prozessverantwortlichkeit.
und damit ist ziemlich gut beschrieben, warum ich meine, dass diese idee gerade an die wand gefahren wird: wer mit den grünen selbst was zu tun haben will, ist ohnehin in deren nähe (etwa in netzwerken, die es zu sachfragen ja reichlichst gibt). wer an sich sympathisiert, aber keine lust hat, viel zeit und energie zu investieren (um nicht peiorativ rüberzukommen: weil die mehrheit der menschen eben in der freizeit was besseres zu tun hat, als wöchentliche gruppentreffen zur debatte über straßennamen, anträge und die grundsatzfrage, warum alles so schlimm ist), braucht einen ort, wo er/sie nicht nur schnell zu infos kommt, sondern im optimalfall auch sich selbst mitteilen kann.
alle vorschläge/ansätze zu diesem aspekt (und sie kamen mit einer ausnahme nicht von grünen funktionärInnen) wurden – zum teil sehr unfreundlich – vom tisch gewischt.
nur zur zusammenfassung:
den vorschlag, grünen kandidatInnen eine plattform zu bieten, find ich auch ein wenig absurd.
den vorschlag, eine diskussionsplattform zu bilden (etwa via indymedia) find ich gut. ehrlich gesagt hab ich die frau, die den vorschlag gemacht hat und sich dafür zweimal von helge in ziemlich abwertender weise (“wennst mit wem diskutieren willst, dann gründ halt ein forum mit ein paar freunden. das ist nicht die aufgabe von grünevw”) anpflaumen lassen musste, bewundert für ihre contenance (und damit ist wohl klar, was ich mit der beschimpfung potentieller aktivistInnen meinte).
den vorschlag, auf einer plattform politische statements, programmteile, anträge etc der grünen von userInnen diskutieren und kritisieren zu lassen, fand ich auch gut. da ergäben sich dann nämlich auch ansätze, mit denen die grünen unter druck zu bringen wären. und es ginge nicht um personen. selbstverständlich könnten und sollten das die grünen auch selbst tun. im konkreten fall – die frage lautete, wie 600 menschen dazu motiviert werden können, die unterstützerInnenerklärung von grüne vorwahlen auszufüllen – hilft dieser verweis aber nicht weiter. es gilt doch, emotionale anknüpfungspunkte zu grüne vorwahlen zu lokalisieren.
noch einmal zu ihr-wir: die debatte am dienstag produzierte reihenweise komische dichotomien, die ans absurde grenzten(protagonistInnen-nicht-protagonistInnen; grüne-nichtgrüne, plankompatible-nichtplankompatible fragen/vorschläge). durch die outingrunde für grüne wurden konstellationen geschaffen, die es gar nicht gibt. diese leute kannten sich zum teil weder noch hatten sie irgendetwas besprochen, vereinbart oder gar einen gemeinsamen plan. dennoch wurde jede äußerung, die helge (subtiler) oder max (ziemlich,.. naja, sagen wir mal: deftig) nicht ins konzept passte, sofort ettikettiert. in der folge wurden auch fragen und vorschläge von irgendwelchen leuten in die kategorie “störfeuer” eingereiht (mindestens fünf mal wurde nach konkreten fragen und/oder vorschlägen mit dem satz “das ist eigentlich nicht das, was wir heute besprechen wollen” reagiert).
da das alles schon ein bisserl lang wird, noch eines: etwas unangenehm berührt hat mich nicht nur der umgang mit nicht “plankonformen” vorschlägen, sondern auch einiges an der wortwahl, an der emotionalen tendenz. dass es mich stört, wenn immer nur von wählern, unterstützern, bloggern… die rede ist, mag ja noch irgendwie mein spleen sein, aber wenn helge heute einen text auf seinen blog stellt, in der das frau-sein von eva glawischnig bzw. damit eine rollenzuschreibung (mutterrolle statt auseinandersetzung mit grüne vorwahlen) als “satirisches element” benutzt wird, dann … ehrlich gesagt …
…tut mir das wirklich sehr weh. das ist nicht satirisch, sondern tief (und war zur darstellung der kritik am umgang der grünen mit vorwahlen.at absolut nicht notwendig).
ich entschuldige mich noch einmal bei allen, die sich von meinem beitrag verletzt gefühlt haben. ich kann – inzwischen – auch nachvollziehen, warum es euch verletzt hat. da ich ja quasi disqualifiziert wurde, werde ich mich an diesen ordnungsruf auch halten. ist vielleicht tatsächlich eine richtige konsequenz aus meiner wenig empathischen ersten reaktion.
ich hoffe, dass meine anmerkungen trotzdem in irgendeiner weise zum gelingen des projekts beitragen.
@rosa finds jedenfalls gut, dass da noch ein ausführlicher comment kommt. hut ab, auch wenn ich wahrlich nicht alles verstehe oder nachvollziehen kann. wir sollten versuchen, voneinander das beste anzunehmen. und: man muss sich aber auch nicht unbedingt “lieben”, um ein gemeinsam für wichtig erachtetes projekt zu einem erfolg zu bringen…
Schöne Ausführung!
Das Twitter ungeeignet für so ziemplich alles ist (ausser rückkanal für Armin Wolfs Zib2 Moderation) bestreitet wohl niemand.
Allerdings zeigt zb genbau dieser Blogeintrag, dass Duskussionsplattformen ganz “automatisch”, alleine durch die Existenz der grünen Vorwahlen, entstehen.
Und gerade die Blog-Reaktionen wurden auf der seiter der grünenvw ziemolich prompt akribisch aufgelistet.
Was das umgehen mit Fragen angeht: (macht schon mal eure faulen tomaten bereit!):
Das zeigt IMO gut den unterschied zwischen “politischer” Dampfplauderei und effizient was weiter bringen (mit der “elleboenmentalität der privatwirtschaft sag ich vielleicht mal ganz provokativ) *ggg*
Das Thema war nun mal nicht “Plattformen” sondern “Unterstützer locken”
*duckundweg*
*den tomaten ausweichend*
Eventuell wär vielleicht mal ein eigener Abend zum Thema Plattformen angebracht, aber nicht von den grünenvw sondern von den “echten” grünen organisiert.
“Man merkte richtig das hier sich Unwissen mit Angst (vor den WählerInnen!) mi…”…
Man merkte richtig das hier sich Unwissen mit Angst (vor den WählerInnen!) mischte….