Konsumenten undWerbung, Freitag 1 Mai 2009 10:27
Abgesehen davon das ich über die Aussagen von Herrn Pöchhacker gestern im Morgenjournal erschüttert war, finde ich es sehr eigenartig das die ÖBB nach den Rekordverlusten und den Diskussionen über Prämienzahlungen heute in der Kronen Zeitung eine ganzseitige Anzeige schaltet mit folgender Überschrift:

Da musste ich das erste Mal lachen, obwohl es eigentlich traurig ist. In dieser Werbung wird die Preiserhöhung ab 1. Juli mit den gestiegenen Strom- und Energiepreisen begründet (die längst wieder gesunken sind), komisch, steht doch auf der ÖBB-Homepage das 89% des Strombedarfs aus Wasserkraftwerken gedeckt wird, 1/3 davon sogar aus Kraftwerken die im Besitz der ÖBB sind, wird da jetzt intern mehr verrechnet?
Ganz spannend wird dann dieser Teil der Werbeeinschaltung:

Denn diese Vergleiche hinken gewaltig! Durch die Berechnung in “Bahnkilometer”, die nicht unbedingt den realen Kilometern entsprechen, sind die Entfernungen stark verzerrt. Deswegen hier einmal der Ansatz die Strecken mit Autokilometer, die bei Google Maps angezeigt werden, zu vergleichen (immer von Hauptbahnhof zu Hauptbahnhof):
Wien-Salzburg: 292km
Berlin-Hamburg: 281km
Reiner Zufall das man sich da bei der Österreichischen Strecke so verschätzt hat
Was die ÖBB in dieser Anzeige komplett vernachlässigt ist etwas, dass heutzutage nicht ganz unwichtig ist: Die Reisezeit!
Die ÖBB braucht für die Strecke Wien-Salzburg mit ihrem Vorzeigeprodukt “Railjet” 2 Stunden, 38 Minuten. Die Deutsche Bahn braucht für die vergleichbare Strecke Berlin-Hamburg 1 Stunde, 36 Minuten!
Die Deutsche Bahn ist auf der gleichen Streckenlänge um eine Stunde schneller!
Vom Wagenmaterial (ICE vs. normaler ÖBB Zug, den der Railjet fährt ja nur ein oder zwei mal am Tag) will ich gar nicht reden. Die Schweizer Bahn ist auch nicht wirklich vergleichbar da dort die Streckenführung um einiges schwieriger ist.
Lustig auch: Die ÖBB gibt an das die Strecke Wien-Wiener Neustadt ab 1. Juli € 9,10 kostet. Wenn ich heute auf der ÖBB-Webseite für diese Strecke am 1. Juli ein Ticket kaufen möchte, bekomme ich folgendes Ergebnis:

Also was stimmt jetzt?
Liebe ÖBB, bitte verschont mich in Zukunft mit solchen Anzeigen, spart das Geld und sorgt endlich dafür das eure Dienstleistung gut funktioniert!
PS: hier die komplette Anzeige.
PPS: auch im heutigen ÖSTERREICH ist die selbe Anzeige (etwas anders gestaltet), dort macht man sich nicht mal die Mühe das als Werbung zu kennzeichnen. Im Kurier findet man auch diese ganzseitige Anzeige.
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Vielen Dank für diese Kritik, hab das Inserat heute selber gesehen und mich furchtbar geärgert. Wer überdies einmal mit der Schweizer Bahn gefahren ist, der akzeptiert nicht nur die Preisdifferenz, sondern erkennt auch, dass die ÖBB für deren Standard noch immer viel zu teuer sind.
Genau, die Schweizer Bahn hat schon vor 20 Jahren angefangen sich zu erneuern und ist den Preis auf jeden Fall wert!
lese gerade “Die ÖBB, Werbung und die Wahrheit” http://tinyurl.com/dem8xe von @karli
Liked “Im heutigen ÖSTERREICH ist diese Anzeige der ÖBB Nicht mal als Werbung gekennzeichnet. http://is.gd/vP9l” http://ff.im/-2uN2i
das Trauerspiel der ÖBB auf Wissenbelastet. – http://tinyurl.com/dem8xe
RT @smeidu das Trauerspiel der #ÖBB http://tinyurl.com/dem8xe
[...] Siehe auch: http://wissenbelastet.com/2009/05/01/die-oebb-werbung-und-die-wahrheit/ [...]
Die ÖBB-Werbeabteilung kann offenbar nicht rechnen. Im VOR sind’s bis Wr. Neustadt 5 Zonen zu je 1,80€, also insgesamt 9€.
Die ÖBB-Tarife sind eigentlich nur ertragbar, wenn man eine Vorteilscard hat. Die DB hat aber auch ihre Nachteile, man sehe sich an, wie die ihre Mitarbeiter behandeln.
@Dan da zeigen sich wieder die Unterschiede zwischen VOR-Tarifen und ÖBB-Tarifen…
Und bei der DB hast du natürlich Recht, keine Frage!
zwar würde das Geld, dass die Golden Handshakes für die ex-Manager die ein gewisser Herr Faymann denen großzügig in die Hände gedrückt hat nicht viel aufbessern, aber da kriegt man schon als Fahrgast einen Frust.
und nicht nur, weil das Umsteigen so benutzerunfreundlich ist. Wenn man von Wien ins obere Mühlviertel will muss man entweder den Bus nehmen und mehr bezahlen oder mit der Straßenbahn rüber zum Mühlkreisbahnhof.
ich will gar nicht vom Regioliner reden -
Ich bin mit der OeBB auch ziemlich unzufrieden, denn eine Fahrt von Graz nach Leibnitz dauert 50 Minuten, wobei die Strecke aber nur 40 bis 50 km lang ist und kostet fast 7 Euro. Das ist nicht unbedingt ein Lockvogelangebot.
Wie kommen die darauf Wien-Graz mit Buchs-Interlaken zu verbinden?
Damit sie etwas finden wo die SBB eine laengere Fahrzeit hat?
Nein, damits teuer wird. Denn die 3x umsteigen (Sargans, Zuerich und Bern) bewirken nicht nur dass die (google-maps-by-car)-strecke von 202 auf ca 280 km erhoeht.
(Zum Preis in der Werbung kann man auch von Zuerich nach Genf fahren.)
Dann koennte man ja auch noch das allgemeine Preisniveau in der Schweiz und bei uns vergleichen.
Schliesslich waere da dann noch die Puenktlichkeit….
Achja, und dann waere da noch die franzoesische SNCF …
Von Paris nach Rennes (ca 250km) im TGV in 2:03 um 42euro.
Wie engstirnig eine selbstbetitelte Wissensseite nur sein kann. Traurig hier so etwas zu lesen.
Zeigt aber schön das österreichische Bewusstsein im Bezug auf solche Fragen.
@Johannes: Sorry, ich verstehe deinen Kommentar nicht, was meinst du genau?
Das – und das meine ich ganz ehrlich – würde jetzt zu weit führen, das Thema wirklich versuchen zu diskutieren. In diesem Rahmen.
Nur dass Personenverkehr auf der Schiene, egal wie teuer, nicht auch nur annähernd kostendeckend ist (dh. “Geld aus der Tasche ziehen” ist unberechtigt), dass motorisierter Individualverkehr in Wahrheit um ein Vielfaches teurer ist, nur der Großteil (Straßenbau) mit einer Selbstverständlichkeit auf die Allgemeinheit abgewälzt wird, dass die Menschen (und auch Politik) in unserem Land offenbar dem Grundsatz Nachfrage erzeugt Angebot blind gehorchen und nicht dass Angebot Nachfrage erzeugt und man sich dann wundert dass die ÖBB hinterherhinken? Der Unterschied zur Schweiz liegt nicht in der Bahnverwaltung, der liegt im Bewusstsein.
Dass das ÖBB Wagenmaterial im Personenverkehr zu den großzügigsten weltweit gehört ist natürlich selbstverständlich und darum zu verschweigen?!
Dass es im laufenden Betrieb viele unnötige, absolut vermeidbare Ärgernisse wie Verspätungen gibt stimmt allerdings.
@Johannes: um das gehts ja garnicht, gebe dir in fast allen punkten recht! In der Schweiz wurde halt viel früher schon darüber nachgedacht wie ein öffentlicher (bahn-) verkehr funktionieren sollte, in österreich wird diese frage halt mit neuen tunnebauten beantwortet
Auch ging es nicht um kritik am wagenmaterial, im beitrag von mir geht es auch um den fernverkehr und um komische preisangaben im nahverkehr!