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Krems, das Alter und der Tod

Allgemein undPolitik, Donnerstag 27 August 2009 10:19

Irgendwie reicht es mir jetzt: Jedes Mal, wenn in den Medien über die Todesschüsse von Krems gesprochen wird, kommt in den Kommentaren sofort die Argumentation: “Was macht ein 14-jähriger um die Uhrzeit auf der Straße? Selber Schuld, dass er getötet wurde!”.

Dazu muss endlich einmal gesagt werden:

Der Tod des 14-jährigen hat nichts mit seinem Alter zu tun!

Wieso? Ganz einfach, in dem Moment, als der Junge von den Polizisten erschossen wurde, war die Tatsache, das der Einbrecher 14 Jahre alt war, irrelevant. Er hätte auch 18, 25, 45, 62 oder Skifahrer, Baumeister, Ausländer, Inländer, Katholik, Jude, Zeuge Jehovas  oder irgendetwas anderes sein können, er wäre jetzt trotzdem tot.

Das einzige, was er zu dem Zeitpunkt war, ist ein Einbrecher.

Das ist genauso wie wenn man den Angehörigen der Opfer von 9/11 sagt: “Warum ist das Opfer an dem Tag nicht zuhause geblieben?” oder wenn ein Autofahrer, der soeben einen Unfall verursacht hat, sagt: “Warum sind sie nicht schon 10 Minuten früher hier entlang gefahren?”.

Deswegen ist diese oben genannte Argumentation einfach falsch und ein Äpfel mit Birnen Vergleich.

Was würden diese KommentiererInnen schreiben wäre der Bub 19 Jahre alt gewesen? Was wäre dann die Argumentation?

Hier wird versucht eine Argumentationslinie zu bauen die im Endeffekt auf: “Wer als Minderjährige(r) um zwei in der Früh unterwegs ist muss damit rechnen das er/sie erschossen wird” hinausläuft, um damit die Schüsse der Polizisten zu rechtfertigen.

Deswegen fordere ich alle auf diesen Vergleich bleiben zu lassen!

Ich hoffe (ja, ich weiß, sehr naiv) das der Vorfall im Krems lückenlos aufgeklärt wird und die entsprechenden Schlüsse daraus gezogen werden.

    1.  
      Alex
      27. August 2009 | 15:51

      Grundsätzlich richtig. Die Diskussion ob die Schüsse erforderlich waren oder nicht haben nichts mit dem Alter des Einbrechers zu tun.

      Allerdings wird auch genauso in die Gegenrichtung argumentiert: “Wie konnten die Polizisten nur auf einen 14-jährigen schießen usw.” Das geht ebenso in die falsche Richtung. Ein 14-jähriger kann bedrohlicher sein als so mancher Erwachsener (die Tatsache das er seinem Lehrer die Hand gebrochen hat beweist das ja auch).

      Ob Schüsse zur Verteidigung in diesem Fall angebracht waren haben die Ermittlungen zu klären. Diese sind aber der wahre Skandal. Warum erst knapp 3 Wochen nach dem Vorfall eine Tatortbegehung durchgeführt wurde ist für mich nicht nachvollziehbar.

    2.  
      max
      27. August 2009 | 15:58

      @Alex stimme dir in allen punkten zu, die schüsse müssen erkläert werden, nicht das alter, deswegen hatte ich ja auch geschrieben das er zu dem zeitpunkt “nur” einbrecher war.

    3.  
      Josef
      27. August 2009 | 17:00

      danke für den kommentar – er erinnerte mich an ein lied, das eine ähnliche diskussion thematisiert: 41 Shots http://www.youtube.com/watch?v=2kCbXkYbI6o

    4.  
      27. August 2009 | 17:33

      Unabhängig davon, ob solche Vergleiche angebracht sind oder nicht – sie sind immer mit Vorurteilen behaftet und können nie ganz richtig sein. Wir verknüpfen Ereignisse mit früheren Erfahrungen und machen uns daraus unsere Meinung. Wir haben ja alle eine Meinung (ist ja nichts Schlechtes), aber es muss sich jeder eingestehen, dass er über diesen konkreten Fall sehr wenig weiß.
      Stattdessen verlassen sich viele auf persönlichen Ängste über Einbrüche oder aggressive Jugendliche, Wut über Fehler der Justiz, Meinung über geschiedene Eltern,…

      Darauf bauen dann solche Vergleiche auf:
      Auf der einen Seite:
      “Was macht ein 14-jähriger um die Uhrzeit auf der Straße?” (es hätte ja auch mein Haus sein können; die Eltern haben keine Kontrolle über ihre Kinder; schlechte Erfahrungen mit aggressiven Jugendlichen,…) Auf der anderen Seite:
      “Wie konnten die Polizisten nur auf einen 14-jährigen schießen?” (der ohnmächtige Jugendliche gegen die bewaffnete Polizei, Verdacht auf Vertuschung, Verknüpfung mit Fehlern aus der Vergangenheit, womöglich auch im selben Bundesland, …)

      Natürlich haben wir ein Recht auf eine Meinung, aber ich glaube nicht, dass wir als “weise” Medienrezipienten und -kommentatoren den ausreichenden Kenntnisstand für ein Urteil erreicht haben.

    5.  
      max
      27. August 2009 | 17:40

      @ilda eben, und deswegen hoffe ich auf eine faire aufklärung und will das diese art der “meinungsbildung” aufhört.

    6.  
      martin
      27. August 2009 | 18:59

      Endlich mal ein richtiger Kommentar zu dem Thema.

      Nich die Frage wieso Polizisten auf einen 14-Jährigen schossen gehört geklärt sondern warum sie auf einen Einbrecher schossen.

    7.  
      Dan
      28. August 2009 | 01:27

      Ich habe den Eindruck, das Alter wird in den Medien auch deswegen hervorgehoben, weil die Namen der betroffenen Personen (zu recht) nicht genannt werden dürfen. Für Journalistinnen und Journalisten ist es eben einfacher, “der 14-jährige” statt “der jüngere der beiden mutmaßlichen Einbrecher” zu schreiben.

      @max: Deine Argumentation stimmt insofern, als dass sie implizit davon ausgeht, dass der Ort, an dem das stattfand, nicht oder nur derart spärlich beleuchtet war, dass nicht zu erkennen war, wie alt oder wie groß die Einbrecher waren. In der weiteren Beurteilung des Falles (und mögliche Gerichtsverfahren) wird das Alter vielleicht eine Rolle spielen (gegen einen 75-jährigen z.B. könnten sich die PolizistInnen wohl auch ohne Waffen wehren).
      Die Argumentation, “Selbst schuld, dass er erschossen wurde, immerhin hätte er zu der Zeit gar nicht mehr unterwegs sein dürfen” ist natürlich kompletter Schwachsinn.

    8.  
      28. August 2009 | 13:58

      @Max: Allerdings, das hoffe ich auch. Und ja, es ist, wie du angemerkt hast ein wenig naiv, aber meinungsgefärbten Schlussfolgerungen zu folgen, wäre es ebenso.

      @Dan: Ich bezweifle eher, dass “der 14-Jährige” nur als Platzhalter dient und glaube, dass es mehr auf Betroffenheit zielt. Ich habe mir dazu die ausländische Berichterstattung angesehen und die ist aufgrund der geringeren Relevanz dort doch etwas komprimierter. Da merkt man den Fokus deutlicher: SCHLAGZEILE: Polizei, 14-jähriger; NACHRICHT: Polizei, 14-jähriger, 16-jähriger, Minderjährige

    9.  
      10. September 2009 | 15:48

      hi max,

      prinzpiell guter gedankengang aber ich behaupte das mit 1 schlag zu widerlegen und klarzustellen:

      Wenn jemand wo einbricht, muss er damit rechnen auf Widerstand zu stoßen, vulgo Polizei und konsekutiv Einsatz von Waffen jeglicher Art.

    10.  
      max
      10. September 2009 | 16:16

      @lukas dem widerspreche ich ja nicht, siehe artikel!

    11.  
      10. September 2009 | 16:18

      aber du schreibst hier

      “Hier wird versucht eine Argumentationslinie zu bauen die im Endeffekt auf: “Wer als Minderjährige(r) um zwei in der Früh unterwegs ist muss damit rechnen das er/sie erschossen wirdâ€? hinausläuft, um damit die Schüsse der Polizisten zu rechtfertigen.”

      aber genauso sehe ich es. die von dir verurteilte argumentationslinie, mit dem zusatz “… in der Früh unterwegs ist und wo einbricht…”

      oder steh ich gerade auf der leitung?

    12.  
      max
      10. September 2009 | 16:27

      @lukas sorry das ich es so sage, aber ich glaube du stehst auf der leitung :)
      ich meine das es egal ist welches alter der junge hat, in dem moment war er ein einbrecher.

      ob das erschiessen rechtens ist oder nicht ist eine andere frage. hier wird aber gerade versucht mit dem alter eine rechtfertigungslinie zu schaffen die nicht funktionieren kann/darf. das jemand mit widerstand rechnen muss wenn er/sie wo einbricht ist klar.

      es geht eben darum die umstände der schüsse aufzuklären und da ist das alter egal.

    13.  
      10. September 2009 | 16:28

      sorry, also alles bestens..

      wir verstehen uns also eh ;)

    14.  
      max
      10. September 2009 | 16:31

      genau! :)

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