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Monatsarchiv für November 2009

#unibrennt auf Twitter, eine Analyse

Internet, Computer undPolitik, Freitag 27 November 2009 09:00

Seit 23. Oktober sammle ich alle Tweets auf Twitter mit den Hashtags “#unibrennt”, “#unsereuni” und “#audimax”.

Gerald Bäck und ich haben diese Tweets analyisiert. Gerald errechnete z.B. die “absolute Reichweite der Tweets”, während ich mich mit zeitlichen Abläufen beschäftigte.

Zuerst mal die Rohdaten: Im Zeitraum von 23. Oktober bis einschließlich 21. November 2009 wurden 66.379 Tweets von 6.780 UserInnen abgesetzt.

So sieht der zeitliche Verlauf der Tweets aus:

Tweets pro StundeTweets summiert

Aus diesen Tweets kann man natürlich eine TagCloud machen  (Hashtags und Stream-Url entfernt):

TagCloud der Tweets

Man erkennt, dass Twitter klarerweise als Organisationstool, aber auch als “die Message an die Frau / den Mann bringen”-Tool verwendet wurde.

In diesen 66.379 Tweets wurden 1.808  Fotos, die auf Twitpic geladen wurden, getwittert. Nach Abzug der Retweets bleiben 1.043 Bilder übrig, von denen 1.011 noch auf Twitpic verfügbar sind. Diese Fotos wurden insgesamt 125.612 Mal abgerufen.

Hier ein Video aller auf Twitpic noch verfügbaren Fotos mit der Anzeige der Gesamtviews:

Wem dies zu schnell war, kann hier eine Auswahl von 300 Twitpic Bilder als Animoto-Slideshow sehen:

Als Detail find ich es sehr spannend zu sehen wie Hörsäle in Europa aussehen :)

Die Studentenproteste gingen ja von der Akademie der bildenden Künste in Wien aus. Im Verlauf der letzten Wochen kamen wurden immer mehr besetzte Hörsäle und immer mehr Unis in ganz Europa dazu.

Ich wollte unbedingt diese räumliche Ausbreitung visualisieren. Mit Geralds Hilfe konnte ich bei 4.653 Twitter-UserInnen die Location (die beim jeweiligen Twitter-Account eingetragen ist) via Google einer Kartenposition zuordnen. Unter Verwendung einiger Perl-Skripte entstand so dieses Video (unbedingt in HD & Fullscreen anschauen!):

Leider erlaubt mir YouTube nicht, Mozart als musikalische Untermalung zu verwenden :(

Legende:

  • “Tweets” zeigt die Tweets/Stunde.
  • “User” zeigt wieviele unterschiedliche User pro Stunde einen Tweet abgesetzt haben.
  • “Retweets” sind die Tweets/Stunde in denen ein “@” vorkomm.
  • “URLs” sind die  Tweets/Stunde in denen eine URL (z.B. Bit.ly, Twitpic.com, etc.) vorkommt.
  • “Twitpic des Tages” ist das Twitpic-Foto an diesem Tag  mit den meisten Views.

Man sieht sehr schön wie sich einige Aktionen (Besetzung München) und vor allem der Aktionstag am 17. November auswirken. Auch sind Veranstaltungen in den besetzten Hörsälen und Fernsehsendungen zum Thema klar erkennbar.

Die meisten Tweets/Stunde (483) gab es übrigens zur “Am Punkt“-Sendung am 4. November, hier wird auch ersichtlich, dass erst danach die #unibrennt-Welle richtig nach Deutschland über schwappte.

Schlusssatz: In einer globalisierten Welt, in der es keinen Produktionsvorteil mehr gibt,  ist es für einen Staat wichtiger in Bildung, Wissen und Menschen  zu investieren als z.B. in den Bau des Koralmtunnels, der veranschlagte 5,1 Milliarden (also nach Österreichischer Rechnung im Endeffekt wohl über 10 Milliarden) Euro kosten wird.

Um so wichtiger ist es unsere uni zu unterstützen!

Meine Laudatio beim Wolfgang Lorenz Gedenkpreis für internetfreie Minuten

Internet, Computer undPolitik, Sonntag 15 November 2009 11:05

Gestern wurde im Figurentheater Lilarum mit einer fullminanten Show zum ersten Mal der “Wolfgang Lorenz Gedenkpreis für internetfreie Minuten” vergeben.

Ich hatte die Ehre mit den Wiener Grünen auch den “Sieger” des Abends nominieren zu dürfen und ziehe meinen Hut vor Christoph Chorherr, der den Preis vor Ort entgegen nahm.

Hier meine Nominierungsrede, mit den Powerpoint Overheadfolien eingebaut, alle Zitate findet man in den Reaktionen auf die Grünen Vorwahlen:

Morgen, Sonntag (Anm.: 15. November 2009), hätte ein historischer Tag werden können.

Es hätte der Tag sein können an dem die Wiener Grünen auf ihrer Landesversammlung erfolgreich einen Vorwahlkampf um die Plätze für die Gemeinderatswahlen nächstes Jahr abschließen und mit vielen neuen Unterstützerinnen, Unterstützern, Mitgliedern und mit viel Aufmerksamkeit im Internet und in der Presse gestärkt in den kommenden Wahlkampf in Wien gehen.

So habe ich mir das vorgestellt als ich Anfang April von der Idee der Grünen Vorwahlen hörte. Eine Idee, die von den Grünen selber stammt:

Reformvorschlag: Grüne Vorwahlen.

Damals dachte ich, dass die Aufnahme als Unterstützerin und Unterstützer der Wiener Grünen ein reiner Formalakt sei. Mir persönlich war der Gedanke völlig fremd das eine Partei auch nur auf die Idee kommen könnte, Personen, die helfen, hundertausenden von Menschen in Österreich zu zeigen, dass diese Partei wirklich ihre Basis ernst nimmt, abzulehnen. Auch viele Wiener Grüne signalisierten Freude an der Idee von Vorwahlen:

Diese Initiative ist aber auch eine große Chance für die Demokratie als Ganzes.

Die Initiatoren Jana Herwig, Helge Fahrnberger, Martin Schimak und Michael Schuster, sowie das mit der Zeit um Nicky Bäck, Susanne Zöhrer, Gerald Bäck und mich erweiterte Team dachten immer, das größte Problem wird sein, für den langen Zeitraum bis Mitte Juli genügend Öffentlichkeit zu haben um vielleicht so um die 200 Unterschriften zu sammeln.
Doch plötzlich passierte etwas, womit wir alle nicht gerechnet hatten:

Dieser Passus war nie dafür, wofür er jetzt verwendet wird, gedacht gewesen.

Hat sich die Initiative Vorwahlen im schwierigsten Bereich der Grünen Innenpolitik eingemischt: die Mandatsvergabe.

Wißt ihr, dass aktive Unterstützung der Grünen erstmal nötig ist, um überhaupt UnterstützerIn werden zu können?

Plötzlich zeigte sich, dass die sogenannte „Internetpartei“ ganz und gar nicht das lebt, was sie predigt und Großteils keine Ahnung vom Kommunizieren im Internet hat:

 Wenn ich den Christoph richtig verstanden habe, dann arbeitet ihr mit so kleinen automatischen Benachrichtigungen, die sich melden wenn irgendwer zu einem bestimmten Thema etwas hinterlassen hat. Das finde ich richtig gut. Aber ich und der Großteil von uns arbeitet nicht so.

Jetzt müßte ich technisch wohl in der Lage sein das Wort „Marsch“ als Link zu benutzen. Vielleicht geht es aber auch, wenn ich sage, dass es etwas dazu auf der Website der Wiener Grünen gibt.

Da brachen Gräben auf! Plötzlich bekamen die Wiener Grünen Angst! Da wurden einige 10.000 Visits auf einer Webseite mit dem Verteilen von Flyern „aufgewogen“:

Jedes Medium erreicht Menschen, sogar unsere Flyer, wenn sie zum richtigen Zeitpunkt verteilt werden.

Der Landesvorstand war nicht mehr imstande eine so einfache Entscheidung, wie die Annahme eines Unterstützungsantrages, wo die Antragstellerin, der Antragsteller unterschreiben, dass sie aktiv mitarbeiten wollen, zu treffen:

Man kann und darf es natürlich für einen großen Fehler halten Leute abzulehnen, genauso wie man das Gegenteil für einen Fehler halten darf, überhaupt darauf einzugehen.

Dass ihr uns nur so wahrnehmt ist total unser Problem, was ich vollkommen ernst meine.

Begreife ich mich als Teil der Grünen oder bin ich eigentlich nur WählerIn und sehe ich mich nicht als Teil der Grünen.

Die Reaktionenseite auf „gruenevorwahlen.at“ wurde immer größer, immer mehr Menschen verstanden die Welt nicht mehr, was passiert da in „ihrer“ Partei? Die Presse interessierte sich mehr und mehr für die Initiative, wobei wir nie auch nur einen Euro für Medienarbeit ausgegeben haben. Hierzu ein kleiner Vergleich: Der Beitrag im ORF-Report hatte fast 100.000 Zuschauer mehr als das Sommergespräch mit Maria Vassilakou.

Plötzlich wurde öffentlich gefragt, wann Anträge angenommen werden und niemand konnte glauben, dass die Wiener Grünen Personen ablehnen werden. Erklärungsnotstand machte sich breit, jede Regung der Partei wurde im Internet heftig diskutiert:

Ich gehe davon aus, dass weitestgehend alle oder fast alle aufgenommen werden.

Ablehnung und Annahmen werden sich einigermaßen die Waage halten.

Wir haben von den hunderten Anträgen, die großteils über das Internet eingetrudelt sind, drei Viertel positiv bearbeitet.

Am Schluss wurden gerade einmal 52% der 445 Anträge angenommen, Lukas Wurz sollte Wahrsager werden.

Auch Verschwörungstheorien wurden öffentlich zum besten gegeben:

Es gibt eine Hidden Agenda.

Aber auch wunderbare Kommentare zur politischen Ausrichtung der Wiener Grünen gab es:

Weil ihnen der Arsch auf Grundeis geht intern, weil wir momentan in Wien eher so was sind wie linke Grüne.

Unter den „noch nicht“ oder „leider nein“ Unterstützern, aber auch unter den angenommenen machte sich Frust breit, der sich heftig im Internet widerspiegelte. Aber zu diesem Zeitpunkt hat sich die Kommunikation des Landesvorstands schon längst auf Durchhalte- bzw. Kampfparolen reduziert, die entsprechend kommentiert wurden:

„Der Vorstand könne anhand der eingereichten Unterlagen erkennen, wie sich die VorwählerInnen entwickeln werden“ Ist er der liebe Gott?

Auch wurde in den ausgeschickten Ablehnungsschreiben die eigene Partei „verleugnet“:

Die Grünen gibt es nicht.

Oder Ihre Ziele „definiert“:

Es ist ein wichtiger Zwang für eine Partei mehr Wählerinnenstimmen zu bekommen, aber kein notwendiger.

Die unprofessionelle Kommunikation des Landesvorstandes und anderer Teile der Wiener Grünen ließ kein Fettnäpfchen aus, als Beispiel sei nur die eilig einberufene Pressekonferenz genannt, wo man bekannt gab, Aufnahmekriterien zu haben, diese aber den anwesenden Journalisten leider nicht mitteilen konnte. Transparenz ist alles!

Fazit: Alles in allem bleibt ein viermonatiges Kommunikationsdisaster der Wiener Grünen übrig und so kam es wie es kommen mußte: viele, die mitarbeiten wollten, haben sich von der Partei abgewandt und sind zutiefst enttäuscht.

Das wird auch in Zukunft noch Auswirkungen haben. Man darf gespannt sein, wie oft die „Grünen Vorwahlen“ nächstes Jahr im Wiener Wahlkampf ein Thema sein werden.

Auch hat die Partei gezeigt, dass sie keine Ahnung im Umgang mit dem Internet hat und auch jetzt – nach acht Monaten – eigentlich nichts dazugelernt hat. Siehe etwa die Website „ichkandidiere.at“.
Zum Schluss das wunderbare Fazit des Landesgeschäftsführers der Wiener Grünen über die Grünen Vorwahlen:

Der Vorstand hat, obwohl von vielen Seiten auf ihn eingehackt, gezogen und gedrückt wurde, den Überblick behalten und einen Weg entschieden, der niemanden wirklich zufrieden stellt.

Besser hätte ich es nicht ausdrücken können.

Und so nominiere ich die Wiener Grünen für den Wolfgang Lorenz Gedenkpreis für internetfreie Minuten.

EDIT: Christoph Chorherr hat auf der Landesversammlung den Preis an den Landesgeschäftsführer Robert Korbei übergeben übergeben:

Christoph Chorherr übergibt den Preis an Robert Korbei

EDIT2: Heute, am Tag der Landesversammlung, wird “ichkandidiere.at” gut eingesetzt um die Wahlergebnisse zu präsentieren, wobei die nummerischen Ergebnisse noch schön wären.

Vortrag “Brennpunkt eTourism”

Web2.0, Dienstag 10 November 2009 08:11

Gestern fand in Garmisch-Partenkirchen der diesjähre “Brennpunkt eTourism“, eine Veranstaltung der FH Salzburg gemeinsam mit dem Tourismusverband München Oberbayern, statt.

Gerade für den Tourismus wird ja Social Media immer wichtiger, wohl deswegen waren auch über 400 VertreterInnen von Hotels, Regionen, Ländern, Tourismuswebseiten, usw. hauptsächlich aus Deutschland, aber auch aus Österreich, angereist.

Ich hatte die Ehre einen Vortrag über “Web 2.0: Tendenzen erkennen und analysieren” halten zu dürfen, hier die entsprechenden Folien dazu, am besten in Fullscreen (auf den “More”-Button klicken) anschauen:

Webseiten, in “Order of Appearance”:

War ein sehr spannender Tag mit vielen interessanten und sehr guten Vorträgen!
Bin gespannt was sich hier in den nächsten Jahren tun wird.