Allgemein undKonsumenten, Mittwoch 12 Mai 2010 16:57
Auf meinem Briefkasten und an meiner Haustür pickt schon seit Jahren der “Bitte keine umadressierte Werbung”-Kleber. Bis auf ein paar Pizzazusteller und das Wien-Magazin halten sich Post & Co auch daran. Bis gestern.
Gestern fand ich in meinem Briefkasten folgenden “Brief” der Post:
Adressiert an den “Werbeverzichter” in meiner Straße und meiner Hausnummer, nur die Türnummer fehlt:
Ist das jetzt der Weg um den Aufkleber zu umgehen, auch wenn man nicht die genaue Adresse hat? Anscheinend ja, aber richtig schlimm wird es wenn man den Brief aufmacht:
Schön, dass ich bestimmen darf was in meinen Briefkasten darf, ich dachte diese Entscheidung habe ich schon vor Jahren durchs aufkleben des oben erwähnten Aufklebers getroffen, aber anscheinend hab ich da was missverstanden.
So, die Post will also das ich auswähle von welchen Firmen bzw. Branchen ich Werbung haben will. Praktisch, dass die Post mir gleich eine Auswahl an Firmen gibt:
Was wohl diese Firmen für diese “Exklusivität” bezahlt haben, damit sie offiziell ihr Logo den Menschen präsentieren können, an die sie sonst, siehe Aufkleber oben, nicht ran kommen? Schön auch das Kleingedruckte!
Aber die Post bietet mir noch mehr, ich kann neben den Firmen auch Branchen auswählen, warum meine Adresse nur einmal verkaufen wenn es auch 100x geht!
Besonders lachen musste ich über die Zeile: “Bitte beachten Sie, dass kein Anspruch auf den Erhalt von Flugblättern besteht.”
Den Gipfel der Unverschämtheit schießt aber die Rückseite der “Antwortkarte” ab (Ich habe wieder das vor-ausgefüllte aus Datenschutzgründen unkenntlich gemacht):
Da steht im kleingedrucktem: “Ich erteile meine ausdrückliche Einwilligung zur Verwendung meiner oben angeführten Daten für Marketingzwecke Dritter durch die zur Ausübung des Gewerbes der Adressverlage und Direktmarketingunternehmen berechtigten Gewerbetreibenden.”
Auf gut Deutsch: “Scheissegal, was sie auf der Vorderseite für Unternehmen und Branchen auswählen, wir verkaufen ihre Adresse eh an alle.”
Darf ich Fragen was passiert wenn ich auf diesen tollen “Brief” nicht reagiere? Hält sich die Post dann weiterhin an den Aufkleber? Und: was macht die Post eigentlich wenn ich ankreuze “Nein, ich bin mit einer solchen Datenverwendung nicht einverstanden.”, eigentlich ein Widerspruch zur Vorderseite, oder?
Ich fordere die Post auf, in Zukunft diese Art der Werbung zu unterlassen und mich nicht mehr damit zu belästigen, ich finde dieser “Brief” ist eine Frechheit!
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Ich habe diesen Brief mit großer Genugtuung entsorgt. Es freut mich, dass die gesetzlichen Grundlagen mittlerweile wirksam genug sind, um die massenhafte Verteilung von Werbung zu beschränken.
(Vor ein paar Monaten hat die Post noch recht plump versucht, Leute zum Empfang von Werbung zu überreden: Man konnte eine Kaffeemaschine gewinnen, wenn man der Post gestattete, den “Bitte keine Werbung”-Kleber zu entfernen.)
@Dan das freut mich auch, an den Kaffeemaschinen-Brief kann ich mich nicht erinnern.
Sowas Ähnliches hat die deutsche Post im November gebracht – “An alle, die noch gezielter informiert werden wollen” (so die Anschrift; aber ich hab auch keinen “Keine-Werbung”-Aufkleber), “Ab sofort können Sie mitbestimmen, worüber Sie besonders informiert werden wollen”, hieß es. Und das ganze mit einem “Siegel” mit dem Text „Von Ihnen gewünscht – von uns geliefert“. Zum Ankreuzen waren aber nur Branchen und keine Marken.
Was natürlich nicht bedeutet, dass die sonstige Werbeflut zurückgehen würde… aber wer unbedingt noch mehr (von sich preisgeben) will, den hat das sicher gefreut. Und die zugehörige Website gibt’s sogar noch – anders als ein Jahr zuvor zu so einem seltsamen USB-Werbekartenleserchen…
[...] This post was mentioned on Twitter by Susanne Zoehrer. Susanne Zoehrer said: Eine Frechheit! RT @Karli Neuer Blogbeitrag: Die Post, die Werbung und mein Briefkasten http://kar.ly/aRmdYN [...]
So zerrissen habe ich schon lange keine Post mehr!
Was? Die Post hält sich an “Bitte keine Werbung” Aufkleber? Das wäre mir neu… bei uns wandert täglich ein halbes Kilo Papier direkt in den Müll.
Extrem geniale Idee der Post… NOT!
Möcht garnicht wissen, wie sehr dieser Service postintern bejubelt wurde.
Muss Rücksendegebühr entrichtet werden?
danke für das posting, mich hat das directmail auch ziemlich verärgert.
Wenn Herr Kossatz den Brief ignoriert wird er zur Strafe am 1.6.2010
in die Strickwarenfabrik Nitra eingeladen.
Zu einer Verkaufsfahrt.
Das kommt als Extra-Flugblatt per namentlichen Brief
@Wolfgang da bin ich aber schon gespannt!
Gut, dass Du das aufgegriffen hast. Grundsätzlich ist gegen so ein Angebot nichts zu sagen, solange es zB in Postfilialen beworben wird. Aber direkt alle “Werbeverzichter” anzuschreiben ist absolut unfassbar… die Zusteller, die sich bei allen anderen Firmen an die Aufkleber halten müssen, werden von ihrem eigenen Arbeitgeber dazu genötigt, Eigenwerbung ganz gezielt nur in die Briefkästen der “Werbeverzichter” einzuwerfen…
dieser Brief ist ja echt unglaublich…
Grundsätzlich finde ich die Idee eines Junkmail-Filters für den Briefkasten genial! Aber natürlich nicht so wie von der Post hier praktiziert.
Ich fange mit den meisten Prospekten auch nichts an, aber ein paar sind dann doch immer dabei, die ich ganz gerne durchblättere (z.B. das von Hofer, trotz Newsletter).
So ein Brief-Filter müsste selbst mitlernen und vom Zusteller verwaltet werden ohne irgendwelche Daten weiterzugeben. Wäre auch für die werbenden Unternehmen effizienter.
ich hab meinen auch gleich weggeworfen. Die Nicht-Werbe-Verweigerer wurden übrigens mit vorfrankierten Postkarten “belohnt” …
@Digitreo ja, sehe ich ähnlich, nur wirds das wohl nie spielen, deswegen am besten gar keine werbung
@Georg aha, wusste ich nicht, wie viele postkarten? eine? zwei? oder sogar fünf?
Der Post geht das Geschäftsmodell langsam aber sicher verloren. Das Geschäft mit der Verwertung von Adressdaten wird ja von einigen Unternehmen betrieben, ist aber stark rückläufig. Auf den Mailingtagen in Nürnberg, einer Messe für Direktmarketing Maßnahmen waren 2007 noch kaum e-mail Versender anwesend. 2009 haben die e-mail Marketer die Masse in der Haupthalle gestellt.
Lettershops dürften aber trotzdem noch überleben.
Jeder Datensatz hat nur dann einen Wert, wenn es die Zustimmung zum Empfang von Botschaften gibt. Wir können hier den verzweifelten Versuch eines Unternehmens das seines Monopols beraubt wurde, bei den Abtrünnigen eine Permission einzuholen.
Aus der Sicht der Post ist es zumindest eine Aktion, die nicht viel kostet aber trotzdem etwas abwirft. Die Beschwerden werden sich in Grenzen halten.
(Erinnert mich ein wenig an die GIS-Werbemaßnahmen: Hallo! hier spricht dein Briefkasten)
@max Ich hab zwei bekommen. “Mit besten Grüßen” von meinem Postzusteller.
weiss eigentlich der konsumentenschutz davon? wie wird die ältere generation darauf reagieren? denn einen brief in solch einer aufmachung, direkt adressiert und so “verständlich”, ist nur schwer nicht ernstzunehmen. auch ich entdeckte erst beim zweiten genauen hinschauen, was da los ist!!!!
@veronika konsumentenschutz ist eine gute idee, ich denke da hat sicher schon jemand nachgefragt, werd mal am montag nachfragen.
Unglaubliche Aktion… die Reklametreibenden lassen sich wirklich immer wieder was Neues einfallen, um den Bürger mit ihrem Kram zu quälen.
[...] Konsum – der österreichiche Wissen belastet-Blog macht in „Die Post, die Werbung und mein Briefkasten“ auf eine neue Aktion der öst. Post aufmerksam, die wirklich dreist ist. Und zwar erhalten alle [...]
Ich musste lachen als ich deinen Beitrag gelesen habe. Weil es mir auch auf die Nerven gehen würde und weil ich nur darauf gewartet hatte bis sich endlich jemand zu Wort meldet und diese “Schweinerei” aufdeckt.
1. Diese Wien.at Zeitung, die du oben erwähnt hast, ist keine Werbung sondern eine amtliche Mitteilung. Schau mal genauer aufs Deckblatt, da muss das irgendwo drauf stehen.
2. Auf diesen gelben Kuverts steht ja eine Adresse drauf, zwar ohne Name oder Türnummer, dafür Strasse und Hausnummer.
Und auf den Aufklebern die man überall kaufen bzw. bei der WKO anfordern kann steht, “Keine unadressierte Werbung”. Tja, so rettet sich die Post irgendwie und darf trotzdem zustellen. Verkauft sogar die Daten an Firmen, die dann wiederum Werbung ausschicken auf der auch so eine unvollständige Adresse wie “An einen Haushalt, Mustermannstrase 12, 1010 Wien”. Post verkauft sogar die Daten “Wieviele Abgabestellen wollen an welchen Adressen keine Werbung” an intereessierte Firmen weiter.