Internet, Computer undWeb2.0, Dienstag 18 Mai 2010 16:50
Ach, wie gut kann ich mich noch daran erinnern, vor rund 15 Jahren saßen wir (Christine, Herwig, Christoph, Roland und ich) zusammen und diskutierten über Micropayment. Damals dachten wir noch, dass in Zukunft die (damals noch böse) Firma Microsoft jedes Mal fünf Groschen für einmal ausdrucken in Word verlangen wird.
Anfang der 2000er versuchte dann mein damaliger Arbeitgeber einen Online-Shop für Musik zu machen, scheiterte aber unter anderem an den hohen Gebühren der Kreditkartenunternehmen (Grundgebühr pro Transaktion plus Prozente).
Da ist in den letzten Jahren, dank iTunes & Co eine “stille” Revolution passiert. Amazons AWS hat kein Problem, mir im Monat einen Cent von meiner Kreditkarte abzubuchen, genauso wenig wie Cent-Beträge für Apps etwas alltägliches sind.
Insofern ist es endlich möglich, auch außerhalb von “Closed Garden” wie z.B. iTunes, Micropayment auch für Inhalte jeglicher Art anzubieten, z.B. Blogbeiträge wie dieser, Zeitungen, Videos, Musik, Flashgames, etc.
Seit kurzem gibt es dazu mindestens zwei Anbieter: Flattr und Kachingle.
Beide verwenden ein ähnliches Modell: Als KonsumentIn kann ich bestimmen wie viel Geld ich im Monat verteilen will (bei Flattr kann man zwischen €2, €5, €10 oder €20 pro Monat auswählen, bei Kachingle sind es derzeit Fix $5 pro Monat, wobei beide Services von einer Servicegebühr leben). Die Verteilung des Geldes wird recht gut in diesem Video von Flattr erklärt:
Kachingle funktioniert ähnlich, der Unterschied ist, dass ich nur einmal eine Seite “Kachinglen” muss, ab dann wird automatisch mitgezählt wie oft ich diese Seite besuche und mein monatlicher Betrag wird anteilsmäßig auf alle Seiten die ich “Kachingled” habe und in diesem Monat besucht habe aufgeteilt. Cynthia Typaldos, Gründerin von Kachingle, erklärt (gemeinsam mit ihrem Hund) in diesem Video sehr rührend die Entstehungsgeschichte:
Beide Dienste lassen sich natürlich sehr leicht (z.B. als Plugin) in bestehende Seiten einbauen, beide arbeiten sicherlich an Facebook-Applikationen und besserer Web2.0-Integration.
Ich finde diese Ansätze sehr interessant, wobei bei Flattr man wohl bewusster seinen “Kuchen” verteilt, Kachingle dafür vielleicht etwas “ehrlicher” bei der Verteilung ist (nicht jeder gibt zu, dass er z.B. die Kronenzeitung liest
).
Meiner Meinung nach ist dies erst ein Anfang, hier gibt es noch viele Möglichkeiten, dazu ein paar Ideen:
- Jeder Retweet auf Twitter wird gezählt.
- Jeder Klick auf eine z.B. Bit.ly-Url wird der Person zugerechnet die die URL erstellt hat.
- Das abspielen eines YouTube-Videos wird gezählt.
- Flickr-Images anschauen wird gezählt.
- usw.
Hier gibt es sicherlich noch unendlich viele Ideen. Ganz großes Potential hat auch der Facebook iLike-Button. Man stelle sich vor Facebook steigt in dieses Geschäft ein!
Gespannt bin ich auch auf die Skalierbarkeit, wenn mehr Seiten den Button haben aber auch mehr Personen Geld zum verteilen haben. Die Frage ist auch ob schnell genug der “Tipping Point” erreicht wird (etwas, dass für Facebook einfacher wäre).
Ich finde solche Ansätze weitaus interessanter als z.B. eine Kulturflatrate. Nicht falsch verstehen, ich will sehr wohl, das ContentcreatorInnen bezahlt werden, aber eine Flatrate ist technisch ein massiver Aufwand und die Verteilung sowie Verwaltung weltweit überhaupt nicht geklärt. Diese Micropayment-Dienste sind da weitaus einfacher und nachvollziehbarer.
Außerdem: Ein bewusstes “bezahlen” durch Klick auf einen Button hinterlässt ein besseres Gefühl als eine Flatrate, die in einem “schwarzen Loch” verschwindet.
Ich habe einmal beide Dienste auf meinem Blog eingebaut und bin neugierig wie sich diese Services weiterentwickeln.
RSS Feed





[...] This post was mentioned on Twitter by Max Kossatz, geraldreischl. geraldreischl said: RT @Karli: Neuer Blogbeitrag: "Social Micropayment", ein Zukunftsmodell? http://kar.ly/94DpSm [...]
Guter Beitrag. Dem ist nicht viel hinzuzufügen! Außer vielleicht, dass ich gerne auch schon im RSS-Feed, in dem ich den Artikel gelesen habe, dein Kachingler geworden wäre oder den Flattr-Button geklickt hätte. Das fehlt noch…
Die Idee mit dem “Gefällt-mir”-Button von Facebook hatte ich auch schon:
http://twitter.com/davidroethler/status/12722931402
Crowdfunding ist mittlerweile auch schon vom Medien-Mainstream entdeckt worden.
http://diepresse.com/home/kultur/medien/565333/index.do?_vl_backlink=/home/kultur/index.do
auch lesenswert und ganz aktuell
http://www.spiegelfechter.com/wordpress/2673/flattr
ebenso:
http://www.vorwaerts.de/artikel/vorwaertsde-mit-kachingle-micropayment-tool
http://medialdigital.de/2010/05/11/eine-neue-soziale-bewegung-interview-mit-kachingle-grunder-cynthia-typaldos/
das ganze ist etwas, dass jedem schon im kopf herumschwirrte weil es so offensichtlich ist, aber niemand hat es gemacht, mal sehen ob es jetzt was wird.
PS: danke für die links!
Ich finde beide Dienste einen tollen Ansatz und ich werde mir demnächst sicher einen flattr Account anlegen bzw. einzahlen.
Es gibt immer wieder Artikel für welche ich unendlich dankbar bin, da sie mir Recherchearbeit ersparen und Informationen bzw. Ressourcen komprimiert darstellen.
Es wäre auch sehr interessant wenn Social News Sites wie digg / yigg usw. auf diesem Modell aufbauen.
[...] Blogbeitrag von Max Kossatz [...]
[...] on his blog Wissen belastet that he’s been thinking on micropayments for 15 years now and is excited to see services such as Kachingle finally making a useful start on executing them. He also got Cynthia excited by being the first [...]
[...] Carta führt immer noch das deutsche und das weltweite Ranking an. In den Top20 sind einige deutschsprachige Blogs dazugekommen: die Online-Ausgabe der SPD-Zeitung Vorwärts, der lokale Würzblog und fünf Medien- und Internet-Blogs: Neunetz, Leander Wattig, Ikosom und Blog Age und Wissen belastet. [...]
[...] Infos zu den beiden Tools: Eine gute Zusammenfassung findet man auf Wissen belastet unter dem Titel “Social Micropaymentâ€?, ein Zukunftsmodell?. Auf CARTA findet man ein Interview mit mit Kachingle-Gründerin Cynthia Typaldos unter der [...]
Ich hoffe sehr, dass sich die beiden Anbieter durchsetzen. Ich finde diese Ansätze sehr gut und werde mir wohl auch selbst Accounts zulegen.
[...] party hearing in the European Parliament, where we met Peter. And where ichmachpolitik.at and Max interviewed Peter, of [...]