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Monatsarchiv für Juli 2010

Möbelkauf in Österreich, ein Hindernislauf

Konsumenten undKunst, Design, Dienstag 27 Juli 2010 15:37

Möbelkauf in Österreich ist einfach, denkt man: Ikea, Leiner, XXLutz, etc. besuchen, Möbel mitnehmen und aufbauen.

Ja, aber abseits des “Mainstreams” wird es schwieriger.

Die kleinen Designerläden haben meistens auch nur Kataloge, wenig vor Ort (Lagerkosten, besonders schlimm beim Lampenkauf) und meistens steht im Internet mehr über ein Produkt  als die VerkäuferInnen wissen.  Schade eigentlich!

All das musste ich wieder schmerzhaft erfahren, als mein “Fernsehwagerl” kurz vor dem Zusammenbrechen war. Ich suchte verzweifelt nach einem Ersatz und fand diesen im “Audio-Scooter” des wirklich tollen und sehr empfehlenswerten “System 180“:

In Online-Shops wie z.B. hier wird das Möbel um 239 Euro inkl. Ust. & Versand innerhalb Deutschlands angeboten. Auch im Shop in Berlin kostet das Teil 239 Euro inkl. Ust. Leider liefern beide nicht nach Wien, da es für Österreich ja einen Vertriebspartner gibt.

Dieser Vertriebspartner in Österreich ist cento-design. Also bin ich frohen Mutes dorthin und habe mich erkundigt was der “Audio Scooter” in Österreich bei Abholung im Geschäft bzw. Lieferung (jeweils bei Selbstmontage) kostet. Brav habe ich meine Visitenkarte hinterlassen, da man, siehe erster Absatz, das “erst nachfragen müsse”.

3-4 Wochen vergingen, ich bekam natürlich keine Antwort.

Also wieder in das Geschäft, man konnte sich an mich erinnern(!), hat sich entschuldigt, mir noch eine Visitenkarte abgenommen und mir wieder gesagt, dass sich am nächsten Tag jemand melden wird.

Wieder vergehen ein paar Tage, nichts bekommen. Also angerufen und es wurde mir versichert, dass ich am nächsten Tag das entsprechende Angebot erhalte.

Und wirklich, am nächsten Tag bekam ich eine Email mit einem Angebot. Im Vorfeld hatte ich mir schon überlegt, um welchen Preis dieses Möbel mir wohl angeboten wird? 250 Euro? (1% mehr Ust. in Österreich) 300 Euro? 350 Euro? Mehr nicht, oder?

Nun, es kam völlig anders:

Da war ich dann baff!

In Berlin kostet das Möbel 239 Euro, in Wien zahle ich dafür 540 Euro inkl. Ust.!

Wenn ich es mir liefern lasse: 684 Euro!!! Das sind um 445 Euro mehr!

Wenn ich in München wohne und es mir liefern lasse zahle ich 239 Euro, wenn ich ein paar Kilometer weiter in Österreich wohne und es mir liefern lasse 684 Euro!

Ok, zusammengebaut, obwohl ich das gar nicht wollte und der Aufbau max. 25-30 Minuten dauert!

Also habe ich das Angebot des Österreichischen Vertriebes an die Deutsche Zentrale geschickt mit der Bitte um Aufklärung wie so ein Preisunterschied zustande kommt.

Ich bekam als Antwort keine Erklärung zur Preisgestaltung, sondern nur den Hinweis, dass das Möbel ja montiert geliefert wird!

Aber wenigstens machte man mir ein Angebot, das Möbel unmontiert zum Preis von 298,50 Euro inkl. Ust. & Versand an meine Adresse zu schicken.  Das habe ich dann auch getan und somit knapp 400 Euro gespart!

Fazit: Wieder ein Wirtschaftsbereich, in dem KundInnen sich emanzipieren und Zwischenhändler (in diesem Fall die “Möbelhändler” die nur mittels Katalog verkaufen und sonst keine Leistung bieten) durch das Internet hoffentlich bald ihr “Geschäftsmodell” (einfach den Preis verdoppeln) verlieren!

Open Design: Ich biege mir einen Sessel!

Kunst, Design, Freitag 9 Juli 2010 15:21

Letzte Woche hatte traf ich bei einer Veranstaltung der Creativwirtschaft Ronen Kadushin, ein in Berlin lebender Designer, der sich mit Open Design beschäftigt.

Open Design bedeutet, dass seine Werke unter einer Creative Commons Lizenz stehen und jeder z. B. die “Schnittmuster” herunterladen kann und das jeweilige “Ding” selbst herstellen kann (er/sie darf es natürlich nicht verkaufen).

Mir gefiel sofort Ronens “Hack chair prototype“, ein aus 6mm dickem Aluminium gebogener Sessel (Den Namen hat der Sessel übrigens, da Ronen eine Hacker-Konferenz besucht hat).

Am nächsten Tag mailte ich gleich mal fünf verschiedene Firmen an, ob sie, auf Basis des DXF-Files (Autocad) mir mit einem Lasercutter so einen Sessel zum biegen herstellen können. Bezeichnend für die Österreichischen KMUs: Nur eine Firma antwortete.

Ich beauftrage die Produktion und heute durfte ich das geschnittene, ungefaltete Produkt in Empfang nehmen:

Alu ist schon ein nettes Material :)

Jetzt ging es ans Biegen, dankenswerterweise hat Johannes das ganze auf Video aufgenommen:

Somit habe ich jetzt einen sehr coolen “Hack chair prototype” (mit Kratzern :) ), der noch dazu recht bequem ist:

Die Kosten für Material und Lasercut lagen bei rund 320 Euro, da ein Einzelstück. Wer sich ebenfalls so etwas biegen möchte, den berate ich gerne!

PS: Unbedingt auch die anderen Objekte von Ronen Kadushin anschauen!

Demokratie darf und muss Geld kosten

Politik, Mittwoch 7 Juli 2010 08:19

In Zeiten der Wirtschaftskrise (noch?) und des Sparbudget macht sich eine neue “Methode” breit, um demokratiepolitische Entscheidungen zu begründen, hier zwei aktuelle Beispiele:

1. Anfechtung Burgenland-Wahl

Sowohl die FPÖ als auch die LBL lehnten die Anfechtung und damit eine Neuwahl wegen der Punktlandung bei der Burgenland-Wahl (hätte das LBL eine Stimme weniger wäre sie aus dem Landtag geflogen und die FPÖ hätte das Mandat bekommen, so ein Zufall!) mit der Argumentation ab, dass die Kosten dafür zu hoch wären bzw. man so was den Bürgern nicht zumuten wolle.

2. Verspätetes Budget

Ja, das verspätete Vorlegen eine Budgets ist ein Verfassungsbruch für den schon einmal eine Regierung zurückgetreten ist. Und ja, ich finde es richtig und wichtig, dass die Opposition dagegen protestiert und dazu z.B. Sondersitzungen einberuft, das sind eben die Mittel, die dafür eingesetzt werden sollen. Und hier kommt wieder das gleiche Argument wie bei der Burgenland-Wahl: Karheinz Kopf, Klubobmann der ÖVP,  im Standard:

Zu guter Letzt parierte Kopf die drohenden Sondersitzungen mit der Frage, was wohl die Bevölkerung davon halte. Immerhin müssten 183 Abgeordnete mehrmals nach Wien anreisen. Und das sei mit hohen Kosten verbunden.

Bei beiden Beispielen stellen sich mir die Haare auf!

Gerade bei komplizierten Entscheidungen oder Wahlen darf und MUSS Demokratie Geld kosten. Geld darf hier nie als Argument für demokratische Entscheidungsprozesse dienen. Wie weit soll so eine Argumentationskette noch gehen? “Wir brauchen keine Nationalratswahl da diese Geld kostet”?

Politik kostet Geld und das ist auch gut so! Und: Mehr als die Abfertigungen z.B. bei der ÖBB kann so eine Burgenland-Wahl auch nicht kosten, von den 500 Millionen für den Verbund will ich gar nicht reden.

Wenn das Vertrauen in die Politik so gering ist wie derzeit ist es wichtig alle demokratischen Mittel einzusetzen, sie zu erklären und ihre Abläufe zu dokumentieren, damit für die WählerInnen Entscheidungen nachvollziehbar sind.

Die Kosten als Begründung für die Nichtbenutzung demokratischer Mittel zu verwenden ist undemokratisch!