Allgemein, Freitag 21 November 2008 13:38
In den USA schreiben die Print-Tageszeitungen (vor allem viele Lokalzeitungen) im Gegensatz zu z. B. Deutschland große Verluste, da sie von Online-Aktivitäten wie Blogs und Nachrichtenseiten überrannt worden sind (der Wahlkampf hat das beschleunigt). Eine Prozess der sich in Europa viel langsamer abspielt und dadurch den Print-Medien mehr Zeit gibt sich an die neuen Begebenheiten anzupassen.
In der letzten Businessweek war dazu ein interessanter Artikel von Jon Fine. Er kommt zu dem Schluss das es, um die für die Demokratie in den USA sehr wichtigen Zeitungen zu retten, zwei Szenarien gibt.
Und hier wird es wirklich interessant, den beide Szenarien sind keine Standardvorschläge:
Debt Relief/Subsidization
Der erste Vorschlag ist das der Staat die Schulden aller Tageszeitungen in den USA übernimmt und dafür Anteile an den Zeitungen bekommt. Also ein Verstaatlichung der Print-Medien. Diese Lösung würde den USA rund $45 Milliarden kosten und ist eine Idee an die man vor zwei Jahren in Amerika nicht einmal denken durfte. Wirklich interessant wie sich da jetzt die Meinung ändert.
Viel spannender finde ich aber den zweiten Vorschlag:
Industry Digitization
Damit meint FIne das der Staat jedem US-Haushalt ein oder zwei Amazon’s Kindle schenkt (oder ein ähnliches Produkt) bzw. staatlich gestützt verkauft und alle Tageszeitungen werden auf digitale Distribution umgestellt. Diese ersparen sich somit die sehr hohen Druckkosten und können ihre Schulden abbauen. Die Kosten für die USA wären rund $55 Milliarden, aber es würde die Wirtschaft ankurbeln und den Buch- und Printmarkt revolutionieren! Bei der Summe sind auch Entwicklungskosten für neue “digital news products” mit eingerechnet, außerdem erwähnt Fine das diese Distribution natürlich weitaus Umweltfreundlicher ist als normaler Druck.
Das muss man sich einfach mal vorstellen, innerhalb kürzester Zeit hätte jeder in den USA ein Device auf dem er sich alle Zeitungen kaufen und lesen kann, ohne zum Zeitungshändler gehen zu müssen! Mit einem Schlag würde ein ganz neuer Markt entstehen. Erinnert mich irgendwie an die Minitel-Idee in Frankreich in den 80ern.
Nicht das ich das jetzt für Österreich fordere (warum eigentlich nicht?
), aber solche neuen Ideen will ich mal in Österreich hören!
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