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Archiv für die Kategorie 'Politik'

OpenDataDay: Interview mit Andreas Schildbach, Entwickler der Android “Öffi”-App

Internet, Computer undPolitik, Mittwoch 24 November 2010 14:36

Am 4. Dezember ist der International Open Data Hackathon Day!

Dazu findet auch in Wien ein Hackathon statt, zu dem natürlich Jede(r) herzlichst eingeladen ist! Ziel ist es, mit den bereits direkt oder indirekt vorhandenen, öffentlich zugänglichen Daten (Wetterdaten, Verkehrsinformationen, Budgetkürzungen, etc.) vor Ort Applikationen zu entwickeln.

Ein tolles Beispiel für so eine Applikation ist die Öffi-App für Android von Andreas Schildbach. Er schafft es europaweit an Daten zu gelangen, die sonst oft nur in den “closed garden” der jeweiligen Nahverkehrsunternehmen vorhanden sind, hier ein paar Screenshots davon:

Solche Apps sind wichtig, um zu zeigen was man mit diesen Daten noch alles anstellen könnte, wenn sie offiziell frei verfügbar wären!

Ich habe via Email mit Andreas Schildbach ein Interview geführt, in dem er erklärt wie seine App funktioniert und was die Zukunft bringen kann:

Kannst Du dich bitte kurz vorstellen?

Ich habe als 7-jähriger meine Berufung gefunden: Coden, coden, coden… Zuerst einen programmierbaren Taschenrechner, den mein Vater der Arbeit entliehen hat. Später ZX81, C64, Amiga (jeweils Assembler). Dann habe ich eine längere Programmierpause eingelegt, da ich mich nie richtig mit C und dessen Derivaten anfreunden konnte. Erst mit Java und der Gewißheit, endlich “meine” Hochsprache gefunden zu haben, griff ich dann auf dem PC wieder voll in die Tasten. Projekte hatte ich viele, neben Öffi ist vielleicht noch 3moves.net erwähnenswert, einer Platform für klassische Strategiespiele (Schach, Dame, u.s.w.).

Wie kamst du auf die Idee zur “Öffi”-App?

Ich war lange Zeit neidisch auf “FahrInfo Berlin” (von Jonas Witt), von dem ich allerdings mangels iPhone in meinem Bekanntenkreis nur einen Screenshot kannte.

Wie viele Städte werden mittlerweile mit der “Öffi”-App abgedeckt?

Theoretisch alle in Deutschland, Österreich, Schweiz und Belgien sowie die wichtigsten Haltestellen im Rest Europas und den angrenzenden Ländern. So richtig überprüfen kann ich das jedoch nicht, dazu sind es mit knapp einer Millionen zu viele. Regionale Verkehrsnetze sind derzeit 27 abgedeckt.

Wie funktioniert “Öffi”?

Öffi ist eigentlich nur ein spezialisierter Web-Browser. Man gibt Anfragen ein, im Hintergrund reicht Öffi diese Anfragen an die Auskunftsdienste der Verkehrsunternehmen weiter. Die Ergebnisse werden freilich etwas übersichtlicher als auf den Webseiten der Verkehrsunternehmen dargestellt.

Willst du auch sagen wie viele Downloads die App bis jetzt hat?

Um die 100.000.

War die OpenData-Thematik für dich bei der Entwicklung von ‘”Öffi” wichtig oder ging es dir eher um den Nutzen?

Der Hauptgrund für die Entwicklung von Öffi war, daß ich schon lange endlich mal ne mobile Applikation entwickeln wollte. Mein erstes Android-Smartphone hatte ich mir im November 2009 gekauft, und nach 2 Monaten rein konsumierender Nutzung hatte ich genug – ich war entschlossen, loszulegen. Was liegt näher, als eine App zu entwickeln, die (fast) jeder braucht? An OpenData hatte ich weniger gedacht, auch wenn dieser Ideologie sehr zugeneigt bin. Aber die Idee ist, möglichst viele Leute vom Auto weg in “die Öffis” bringen.

Wie bist Du zu deinen ersten Daten gekommen? Bist du immer den “offiziellen” Weg gegangen?

Was ist denn der offzielle Weg?

Der offizielle Weg wäre die Unternehmen anzusprechen und zu fragen, ob sie z.B. eine API haben um an die Daten zu gelangen. In Wien haben .z.B. die Wienerlinien einer Firma die Exclusivrechte für die Nutzung der Echtzeitdaten verkauft. Bist du jemals diesen Weg gegangen?

Ja.

Ist es mittlerweile für Dich einfacher, an die Daten zu gelangen? ist die Kooperationsbereitschaft gestiegen?

Ich bin inzwischen schneller darin, ein neues Verkehrsnetz abzudecken. Weitere Kooperationen haben sich nicht ergeben.

Hast Du schon Probleme gehabt (z.B. Server-IP gesperrt,  Abmahnung, etc.)?

Keine ernsthaften Probleme. Manchmal ändern sich unangekündigt Datenformate, was dann schon mal zu einem stressigen Feierabend führen kann. Ein nicht funktionierendes Verkehrsnetz betrifft schnell eine fünfstellige Anzahl von Usern, von denen nicht wenige nach eigenen Angaben von Öffi abhängig geworden sind :-)

Welche Städte sind aus deiner Sicht am offensten? Wo ist es unmöglich, Daten zu bekommen? Wie reagieren die Verantwortlichen wenn Du sie nach einem Zugang zu den Daten fragst?

Am offensten sind die Städte, die Ihre Daten direkt unter eine offene Lizenz stellen. Ich glaube, Vorreiter sind hier London und San Francisco. Dann gibt es Verkehrsnetze, die nur nach Unterzeichnung einer Nutzungsvereinbarung einzelne Apps unterstützen, z.B. Linz und Berlin-Brandenburg. Super offen ist das nicht, aber immerhin besser als nichts.

Auf der anderen Seite reagieren viele Unternehmen gar nicht auf Anfragen. Es gibt einige Verkehrsnetze, die unter Hinweis auf eine kommende Eigenentwicklung keine Unterstützung geben. Ein paar dieser Apps sind inzwischen erschienen; bei der technischen Umsetzung gruselt’s mich mitunter…

Recht offen gehen glücklicherweise fast alle Verkehrsunternehmen mit der Einbindung ihrer schematischen Netzpläne um. Die einzige Bedingung, die üblicherweise gestellt wird, ist, dass der Plan immer aktuell gehalten wird.

Wie kommst du an die Österreichischen (Wiener Linien, ÖBB) Daten?

Siehe oben, über die ÖBB-Auskunft.

Schauen sich die jeweiligen Verkehrsbetriebe deine App an? Wenn ja, wie reagieren sie darauf?

Die offiziellen Ansprechpartner haben noch nie einen Kommentar zu Öffi abgegeben, ich habe aber auch nicht groß gefragt. Ich bekomme aber viele positive Kommentare von ÖPVN-Mitarbeitern, die Öffi privat bzw. inoffziell im Einsatz haben.

Wie wichtig siehst Du, in Bezug auf OpenData, solche Applikationen?

Ist nicht OpenData etwas anderes? Will man bei OpenData nicht, dass die Nutzer nicht nur konsumieren, sondern auch erzeugen? Öffi ist im Moment nur ein verlängerter Arm der Verkehrsunternehmen, mehr nicht.

Im ersten Schritt ist es auch OpenData, dass solche, von den BürgerInnen bezahlte Daten frei für jeden zur Verfügung gestellt werden, insofern ist das definitv OpenData :-)

Wichtig für OpenData fände ich eine App, die beispielsweise anhand von Bewegungsprofilen neue Haltestellen “findet” oder Verspätungen erkennt. Würde man all diese Daten mashen, könnte man ganz neue Anwedungen bauen.

Was wird die Zukunft hier bringen? Wie wichtig ist OpenData? Was wird sich verändern?

Ehrlich gesagt, ich habe keine Ahnung. Ich kümmere mich lieber um das, was jetzt ist. OpenData finde ich wichtig für die Gesellschaft, und ohnehin unvermeidbar. Schon vor dem Internet haben sich über kurz oder lang alle Informationen verbreitet, die verbreitenswert waren. Durch die Vernetzung geht es halt noch schneller.

Vielen Dank für das Interview!

Andreas ist übrigens auch Mitentwickler von Blinkendroid, wer das noch nicht kennt dem sei dieses Video empfohlen:

ich hoffe wir sehen uns am 4. Dezember beim Hackathon!

Wienwahl: Live Politikpodcast am 10.10.10 um 16:30

Politik, Samstag 9 Oktober 2010 13:45

Am Sonntag, den 10.10.10 ist Wienwahl. Nach dem Spass, den wir beim Livepodcast zur Steiermarkwahl hatten, gehen wir diesmal noch einen Schritt weiter und machen einen Live Politikpodcast mit Publikum, hier und in Farbe zu sehen am 10.10.10 ab 16:30 hier in der Aufzeichnung zu sehen:

Diesmal sitzen wir (Nattl, Susanne, Gerald, Martin und ich, übrigens zum ersten Mal alle gemeinsam in einem Raum!) im Sektor5-Café (siehe Foto rechts) und schauen, zusammen mit jedem der vorbeikommen will, die Wahlberichterstattung auf ORF2, ATV, Puls4 und wo auch immer darüber berichtet wird (Twitterwall vorhanden!) und geben unsere Kommentare dazu ab.

Deswegen: hinkommen!

Natürlich gibt es dort genug zum Trinken um Niederlagen zu verdauen oder Siege zu feiern.

Wer es nicht schafft, hinzukommen, kann auch via Skype mitreden, einfach den User “politikpodcast” anrufen und man ist Live auf Sendung!

Auch auf Twitter werden wir alles verfolgen, wer Fragen, Kommentare, Kritikpunkte oder was auch immer uns sagen will, einfach den Hashtag #ppcast verwenden!

Hier die Adresse, wir sind ab 16:00 vor Ort, um 16:30 startet der Livestream:

Sektor5
Siebenbrunnengasse 44
A-1050 Wien


Größere Kartenansicht

Bin schon sehr gespannt und freue mich drauf!

ORF-Sommergespräche 2010

Politik, Dienstag 7 September 2010 08:01

Das einzige, dass mir zu den Sommergesprächen 2010 im ORF sofort einfiel, ist dieser Ausschnitt (Dritte Szene, Seite 119) aus Thomas Bernhards “Heldenplatz” aus dem Jahr 1988(!). Beeindruckend, wie aktuell dieses Stück immer noch ist!

Frau Liebig
Mit dem einzelnen wird heute gemacht was der Staat will

Professor Liebig
Das war immer so

Professor Robert
Dem einzelnen ist vom Staat immer auf den Kopf gemacht worden

Professor Liebig
Eine schlimme Zeit

Professor Robert
Dem Denkenden kann in der Frühe nur übel werden

Professor Liebieg
Es herrschen überall chaotische Zustände
Die Lüge beherrscht alles
und das Unvermögen

Herr Landauer
Wahrscheinlich wird die Regierung im Herbst umgebildet

Professor Liebig
Darum geht es ja nicht
das ist ja vollkommen gleichgültig was das für eine Regierung ist
es ist ja eine wie die andere
es sind ja immer dieselben Leute
es sind ja immer dieselben Geschäfte
die diese Leute machen
es sind ja immer dieselben Interessen
das sind ja immer diese ganz und gar verkommenen Leute
die mit jedem Tag den Staat mehr zugrunde richten

Professor Robert
Allein die Sprache dieser Leute
ist so widerwärtig
hören Sie sich doch den Bundeskanzler an
der kann ja nicht einmal einen Satz korrekt zu Ende führen
und die anderen auch nicht
aus allen diesen Leuten kommt immer nur Unrat heraus
was sie denken ist Unrat
und wie sie es aussprechen ist auch Unrat

Demokratie darf und muss Geld kosten

Politik, Mittwoch 7 Juli 2010 08:19

In Zeiten der Wirtschaftskrise (noch?) und des Sparbudget macht sich eine neue “Methode” breit, um demokratiepolitische Entscheidungen zu begründen, hier zwei aktuelle Beispiele:

1. Anfechtung Burgenland-Wahl

Sowohl die FPÖ als auch die LBL lehnten die Anfechtung und damit eine Neuwahl wegen der Punktlandung bei der Burgenland-Wahl (hätte das LBL eine Stimme weniger wäre sie aus dem Landtag geflogen und die FPÖ hätte das Mandat bekommen, so ein Zufall!) mit der Argumentation ab, dass die Kosten dafür zu hoch wären bzw. man so was den Bürgern nicht zumuten wolle.

2. Verspätetes Budget

Ja, das verspätete Vorlegen eine Budgets ist ein Verfassungsbruch für den schon einmal eine Regierung zurückgetreten ist. Und ja, ich finde es richtig und wichtig, dass die Opposition dagegen protestiert und dazu z.B. Sondersitzungen einberuft, das sind eben die Mittel, die dafür eingesetzt werden sollen. Und hier kommt wieder das gleiche Argument wie bei der Burgenland-Wahl: Karheinz Kopf, Klubobmann der ÖVP,  im Standard:

Zu guter Letzt parierte Kopf die drohenden Sondersitzungen mit der Frage, was wohl die Bevölkerung davon halte. Immerhin müssten 183 Abgeordnete mehrmals nach Wien anreisen. Und das sei mit hohen Kosten verbunden.

Bei beiden Beispielen stellen sich mir die Haare auf!

Gerade bei komplizierten Entscheidungen oder Wahlen darf und MUSS Demokratie Geld kosten. Geld darf hier nie als Argument für demokratische Entscheidungsprozesse dienen. Wie weit soll so eine Argumentationskette noch gehen? “Wir brauchen keine Nationalratswahl da diese Geld kostet”?

Politik kostet Geld und das ist auch gut so! Und: Mehr als die Abfertigungen z.B. bei der ÖBB kann so eine Burgenland-Wahl auch nicht kosten, von den 500 Millionen für den Verbund will ich gar nicht reden.

Wenn das Vertrauen in die Politik so gering ist wie derzeit ist es wichtig alle demokratischen Mittel einzusetzen, sie zu erklären und ihre Abläufe zu dokumentieren, damit für die WählerInnen Entscheidungen nachvollziehbar sind.

Die Kosten als Begründung für die Nichtbenutzung demokratischer Mittel zu verwenden ist undemokratisch!

OpenData Anwendungen

Internet, Computer undPolitik, Dienstag 1 Juni 2010 08:20

Ich bin der Meinung, dass OpenData (d.h. Copyright-freie, in maschinenlesbarer Form, Veröffentlichung von nicht personenbezogenen Daten eines Staates/einer Stadt/etc., deren Erfassung durch öffentliche Gelder finanziert wird, am besten erklärt in diesem Vortrag) in Zukunft sehr wichtig werden wird. Dadurch kann den Menschen eines Landes wieder sichtbar gemacht werden, wofür ihre Steuergelder verwendet werden und OpenData, bzw. die damit gemachten Anwendungen und Visualisierungen helfen somit der Legitimierung eines Staates/einer Stadt/der Politik. Dann ist Steuerzahlen nicht mehr zum “Geld in das Schwarze Loch werfen”, sondern nachvollziehbar.

Auch muss zuerst ein Staat bzw. dessen Verwaltung Transparent werden bevor man verlangen kann das die BürgerInnen ihre Daten offenlegen (wenn überhaupt). Ich mag zwar die Metapher “Staat=Firma” nicht, aber jede(r) AktionärIn hat mehr Rechte auf Einblick in die Gebaren eines Unternehmen als BürgerInnen in einen Staat.

Um zu zeigen, was OpenData International schon kann, habe ich am Barcamp Vienna, am 29. & 30. Mai in Wien bei Microsoft, einen Vortrag über bereits bestehende Anwendungen gemacht, hier die Prezi dazu, die Links auf den einzelnen Seiten sind anklickbar (am besten in Fullscreen anschauen, dazu auf “More” klicken):

Mir ist es wichtig zu zeigen, dass OpenData eben nicht nur “Datenwüsten” besteht, sondern durchaus in vielen Lebensbereichen hilfreich sein kann, die Wirtschaft ankurbelt und in Zukunft sicherlich unsere Welt verändern wird.

In Österreich steckt OpenData leider erst in den Kinderschuhen, aber es bilden sich schon Initiativen wie Open Government Austria und Open3.

Ausländer raus – Schlingensiefs Container

Kunst, Design undPolitik, Donnerstag 25 März 2010 13:45

Letzte Woche hatte ich die Gelegenheit, im Anschluss an die TransAct-Buchpräsentation (Lesenswert, war ein wichtiges und sehr tolles Projekt!) wieder die Dokumentation “Ausländer raus – Schlingensiefs Container” von Paul Poet aus dem Jahr 2002 zu sehen.

Der Film dokumentiert eindrucksvoll die Aktion von Christoph SchlingensiefBitte liebt Österreich” im Rahmen der Wiener Festwochen aus dem Jahr 2000, wenige Wochen nach Angelobung der Blau/Schwarzen Regierung.

Obwohl das ganze schon ein Jahrzehnt alt ist muss man feststellen, dass die die Dokumentation (leider?) immer noch sehr aktuell ist. Beängstigend ist auch, wie die Argumente von damals heutzutage als “normal” angesehen werden.

Interessant auch: Damals hat die Donnerstagsdemo ja das “Ausländer raus”-Schild heruntergerissen und wollte die Container stürmen, was Schlingensief (zu recht!) erschütterte, da dadurch die Demonstranten (ohne das es ihnen aufgefallen ist!) eigentlich die Forderungen der FPÖ, die ja gegen diese Aktion war, erfüllten.

Man findet zu dem Film nur sehr wenig im Internet, ich habe mir erlaubt den Trailer, den ich auf Skip.at gefunden habe, auf YouTube zu stellen:

Der Film erschien 2006 in der “Der Österreichische Film” Edition des Standards auf DVD.

Unbedingt anschauen, ist absolut Sehenswert!

PS: Ja, ich war damals auch bei den Containern und ja, ich war auch oft bei der Donnerstagsdemo.

#unibrennt mit Internet: Beobachtungen zu einer sich ändernden Protestqualität

Internet, Computer undPolitik, Donnerstag 18 März 2010 09:10

Jana Herwig (auf deren Blog dieser Artikel auch heute erscheint), Viola Mark und ich haben gemeinsam diesen Artikel geschrieben der in dem lesenswertem Buch “Uni brennt.  Grundsätzliches – Kritisches – Atmosphärisches”, das heute Abend präsentiert wird, erscheint (Inhaltsverzeichnis, kaufen bei Amazon).

#unibrennt mit Internet: Beobachtungen zu einer sich ändernden Protestqualität

Das Spektrum webgestützter Kommunikationsmöglichkeiten hat sich in den letzten Jahren in Richtung dynamischer Inhalte und User_innen-Partizipation weiter ausdifferenziert: Neben Email, Suchmaschinen und Webseiten bietet das sogenannte Web 2.0 nun Blogs, Wikis, soziale Netzwerkseiten, Microblogs und Media Sharing für Foto, Audio, Video und Dokumente. Der Internetzugang selbst ist mobil geworden. Was bedeutet das für Proteste in und mit diesen Medien? Was sind die strukturellen Unterschiede zu früheren Bewegungen und wie konkret lässt sich der Anteil einer Plattform wie Twitter beobachten? Und werden eine Protestbewegung und die teilnehmenden Individuen dadurch eher gestärkt oder in ihrer Präsenz vielleicht sogar geschwächt?

Ermächtigung im Web 2.0

Mit Nicola Döring (2003) wird im Folgenden von der These ausgegangen, dass das Internet das Potential der Entfaltung für unterprivilegierte Personen und Gruppen verbessert hat. Bemerkenswert in diesem Zusammenhang ist das Konzept des Empowerments (engl. für Ermächtigung), das der Psychologe Julian Rappaport (1984) als Entwicklung beschreibt, an dessen Ende sich eine Person oder eine Gemeinschaft ermächtigt fühlt, ihr Leben und dessen Umstände selbst gestalten und bestimmen zu können. Dies kann Unterschiedliches bedeuten, wichtig ist jedoch das Empfinden von Selbstwirksamkeit – das Gefühl, aus sich selbst heraus Einfluss auf die Umgebung zu haben – und interne Kontrollüberzeugung (Hinterberger 2008: 13). Versteht man die aktuellen Universitätsproteste als Prozess des Empowerments so stand an dessen Beginn die Bedrohung der erwarteten oder gewohnten Lebens- und Studienumgebung, was bei vielen zu Ohnmacht und Hilflosigkeit führte. Wohl dürften viele Hochschüler_innen diese – etwa durch Knock-Out-Prüfungen, stärkere Curricularisierung und weniger Wahlfreiheit durch „Bologna“ oder mangelnde Berufsperspektiven – schon weit früher wahrgenommen haben, doch bedurfte es Zeit, geeignete Maßnahmen und Ausdrucksformen für ihren Unmut zu finden und sich zu formieren. Aktivierung, Engagement und die Entwicklung von Strategien zum (Wieder-)Erlangen von Kontrolle können besonders gut in der Interaktion mit anderen und durch die Unterstützung einer Gruppe mit ähnlichen Interessen entstehen. Die Ausweitung des Protestgeschehens ist demnach auch den verschiedenen Vernetzungsmöglichkeiten des Webs zu verdanken, das Zusammenfinden von Personen und Gruppen mit gleichen Interessen geschieht hier ungleich schneller und einfacher. Gleichgesinnte konnten nach der Besetzung des Audimax schneller erreicht und mobilisiert werden, sich der Besetzung anzuschließen. Die Organisation von Arbeitsgruppen geschah u.a. im Internet, ebenso konnte jede/r vom Computer aus erfahren, wie das Tagesprogramm aussah und was in den Plena beschlossen wurde. „Dabeisein“ war einfach.

Die Rolle der Technik – nobelpreisverdächtig?

Bei allen Möglichkeiten, die im Web geschaffen und genutzt wurden: Die Uni-Proteste sind ebenso wenig ausschließlich oder ursächlich eine ‚Facebook-Revolteʼ wie die Proteste nach den Wahlen 2009 im Iran eine ‚Twitter-Revolutionʼ waren. Die Weltvermittlungsweisen eines Mediums treten umso weniger sichtbar zutage, je umfassender es bereits in Kommunikations- und Wahrnehmungsprozesse eingebunden ist. Über den Anteil des Telefons am staatlichen Verwaltungsapparat spricht niemand – die Rolle des Neuen jedoch, wie das Social Web ist, wird häufig überschätzt. So wollte ein Ex-Sicherheitsberater der vorvorletzten US-Regierung in der Microblogging-Plattform selbst den Garant für sozialen Wandel sehen, als er erklärte – vielfach von der Presse kolportiert – Twitter solle den Friedensnobelpreis bekommen. Unterschlagen wird dabei sowohl die Relevanz der Menschen, die die Plattform nutzen, als auch derjenigen, die keinen Zugang zu Internet oder Social Media haben oder diesen nicht haben wollen. Einen solchen Fokus auf die Rolle von Web 2.0 und Social Media fand sich auch in der Berichterstattung zu den Uniprotesten. Der Unterschied: Hier diente er eher der Diskreditierung der Protestierenden als dem Lob der Technik, etwa wenn Michael Fleischhacker seinen Leitartikel in Die Presse am 24.10. wie folgt eröffnete:

„Studentenrevolten sind auch nicht mehr das, was sie einmal waren, werden sich die alten Kameraden denken, die in den 60er-Jahren die Welt im Allgemeinen und die Universitäten im Besonderen verbessern wollten. Die Mischung aus Flashmob-Party und Voodoo-Ideologie im Audimax der Uni Wien, die man als Internetnutzer in Echtzeit verfolgen konnte, hinterlässt einen ambivalenten Eindruck.“

Nach wie vor gilt: Wer protestiert, wird am idealisierten Maßstab der 1968er gemessen, oft mit der Absicht Gegensätze herauszustreichen. So wird dann Mausklick gegen Straßenkampf, ‚Spaßbesetzungʼ gegen Gesellschaftskritik, hedonistische gegen politische Motivation in Stellung gebracht und letztlich keiner der Protestbewegungen Recht getan. Viele solcher Missverständnisse lassen sich dabei aus der jeweiligen Gestaltung des Innen und Außen erklären. Charakteristisch für die Ikonographie der 1968er sind etwa plakative Einzelaktionen und provokante Inszenierungen geworden – von den Happenings des Wiener Aktionismus über die Fotografien der nackten Kommune 1 bis zu Sit-ins im Rahmen einer Demonstration. Im Fall der jüngsten Uni-Proteste hat sich jedoch das Innere nach außen gestülpt: teils bewusst im Namen der Transparenz (z.B. Einrichtung und Aufrechterhaltung des Live-Webstreams aus dem Audimax), teils als Nebeneffekt der unter Studierenden relativ weit verbreiteten Nutzung von Plattformen wie Facebook, StudiVZ und Twitter. Die Folge: Das Material, anhand dessen heute Schlüsse über Besetzung und Besetzer_innen getroffen werden können, ist nicht nur deutlich breiter, es dringt auch weiter in die Trivialität des Alltags jenseits der Inszenierung ein. Es ist schließlich wenig wahrscheinlich, dass im Audimax das Feiern nach dem Tagesprotest erfunden wurde – nur konnte dem Entspannungsbier der 1968er nur beiwohnen, wer selbst vor Ort war, virtuelle Teilhabe ausgeschlossen. Heutige Journalist_innen hingegen – auch oder vielleicht gerade diejenigen, die Flashmob-Voodoo vermuten – müssen sich notwendigerweise nicht mehr an den Ort einer Besetzung begeben: Dank Lifecasting, d.h. dem kontinuierlichen Übertragen der Ereignisse im (All-)Tagsverlauf, konnten sie Debatten verfolgen, Bilder über Flickr und Twitter recherchieren und selbst Interviewpartner_innen requirieren.

Webaktivismus: Konkurrenz oder Vernetzung?

Intern wurde in diesem Zusammenhang vielfach die Frage diskutiert, ob das Virtuelle den Protesten womöglich das Wasser abgräbt. Wenn ohnehin auf unsereuni.at ohne zeitliche Distanz alles miterlebt werden kann, bleiben solidarische Menschen dann zuhause und kommen nicht ins Audimax? Wird das Protestpotential so durch das Internet geschwächt? Solidarisieren sich die Protestierenden nur auf Facebook und verabsäumen es deshalb, ihren Unmut in der Öffentlichkeit auszudrücken? Laut Hamm, die eine eher interaktive Beziehung diagnostiziert, erwies sich am Beispiel der britischen NoBorders-Bewegung:

„…die Vorstellung, Medienpraxis würde Straßenprotest ersetzen, sowohl in ihrer technikpessimistischen wie in ihrer technikeuphorischen Version als unzutreffend. Stattdessen hat sich mittlerweile eine Praxis entwickelt, in der Mediennutzung und mediale Selbst-Repräsentation zu integralen Teilen des lokal gebundenen Straßenprotests werden.“ (Hamm 2006: 78)

Zum einen machen Internet und Web einen bisher nicht gekannten Grad der Mobilisierung möglich. Deutlich mehr Personen können bei geringerem Aufwand über geplante Aktionen informiert werden als etwa über Mundpropaganda oder großflächiges Verteilen von Flugblättern. Zum anderen werden Aktionen ‚auf der Straßeʼ online vor- und nachbereitet, dokumentiert und diskutiert. Die leichte Zugänglichkeit von Information sowie die Mediatisierung des Protests über Web und Social Media begünstigte zugleich die Verbreitung über die affin geltenden Gruppen (Hochschüler_innenschaft, Fachschaftslisten, Studierendenvertretungen) hinaus. (Mobil-)telefone beschleunigen die person-to-person-Kommunikation – Mailinglisten erreichen viele und bilden in der Regel bereits ein gemeinsames Interesse ab. Durch Veröffentlichung im Web schließlich werden Inhalte auch Personen zugänglich, die man nicht bereits im Telefonbuch hat. Nicht nur strong, sondern auch weak ties – z.B. jene ‚Friendsʼ auf Facebook, die man kaum kennt oder selten trifft – werden auf sozialen Netzwerkseiten sichtbar. Statistiken des weiteren persönlichen Umfelds („5 of your friends became fans of Audimax Besetzung in der Uni Wien – Die Uni brennt!“) geben dem Slogan des Privaten, welches das Politische ist, eine neue Wendung jenseits parteipolitischer Rekrutierungsversuche. Was den Journalist_innen nützt, nützt auch anderen: Erste Anknüpfungspunkte an den Protest beginnen mit dem Lesen solcher Nachrichten, dem Verwenden von Twitter-Hashtags (s. u.), dem Beitreten zu Facebook-Gruppen, u.v.m. – eine Kaskade mediengestützter Interaktionen, die bei vielen früher oder später zum Weg in die besetzten Räume führten.

Wege zum Protest: Erreichbar sein

Die prinzipielle Entscheidung, bei einer Protestaktion mitzumachen folgt verschiedenen inter- und intrapersonellen Einflüssen. Stürmer und Simon (2009: 682) beschreiben in Anlehnung an Kladermann Faktoren, durch die das Internet eine Protestteilnahme begünstigt. Ein aktives Protestmitglied entsteht demnach in vier Schritten: Prinzipiell muss Sympathie für die Anliegen des Protests vorhanden sein, zweitens muss die Person von den mobilisierenden Aufforderungen erreicht werden, drittens muss Motivation entwickelt werden mitzumachen und viertens müssen mögliche Schwierigkeiten, die die Teilnahme behindern könnten, aus dem Weg geräumt werden. Gerade für die Punkte zwei und drei wirkte das Internet bei den Protesten 2009/10 vermutlich verstärkend. Die Motivation entwickelte sich für viele schnell durch die Möglichkeit der Online-Beteiligung an den Geschehnissen. Online- Beteiligung verringert die Kosten für eine Teilnahme, schafft schnell eine kollektive Identität und fördert die Entstehung einer Gemeinschaft (vgl. Garret 2006:5). Das Gefühl der Zugehörigkeit zu einer Gemeinschaft kann also auch durch das Mitverfolgen von Geschehnissen geschehen. Forendiskussionen, visuelles „Dabeisein“ durch Fotos und Videos können emotionale Bindung schaffen. Following bezeichnet eben diesen Vorgang, der soziale Beziehungen im virtuellen Raum entstehen lässt und mit gestaltet (Döring 2003: 486).

„Permanently Beta“ und kollektive Organisation in Real Time

Nicht nur die personelle Besetzung der jeweils im Audimax Anwesenden fluktuierte, auch die Inhalte veränderten und organisierten sich erst allmählich. So war am dritten Besetzungstag als Hauptdiskussionspunkt im Plenum um 12:30 vorgesehen: „Was wurde mit der Besetzung begonnen? Wie soll sie weiter gehen? Was wollen wir erreichen?“ Am Anfang stand damit das Unbehagen in der aktuellen Bildungspolitik, nicht das Protestprogramm – ein Umstand, der von außen, aber mitunter auch von innen bemängelt wurde. Aus der Sicht webgestützter Organisationsformen erscheint das Vorgehen jedoch sinnvoll: „Permanently Beta“ ist die Bezeichnung, die Gina Neff und David Stark für einen solchen „organizational state of flux“ prägten:

„The process of continual technological change necessitates a responsiveness to change through openness in organizational form, adaptability by employees, and, in the most positive form of permanently beta, broad participation in design.“ (2002: 5)

Eine Form von Gemeinschaftsorganisation nach dem Permanently Beta-Prinzip wäre entsprechend eine, die auf allen Ebenen auf die Akteur_innen reagiert, von diesen angepasst werden und weitmöglich mitgestaltet werden kann. Auf die Protestbewegung im Audimax traf dies zu: Die Diskussionsleitung im Plenum änderte sich täglich, ebenso die Ansprechpartner_innen für die Presse, um keine Hierarchien durch Gewohnheit aufkommen zu lassen. Auch der Einsatz von Webtools leistete seinen Beitrag: in Form der Verbreitung über Email, Web und Social Media, aber auch durch Dokumentation der Themen und Ergebnisse der Arbeitsgruppen und Plena im Unibrennt-Wiki. Wikis funktionieren nicht allein, weil Viele neue Inhalte beitragen, sondern weil Viele prüfen und schnell korrigieren können, wo sich Fehler eingeschlichen haben, und ergänzen, wo Information inkrementell verbessert werden kann. Auf einer utopischen Ebene betrachtet Pierre Lévy die Möglichkeiten technologiegestützter kollektiver Intelligenz:

„The group relies on political technologies of transcendence when it becomes too large for individuals to know one another by name or comprehend in real time what they are doing as a group.“ (1997: 52)

In verblüffender Weise wird dies etwa durch die Verwendung von Twitter-Hashtags möglich: Zum einen wird das soziale Netzwerk auf Twitter durch ein- oder wechselseitiges Abonnieren der Nachrichten anderer gestaltet. Zum anderen können mit Hilfe von Hashtags – d.h. von Kombination des Symbols # mit einer weiteren Zeichenfolge, z.B. #unibrennt oder #unsereuni – die aktuellen Nachrichten aller Twitter-Nutzer_innen thematisch gefiltert werden. So wird nicht nur kollektive Organisation um Themen und Anliegen möglich, ohne dass persönliche Bekanntschaft der Beitragenden die Voraussetzung wäre. Auch eine Grundlage für Ausdruck und Verständnis der Vielfalt der Positionen im Spektrum dieser Themen und Anliegen wird so geschaffen. Gewalt oder Ausnahmezustand könnten im Sinne Lévys in diesen Szenarien Vergangenheit sein:

„Able to reorganize itself in real time, minimizing delays, deadlines, and friction, the molecular group evolves at room temperature, without sudden change.“ (1997: 53)

#unibrennt und Twitter

Schon am ersten Tag der Uni-Proteste auf der Akademie der Bildenden Künste in Wien spielte das Internet und die so genannten Web 2.0 Seiten eine wichtige Rolle. Ohne diese Tools wäre zuviel Zeit vergangen, und möglicherweise hätte die ganze #unibrennt-Bewegung dann andere Formen angenommen. Gerade über Twitter konnten wichtige Informationsmultiplikator_innen (Blogger_innen, Journalist_innen, Studierende) und dadurch mit einfachen Mitteln
eine große Zahl an Personen erreicht werden, wie die folgende Auswertung zeigt:

Wie viel wurde getwittert?

Im Zeitraum von 23.10.2009 nachmittags bis 31.12.2009 Mitternacht wurden von 8.898 verschiedenen Twitter-Accounts insgesamt 95.743 Tweets (maximal 140 Zeichen lange Nachrichten, ähnlich einer SMS, die von vielen Personen gelesen wird) auf Twitter abgesetzt, die zumindest einen der Begriffe unibrennt oder unsereuni (meistens als Hashtag) enthielten. Trotz mehrmaliger Versuche dies zu ändern, setzt sich der anfänglich eingeführte Begriff unibrennt mit 74.144 Nennungen klar gegenüber unsereuni (47.911 Nennungen) durch, vor allem in Deutschland. Hier muss auch erwähnt werden, dass sehr oft beide Begriffe gemeinsam verwendet wurden:

Wer hat getwittert?

Interessant ist die Aufteilung der 95.743 Tweets auf die knapp 9.000 Accounts. 7.541 Twitter-Accounts (von 8.898, also 84,7%) haben weniger als 10mal im genannten Zeitraum über #unibrennt getwittert (insgesamt 18.760 Tweets, das sind 19,6% aller Tweets). Dem gegenüber stehen 155 Accounts (1,7% aller Accounts), die in diesem Zeitraum mindestens 100mal zum Thema #unibrennt getwittert haben (42.591 Tweets oder 44,5%). Hier beweist sich wieder einmal die 20/80 Faustregel, d.h. 20% der Accounts sind für 80% der Inhalte verantwortlich (ein üblicher Prozentsatz auf Web 2.0-Plattformen).
Wann wurde getwittert?
Im zeitlichen Verlauf der Tweets lassen sich wichtige Ereignisse der Bewegung klar herauslesen:

Hier wird klar, wie stark Twitter als Informationsverbreiter (was passiert gerade wo?) verwendet wurde. Auch zeigt sich deutlich, dass Massenmedien wie das Fernsehen, geschickt eingesetzt wie bei der ATV-Sendung aus dem Audimax, auch ihren Widerhall im Internet finden und sehr gut davon profitieren können. Klar erkennbar ist, dass nach der anfänglichen Euphorie das Interesse, gerade ab Anfang Dezember, sehr stark nachgelassen hat. Die Räumung des Audimax in Wien hat nicht annähernd so viel Aufmerksamkeit erregt wie am Anfang der Bewegung jeder einzelne Tag.

Von wo wurde getwittert?

Bezüglich der Orte, von denen getwittert wurde, zeigt sich im zeitlichen Verlauf eine Ausdehnung auf den gesamten deutschsprachigen Raum, ausgehend von Wien als Zündpunkt der Bewegung. Hierzu ein Still aus einer Animation, welche die räumliche Ausdehnung zeigt:

Dieser Zeitpunkt zeigt die maximale Ausdehnung. Nach dem Aktionstag (siehe Chronologie) wurde das Tweet-Aufkommen nicht sofort weniger, aber es konzentrierte sich wieder mehr auf die besetzten Universitäten.

Was wurde getwittert?

38.589 Tweets (40,3% aller Tweets) beinhalteten einen Link auf eine Webseite. Am häufigsten waren dies die Protest-Homepage, der Live-Stream oder Links zu Presseartikeln über die Uni-Besetzungen. Um einen visuellen Eindruck zu vermitteln, wurden örtliche Ereignisse auch oft über Twitpic.com, einen Dienst, bei dem jeder Bilder von Rechner oder Mobiltelefon hochladen und dann über Twitter verbreiten kann, einem Tweet mit angefügt: im oben genannten Zeitraum insgesamt 2.428 Fotos, die weit über 150.000 Mal abgerufen wurden. In der folgenden Grafik bildet sich der zeitliche Verlauf der Fotos auf Twitpic ab (Kriterium ist, wann das jeweilige Foto auf Twitter verbreitet wurde):

Über welche Inhalte getwittert wurde, zeigt die folgende Tagcloud aller Tweets im oben genannten Zeitraum, bereinigt um die Begriffe „unsereuni“, „unibrennt“ und „audimax“, da ansonsten die Skalierung die Lesbarkeit der anderen Wörter verhindern würde. Eine Tagcloud (engl. Tag = Etikett, Kategorie; dt. auch: Schlagwortwolke) zeigt die Größe eines Begriffs im Verhältnis zu dessen Häufigkeit an:

Eigentliche Forderungen (z.B. „Ausfinanzierung“ oder „Quotenregelung“) sind der Tagcloud nicht zu entnehmen – diese Verzettelung, die vielleicht stattgefunden hat, spiegelt sich auch in den Tweets auf Twitter sehr gut wieder. Zu berücksichtigen ist dabei, dass die Nachrichten von Protestierenden wie Beobachter_innen und Gegner_innen abgesetzt wurden. Hier zeigt sich die Schwierigkeit, ein Anliegen im Sinne einer konkreten Aufforderung über ein von heterogenen Gruppen genutztes Medium gezielt zu verbreiten. Auch das Zeichenlimit von Twitter spielt eine Rolle – möglicherweise gilt im Web 2.0 weiterhin die alte Regel aus der Werbung: ‚Nicht mehr als zwei Botschaften auf einem Plakatʼ. Während die Zeit der Besetzung, inkl. die Möglichkeiten der Vernetzung und der Sichtbarmachung des Wirkradiusʼ etwa durch solche Visualisierungen als Stabilisierung und Integration, als Empfinden von Aktivität und Selbstwirksamkeit gelesen werden kann, wurde durch die Räumung des Audimax dieses Gefühl stark angegriffen. Nach dem Empowermentkonzept findet sich die Person am Schluss des Prozesses jedoch in einem Zustand, in dem sie überzeugt ist, die Umgebung und ihr Leben nach ihren Phantasien gestalten zu können – allerdings im Bewusstsein, dass dies möglicherweise Zeit benötigen wird. Zum Zeitpunkt der Finalisierung dieses Dokuments – drei Monate nach Beginn der Besetzung – treffen noch immer 100 Twitternachrichten in der Stunde zum Thema ein. Heißenberger (in diesem Band) führte während und nach der Besetzung des Audimax qualitative Interviews mit Protestteilnehmer_innen. Danach gefragt, was sie aus den Protesten mitnehmen würden, sprachen alle von einem Gefühl, etwas verändern zu können. Sie könnten also als empowered bezeichnet werden, wozu nicht zuletzt das Internet und seine vielfältigen Anwendungen entscheidend beitrugen.

Bibliografie

Döring, N. (2003): Sozialpsychologie des Internet -­  Die Bedeutung des Internet für Kommunikationsprozesse, Identitäten, soziale Beziehungen und Gruppen. Göttingen, Hogrefe.

Fleischhacker, Michael (2009): Leitartikel: Logik statt Twitter. In: Die Presse, 24.10.2009.

Hamm M. (2006): Proteste im hybriden Kommunikationsraum. Zur Mediennutzung sozialer Bewegungen. Forschungsjournal Neue Soziale Bewegungen 19(2):77-­90.

Hinterberger, E. (2008). Psychologisches Empowerment im Zusammenhang mit gesundheitsbezogenen Inhalten im Internet. Eine Offline-‐Studie über das Potential des Internet in der Empowermententwicklung. Psychologie. Wien, Universität Wien: 171.

Lévy, Pierre (1997): Collective Intelligence. Mankind’s Emerging World in Cyberspace. Cambridge, MA: Perseus.

Neff, Gina/StarkDavid (2002): Permanently Beta: Responsive Organization in the Internet Era. In: ISERP Working Paper 02-‐05

Rappaport, J. (1984). Studies in Empowerment: Introduction to the Issue. In: Studies in empowerment: steps toward understanding and action. J. Rappaport and R. Hess. Binghamton, The Haworth Press.

Stürmer, S/Simon, B. (2009). “Pathways to Collective Protest: Calculation, Identification, or Emotion? A Critical Analysis of the role of Group-‐Based Anger in Social Movement Participation.” Journal of Social Issues 65(4): 681‐705.

#unibrennt auf Twitter, eine Analyse

Internet, Computer undPolitik, Freitag 27 November 2009 09:00

Seit 23. Oktober sammle ich alle Tweets auf Twitter mit den Hashtags “#unibrennt”, “#unsereuni” und “#audimax”.

Gerald Bäck und ich haben diese Tweets analyisiert. Gerald errechnete z.B. die “absolute Reichweite der Tweets”, während ich mich mit zeitlichen Abläufen beschäftigte.

Zuerst mal die Rohdaten: Im Zeitraum von 23. Oktober bis einschließlich 21. November 2009 wurden 66.379 Tweets von 6.780 UserInnen abgesetzt.

So sieht der zeitliche Verlauf der Tweets aus:

Tweets pro StundeTweets summiert

Aus diesen Tweets kann man natürlich eine TagCloud machen  (Hashtags und Stream-Url entfernt):

TagCloud der Tweets

Man erkennt, dass Twitter klarerweise als Organisationstool, aber auch als “die Message an die Frau / den Mann bringen”-Tool verwendet wurde.

In diesen 66.379 Tweets wurden 1.808  Fotos, die auf Twitpic geladen wurden, getwittert. Nach Abzug der Retweets bleiben 1.043 Bilder übrig, von denen 1.011 noch auf Twitpic verfügbar sind. Diese Fotos wurden insgesamt 125.612 Mal abgerufen.

Hier ein Video aller auf Twitpic noch verfügbaren Fotos mit der Anzeige der Gesamtviews:

Wem dies zu schnell war, kann hier eine Auswahl von 300 Twitpic Bilder als Animoto-Slideshow sehen:

Als Detail find ich es sehr spannend zu sehen wie Hörsäle in Europa aussehen :)

Die Studentenproteste gingen ja von der Akademie der bildenden Künste in Wien aus. Im Verlauf der letzten Wochen kamen wurden immer mehr besetzte Hörsäle und immer mehr Unis in ganz Europa dazu.

Ich wollte unbedingt diese räumliche Ausbreitung visualisieren. Mit Geralds Hilfe konnte ich bei 4.653 Twitter-UserInnen die Location (die beim jeweiligen Twitter-Account eingetragen ist) via Google einer Kartenposition zuordnen. Unter Verwendung einiger Perl-Skripte entstand so dieses Video (unbedingt in HD & Fullscreen anschauen!):

Leider erlaubt mir YouTube nicht, Mozart als musikalische Untermalung zu verwenden :(

Legende:

  • “Tweets” zeigt die Tweets/Stunde.
  • “User” zeigt wieviele unterschiedliche User pro Stunde einen Tweet abgesetzt haben.
  • “Retweets” sind die Tweets/Stunde in denen ein “@” vorkomm.
  • “URLs” sind die  Tweets/Stunde in denen eine URL (z.B. Bit.ly, Twitpic.com, etc.) vorkommt.
  • “Twitpic des Tages” ist das Twitpic-Foto an diesem Tag  mit den meisten Views.

Man sieht sehr schön wie sich einige Aktionen (Besetzung München) und vor allem der Aktionstag am 17. November auswirken. Auch sind Veranstaltungen in den besetzten Hörsälen und Fernsehsendungen zum Thema klar erkennbar.

Die meisten Tweets/Stunde (483) gab es übrigens zur “Am Punkt“-Sendung am 4. November, hier wird auch ersichtlich, dass erst danach die #unibrennt-Welle richtig nach Deutschland über schwappte.

Schlusssatz: In einer globalisierten Welt, in der es keinen Produktionsvorteil mehr gibt,  ist es für einen Staat wichtiger in Bildung, Wissen und Menschen  zu investieren als z.B. in den Bau des Koralmtunnels, der veranschlagte 5,1 Milliarden (also nach Österreichischer Rechnung im Endeffekt wohl über 10 Milliarden) Euro kosten wird.

Um so wichtiger ist es unsere uni zu unterstützen!

Meine Laudatio beim Wolfgang Lorenz Gedenkpreis für internetfreie Minuten

Internet, Computer undPolitik, Sonntag 15 November 2009 11:05

Gestern wurde im Figurentheater Lilarum mit einer fullminanten Show zum ersten Mal der “Wolfgang Lorenz Gedenkpreis für internetfreie Minuten” vergeben.

Ich hatte die Ehre mit den Wiener Grünen auch den “Sieger” des Abends nominieren zu dürfen und ziehe meinen Hut vor Christoph Chorherr, der den Preis vor Ort entgegen nahm.

Hier meine Nominierungsrede, mit den Powerpoint Overheadfolien eingebaut, alle Zitate findet man in den Reaktionen auf die Grünen Vorwahlen:

Morgen, Sonntag (Anm.: 15. November 2009), hätte ein historischer Tag werden können.

Es hätte der Tag sein können an dem die Wiener Grünen auf ihrer Landesversammlung erfolgreich einen Vorwahlkampf um die Plätze für die Gemeinderatswahlen nächstes Jahr abschließen und mit vielen neuen Unterstützerinnen, Unterstützern, Mitgliedern und mit viel Aufmerksamkeit im Internet und in der Presse gestärkt in den kommenden Wahlkampf in Wien gehen.

So habe ich mir das vorgestellt als ich Anfang April von der Idee der Grünen Vorwahlen hörte. Eine Idee, die von den Grünen selber stammt:

Reformvorschlag: Grüne Vorwahlen.

Damals dachte ich, dass die Aufnahme als Unterstützerin und Unterstützer der Wiener Grünen ein reiner Formalakt sei. Mir persönlich war der Gedanke völlig fremd das eine Partei auch nur auf die Idee kommen könnte, Personen, die helfen, hundertausenden von Menschen in Österreich zu zeigen, dass diese Partei wirklich ihre Basis ernst nimmt, abzulehnen. Auch viele Wiener Grüne signalisierten Freude an der Idee von Vorwahlen:

Diese Initiative ist aber auch eine große Chance für die Demokratie als Ganzes.

Die Initiatoren Jana Herwig, Helge Fahrnberger, Martin Schimak und Michael Schuster, sowie das mit der Zeit um Nicky Bäck, Susanne Zöhrer, Gerald Bäck und mich erweiterte Team dachten immer, das größte Problem wird sein, für den langen Zeitraum bis Mitte Juli genügend Öffentlichkeit zu haben um vielleicht so um die 200 Unterschriften zu sammeln.
Doch plötzlich passierte etwas, womit wir alle nicht gerechnet hatten:

Dieser Passus war nie dafür, wofür er jetzt verwendet wird, gedacht gewesen.

Hat sich die Initiative Vorwahlen im schwierigsten Bereich der Grünen Innenpolitik eingemischt: die Mandatsvergabe.

Wißt ihr, dass aktive Unterstützung der Grünen erstmal nötig ist, um überhaupt UnterstützerIn werden zu können?

Plötzlich zeigte sich, dass die sogenannte „Internetpartei“ ganz und gar nicht das lebt, was sie predigt und Großteils keine Ahnung vom Kommunizieren im Internet hat:

 Wenn ich den Christoph richtig verstanden habe, dann arbeitet ihr mit so kleinen automatischen Benachrichtigungen, die sich melden wenn irgendwer zu einem bestimmten Thema etwas hinterlassen hat. Das finde ich richtig gut. Aber ich und der Großteil von uns arbeitet nicht so.

Jetzt müßte ich technisch wohl in der Lage sein das Wort „Marsch“ als Link zu benutzen. Vielleicht geht es aber auch, wenn ich sage, dass es etwas dazu auf der Website der Wiener Grünen gibt.

Da brachen Gräben auf! Plötzlich bekamen die Wiener Grünen Angst! Da wurden einige 10.000 Visits auf einer Webseite mit dem Verteilen von Flyern „aufgewogen“:

Jedes Medium erreicht Menschen, sogar unsere Flyer, wenn sie zum richtigen Zeitpunkt verteilt werden.

Der Landesvorstand war nicht mehr imstande eine so einfache Entscheidung, wie die Annahme eines Unterstützungsantrages, wo die Antragstellerin, der Antragsteller unterschreiben, dass sie aktiv mitarbeiten wollen, zu treffen:

Man kann und darf es natürlich für einen großen Fehler halten Leute abzulehnen, genauso wie man das Gegenteil für einen Fehler halten darf, überhaupt darauf einzugehen.

Dass ihr uns nur so wahrnehmt ist total unser Problem, was ich vollkommen ernst meine.

Begreife ich mich als Teil der Grünen oder bin ich eigentlich nur WählerIn und sehe ich mich nicht als Teil der Grünen.

Die Reaktionenseite auf „gruenevorwahlen.at“ wurde immer größer, immer mehr Menschen verstanden die Welt nicht mehr, was passiert da in „ihrer“ Partei? Die Presse interessierte sich mehr und mehr für die Initiative, wobei wir nie auch nur einen Euro für Medienarbeit ausgegeben haben. Hierzu ein kleiner Vergleich: Der Beitrag im ORF-Report hatte fast 100.000 Zuschauer mehr als das Sommergespräch mit Maria Vassilakou.

Plötzlich wurde öffentlich gefragt, wann Anträge angenommen werden und niemand konnte glauben, dass die Wiener Grünen Personen ablehnen werden. Erklärungsnotstand machte sich breit, jede Regung der Partei wurde im Internet heftig diskutiert:

Ich gehe davon aus, dass weitestgehend alle oder fast alle aufgenommen werden.

Ablehnung und Annahmen werden sich einigermaßen die Waage halten.

Wir haben von den hunderten Anträgen, die großteils über das Internet eingetrudelt sind, drei Viertel positiv bearbeitet.

Am Schluss wurden gerade einmal 52% der 445 Anträge angenommen, Lukas Wurz sollte Wahrsager werden.

Auch Verschwörungstheorien wurden öffentlich zum besten gegeben:

Es gibt eine Hidden Agenda.

Aber auch wunderbare Kommentare zur politischen Ausrichtung der Wiener Grünen gab es:

Weil ihnen der Arsch auf Grundeis geht intern, weil wir momentan in Wien eher so was sind wie linke Grüne.

Unter den „noch nicht“ oder „leider nein“ Unterstützern, aber auch unter den angenommenen machte sich Frust breit, der sich heftig im Internet widerspiegelte. Aber zu diesem Zeitpunkt hat sich die Kommunikation des Landesvorstands schon längst auf Durchhalte- bzw. Kampfparolen reduziert, die entsprechend kommentiert wurden:

„Der Vorstand könne anhand der eingereichten Unterlagen erkennen, wie sich die VorwählerInnen entwickeln werden“ Ist er der liebe Gott?

Auch wurde in den ausgeschickten Ablehnungsschreiben die eigene Partei „verleugnet“:

Die Grünen gibt es nicht.

Oder Ihre Ziele „definiert“:

Es ist ein wichtiger Zwang für eine Partei mehr Wählerinnenstimmen zu bekommen, aber kein notwendiger.

Die unprofessionelle Kommunikation des Landesvorstandes und anderer Teile der Wiener Grünen ließ kein Fettnäpfchen aus, als Beispiel sei nur die eilig einberufene Pressekonferenz genannt, wo man bekannt gab, Aufnahmekriterien zu haben, diese aber den anwesenden Journalisten leider nicht mitteilen konnte. Transparenz ist alles!

Fazit: Alles in allem bleibt ein viermonatiges Kommunikationsdisaster der Wiener Grünen übrig und so kam es wie es kommen mußte: viele, die mitarbeiten wollten, haben sich von der Partei abgewandt und sind zutiefst enttäuscht.

Das wird auch in Zukunft noch Auswirkungen haben. Man darf gespannt sein, wie oft die „Grünen Vorwahlen“ nächstes Jahr im Wiener Wahlkampf ein Thema sein werden.

Auch hat die Partei gezeigt, dass sie keine Ahnung im Umgang mit dem Internet hat und auch jetzt – nach acht Monaten – eigentlich nichts dazugelernt hat. Siehe etwa die Website „ichkandidiere.at“.
Zum Schluss das wunderbare Fazit des Landesgeschäftsführers der Wiener Grünen über die Grünen Vorwahlen:

Der Vorstand hat, obwohl von vielen Seiten auf ihn eingehackt, gezogen und gedrückt wurde, den Überblick behalten und einen Weg entschieden, der niemanden wirklich zufrieden stellt.

Besser hätte ich es nicht ausdrücken können.

Und so nominiere ich die Wiener Grünen für den Wolfgang Lorenz Gedenkpreis für internetfreie Minuten.

EDIT: Christoph Chorherr hat auf der Landesversammlung den Preis an den Landesgeschäftsführer Robert Korbei übergeben übergeben:

Christoph Chorherr übergibt den Preis an Robert Korbei

EDIT2: Heute, am Tag der Landesversammlung, wird “ichkandidiere.at” gut eingesetzt um die Wahlergebnisse zu präsentieren, wobei die nummerischen Ergebnisse noch schön wären.

SPÖ: Klare Aussagen braucht das Land!

Politik, Mittwoch 30 September 2009 17:54

So, jetzt hat die Stille Post doch noch ihren Empfänger erreicht und Herr Haider aus Oberösterreich ist zurückgetreten, hat ja nur drei Tage gedauert seit seiner großen Niederlage am Sonntag. Sehr passend dazu der Artikel von Michael Völker im heutigen Standard.

Hier zeigt sich für mich eines der Grundprobleme der SPÖ derzeit: die schlechte Kommunikation gemischt mit fehlenden Vision und der daraus sich ergebende Unfähigkeit klare Aussagen zu formulieren.

Vorgestern, am Montag war Faymann in der ZIB2 noch gegen ein “personelles Opfer”, jetzt plötzlich nicht mehr? Gerade dieses Interview in der ZIB2 zeigt wunderbar diese Formulierungsprobleme.

Sätze wie “Wir müssen mit klarer Politik das ansprechen was die Menschen bewegt”, “Verlässlicher Partner sein für das was man in einem Wahlkampf verspricht”, “Missstände hat niemand für gut zu halten”, “Ein Konflikt ist keine Schande in einer Regierung” haben irgendwie keinerlei Aussage und geben auch keinen Weg vor wie es weitergehen soll.

Da helfen noch so viele “bezahlte Anzeigen” in Standard, ÖSTERREICH, Krone, Presse & Co nicht, zuerst muss ich wissen was ich sagen will.

Ein wunderbares Beispiel für unklare Aussagen ist diese Grafik des bm:ukk von Gestern, die darstellen soll wie in Zukunft die Museen in Wien zusammenarbeite sollen:

Museumsstruktur

Alles klar, oder? Sowas nennt sich dann “Fundament der Museumslandschaft des 21. Jahrhunderts:)

Hier wünsche ich mir klarere Aussagen, einfach mal nachdenken was ich wie vermitteln will.

Die SPÖ sollte sich ein Beispiel an diesem Ausschnitt aus dem tollen Film “Thank You for Smoking” nehmen:


Alleine das Aufatmen der Bosse sagt doch alles!

Denn: Ohne Ziel dreht sich auch der beste Kapitän nur im Kreis!