Gestern wurde im Figurentheater Lilarum mit einer fullminanten Show zum ersten Mal der “Wolfgang Lorenz Gedenkpreis für internetfreie Minuten” vergeben.
Ich hatte die Ehre mit den Wiener Grünen auch den “Sieger” des Abends nominieren zu dürfen und ziehe meinen Hut vor Christoph Chorherr, der den Preis vor Ort entgegen nahm.
Hier meine Nominierungsrede, mit den Powerpoint Overheadfolien eingebaut, alle Zitate findet man in den Reaktionen auf die Grünen Vorwahlen:
Morgen, Sonntag (Anm.: 15. November 2009), hätte ein historischer Tag werden können.
Es hätte der Tag sein können an dem die Wiener Grünen auf ihrer Landesversammlung erfolgreich einen Vorwahlkampf um die Plätze für die Gemeinderatswahlen nächstes Jahr abschließen und mit vielen neuen Unterstützerinnen, Unterstützern, Mitgliedern und mit viel Aufmerksamkeit im Internet und in der Presse gestärkt in den kommenden Wahlkampf in Wien gehen.
So habe ich mir das vorgestellt als ich Anfang April von der Idee der Grünen Vorwahlen hörte. Eine Idee, die von den Grünen selber stammt:

Damals dachte ich, dass die Aufnahme als Unterstützerin und Unterstützer der Wiener Grünen ein reiner Formalakt sei. Mir persönlich war der Gedanke völlig fremd das eine Partei auch nur auf die Idee kommen könnte, Personen, die helfen, hundertausenden von Menschen in Österreich zu zeigen, dass diese Partei wirklich ihre Basis ernst nimmt, abzulehnen. Auch viele Wiener Grüne signalisierten Freude an der Idee von Vorwahlen:

Die Initiatoren Jana Herwig, Helge Fahrnberger, Martin Schimak und Michael Schuster, sowie das mit der Zeit um Nicky Bäck, Susanne Zöhrer, Gerald Bäck und mich erweiterte Team dachten immer, das größte Problem wird sein, für den langen Zeitraum bis Mitte Juli genügend Öffentlichkeit zu haben um vielleicht so um die 200 Unterschriften zu sammeln.
Doch plötzlich passierte etwas, womit wir alle nicht gerechnet hatten:



Plötzlich zeigte sich, dass die sogenannte „Internetpartei“ ganz und gar nicht das lebt, was sie predigt und Großteils keine Ahnung vom Kommunizieren im Internet hat:


Da brachen Gräben auf! Plötzlich bekamen die Wiener Grünen Angst! Da wurden einige 10.000 Visits auf einer Webseite mit dem Verteilen von Flyern „aufgewogen“:

Der Landesvorstand war nicht mehr imstande eine so einfache Entscheidung, wie die Annahme eines Unterstützungsantrages, wo die Antragstellerin, der Antragsteller unterschreiben, dass sie aktiv mitarbeiten wollen, zu treffen:



Die Reaktionenseite auf „gruenevorwahlen.at“ wurde immer größer, immer mehr Menschen verstanden die Welt nicht mehr, was passiert da in „ihrer“ Partei? Die Presse interessierte sich mehr und mehr für die Initiative, wobei wir nie auch nur einen Euro für Medienarbeit ausgegeben haben. Hierzu ein kleiner Vergleich: Der Beitrag im ORF-Report hatte fast 100.000 Zuschauer mehr als das Sommergespräch mit Maria Vassilakou.
Plötzlich wurde öffentlich gefragt, wann Anträge angenommen werden und niemand konnte glauben, dass die Wiener Grünen Personen ablehnen werden. Erklärungsnotstand machte sich breit, jede Regung der Partei wurde im Internet heftig diskutiert:



Am Schluss wurden gerade einmal 52% der 445 Anträge angenommen, Lukas Wurz sollte Wahrsager werden.
Auch Verschwörungstheorien wurden öffentlich zum besten gegeben:

Aber auch wunderbare Kommentare zur politischen Ausrichtung der Wiener Grünen gab es:

Unter den „noch nicht“ oder „leider nein“ Unterstützern, aber auch unter den angenommenen machte sich Frust breit, der sich heftig im Internet widerspiegelte. Aber zu diesem Zeitpunkt hat sich die Kommunikation des Landesvorstands schon längst auf Durchhalte- bzw. Kampfparolen reduziert, die entsprechend kommentiert wurden:

Auch wurde in den ausgeschickten Ablehnungsschreiben die eigene Partei „verleugnet“:

Oder Ihre Ziele „definiert“:

Die unprofessionelle Kommunikation des Landesvorstandes und anderer Teile der Wiener Grünen ließ kein Fettnäpfchen aus, als Beispiel sei nur die eilig einberufene Pressekonferenz genannt, wo man bekannt gab, Aufnahmekriterien zu haben, diese aber den anwesenden Journalisten leider nicht mitteilen konnte. Transparenz ist alles!
Fazit: Alles in allem bleibt ein viermonatiges Kommunikationsdisaster der Wiener Grünen übrig und so kam es wie es kommen mußte: viele, die mitarbeiten wollten, haben sich von der Partei abgewandt und sind zutiefst enttäuscht.
Das wird auch in Zukunft noch Auswirkungen haben. Man darf gespannt sein, wie oft die „Grünen Vorwahlen“ nächstes Jahr im Wiener Wahlkampf ein Thema sein werden.
Auch hat die Partei gezeigt, dass sie keine Ahnung im Umgang mit dem Internet hat und auch jetzt – nach acht Monaten – eigentlich nichts dazugelernt hat. Siehe etwa die Website „ichkandidiere.at“.
Zum Schluss das wunderbare Fazit des Landesgeschäftsführers der Wiener Grünen über die Grünen Vorwahlen:

Besser hätte ich es nicht ausdrücken können.
Und so nominiere ich die Wiener Grünen für den Wolfgang Lorenz Gedenkpreis für internetfreie Minuten.
EDIT: Christoph Chorherr hat auf der Landesversammlung den Preis an den Landesgeschäftsführer Robert Korbei übergeben übergeben:

EDIT2: Heute, am Tag der Landesversammlung, wird “ichkandidiere.at” gut eingesetzt um die Wahlergebnisse zu präsentieren, wobei die nummerischen Ergebnisse noch schön wären.