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Archiv des Tags ‘Österreich’

Kaufen wir uns doch 50% der Kronen Zeitung!

Konsumenten, Donnerstag 28 Mai 2009 15:14

Die WAZ-Gruppe will, so berichten einige Medien, ihre 50% an der Kronen Zeitung verkaufen.

Als Interessenten werden die die Raiffeisen Gruppe und Herr Dichand (dem ja schon die anderen 50% gehören), mit finanzieller Unterstützung durch die Erste Bank und/oder Wiener Städtische,  genannt.

Da frage ich mich: Wollen wir wirklich das eine Bank wie die Raiffeisen, die schon an einer Menge anderer Zeitungen und Medien beteiligt ist, indirekt das größte Medienunternehmen Österreichs wird?

Vor allem wo die knapp drei Millionen Krone-LeserInnen ja immer und überall die Unabhängigkeit “ihrer” Zeitung verteidigen, sei es in Leserbriefen oder in (Stammtisch-) Diskussionen.

Deswegen gibt es eigentlich nur einen einzigen Weg um diese Unabhängigkeit zu verteidigen:

Die Krone-LeserInnen sollen ihre Zeitung kaufen!

Kronen Zeitung

Wenn jede(r) der drei Millionen LeserInnen knapp €70 zahlt sind die 200 Millionen, die als Kaufpreis kolportiert werden kein Problem!

Mit anderen Worten: Um den Preis einer Autobahn-Vignette gibt es eine Tageszeitung und die Gewissheit das diese unabhängig, so wie es von den Krone-LeserInnen gefordert wird, bleibt!

Da gibt es International einige Vorbilder, z.B. die taz, die einer Genossenschaft gehört oder der Spiegel, der mehrheitlich den MitarbeiterInnen gehört.

Das mag jetzt alles als Scherz klingen, aber warum nicht?

Das würde wirklich die Medienlandschaft in Österreich ändern. Warum nicht einfach mal neue Ideen ins Spiel bringen?

Ist doch ein schönes Gedankenexperiment!

Tempo, Red Bull und Verpackungen

Konsumenten, Montag 25 Mai 2009 10:11

Jeder kennt so eine Packerl Taschentücher:
Tempo Taschentücher Packerl
Wenn ich fragen würde: “Wie viele Taschentücher sind den da drinnen?

Wäre die Antwort wohl immer: “Zehn natürlich!!!“.

Nun ja, schon mal nachgezählt?

Es sind nur neun!

Auf der Großpackung und auf dem Einzelpackerl steht das auch drauf, nur halt im “Kleingedruckten”:

tTempo Großpackung

Das 24x Packerl rechts oben (das sehr Prominent auch auf der Vorderseite steht) spricht die alte Erfahrung an, dass ich 24×10 Taschentücher kaufe, in Wirklichkeit kaufe ich aber nur 24×9, also um 10% weniger. Hier zahlt sich wohl der Vergleich mit anderen Produkten aus, denn selbst von Tempo gibt es z.B. auch 30×10 Verpackungen (wobei ich gerne wissen würde seit wann es diese 9er-Größe gibt!).

Ein anderes Beispiel: Seit Anfang April gibt es, auch in Österreich, plötzlich eine riesige Red Bull-Dose:

Red bull mit 473ml

Warum genau eine 473ml-Dose?

Hierzu eine (angebliche) Aussage von Red Bull:

The answer to that is it keeps a slim-line look, maintains its premium appearance and offers Red Bull a point of difference versus other big cans – we never like to be the same as everyone else!

Naja, schöne PR-Story, aber ich denke da spielen ganz andere Faktoren mit: 473ml sind zufälligerweise exakt ein (amerikanisches) Pint, die bevorzugte Größe für Getränke in den USA!

Hie erspart sich Red Bull einfach das produzieren einer weiteren Dosengröße, fertig, nix Aussehen und so, vor allem gab es früher schon eine 500ml Dose. Auch ist klar warum seit Anfang April: Da fielen in der EU die Vorschriften für Verpackungsgrößen!

Also, aufpassen beim Einkaufen! :)

CERN, die Krise und Österreich

Politik und Zukunft, Mittwoch 13 Mai 2009 13:09

Ok, wir haben eine Krise. Viele Länder, z.B. die USA und Deutschland, investieren, um die Krise zu “bekämpfen”:

In der Krise sei Forschung kein Luxus, sondern “essenzieller für unseren Wohlstand als je zuvor”, so Obama.

Und was macht Österreich?

Österreich investiert in ÖBB-Tunnel, in die Baufirmen, aber nicht in die Forschung. Sogar das Gegenteil passiert, aus Kostengründen wird die CERN-Mitgliedschaft aufgekündigt. Zur Erinnerung, das ist dessen derzeitig größtes Projekt:


Auch das World Wide Web wurde in CERN erfunden.

Aber Österreich hat das nicht nötig befindet die Politik, Österreich hat zwar jetzt Jahrzehnte lang da mitgearbeitet und kaum wird es wirklich spannend ziehen wir uns zurück.

Ritchie hat es auch sehr schön zusammengefasst:

Die CERN-Beteiligung kostet jeden Österreich €2 pro Jahr, anders ausgedrückt beträgt die Gesamtsumme 16 Millionen Euro. Das sind 0,47 Prozent des Wissenschaftsministeriums-Budgets, welches 2009 gegenüber 2008 um 15% erhöht wurde. Dem gegenüber stehen im Zeitraum 1994-2007 CERN-Aufträge an die österreichische Industrie im Wert von 73 Millionen Euro.

Dazu fallen mir noch zwei Sachen ein:

1. Im Online-Standard gab es dazu ein sehr guten User-Kommentar (finde ihn nicht mehr, ist einer der 2377 Kommentare bei diesem Artikel, deswegen nicht ganz 100% richtig zitiert):

Das LHC funktioniert doch! Es hat ein Schwarzes Loch in das Gehirn des Wissenschaftsminister gebrannt!

2. Jetzt wird es leider nie solche Stars aus Österreich geben wie in diesem Werbespot:


Schade, sehr, sehr schade!

Deswegen diese Online-Petition unterschreiben und sich an der Online-Demo beteiligen!

Die ÖVP, die neue Homepage und die alten Blogs

Politik, Mittwoch 15 April 2009 19:31

Die ÖVP hat seit heute eine neue Homepage.  Gut, jeder ändert mal seine Homepage, aber die ÖVP behauptet jetzt “Web2.0 konform” zu sein, laut Aussage des ÖVP-Generalsekretär Fritz Kaltenegger:

Die Website ist technisch auf dem letzten Stand, enthält eine eigene Video- und Foto-Plattform, bietet Zugang zu den jeweiligen Web 2.0-Aktivitäten der ÖVP auf Facebook, Youtube und Flickr und ist mit ihrer einfachen Struktur sehr benutzerfreundlich.

Nun ja, nur weil eine Seite blau wie die von Obama ist heißt noch nicht das sie Web2.0 ist. Aber sie ist solide gemacht, alles an seinem Platz, eine stinknormale, Österreichische Parteiseite eben.

Lustig finde ich dieses Zitat aus der Presseaussendungen:

Im Unterschied zu praktisch allen anderen Parteien sind bei allen unseren Web 2.0 Auftritten alle Kommentarfunktionen ohne Zensur freigeschaltet.

Ok, ist ja lieb, aber auf der Homepage selber gibt es keine Kommentarfunktion :)   Zumindest ein Anfang, angeblich soll das auf der Homepage nachgeliefert werden, noch vor der Europawahl?

Weniger lustig finde ich das es zwar einen prominenten Punkt “ÖVP-Blogs” gibt, aber darunter befinden sich ganze fünf (!) bloggende PolitikerInnen:

ÖVP Blogs

Das waren doch schon mal weitaus mehr, zur Nationalratswahl hatte doch jeder plötzlich einen Blog, oder?

Noch trauriger wird es aber wenn man sich diese fünf Blogs genauer anschaut:

Herr Lopaktka bloggt zwar halbwegs regelmäßig, nur sollte er vielleicht nicht die Druckfotos mit 3000×2000 Pixels verwenden, die dann vom Browser auf 400×266 runterskaliert werden, wie hier und bei fast allen Fotos geschehen  :)   Weitaus bemerkenswerter aber ist das Herr Lopatka seit Jänner 2007 552 Blogbeiträge gescfhrieben hat, dafür aber nur sieben(!) Kommentare bekommen hat! Und zwar hier, hier, hier (diese Kommentare sind Spam!) und hier :) Da der Blog von Herrn Lopatka der letzte Blog auf der ehemaligen ÖVP-Blog-Plattform ist kann man hier sehen wie viele Zugriffe sein Blog hat :)

Herr Khol bloggt wenig aber regelmäßig, verwendet ja auch wordpress.com, da funktioniert ja alles halbwegs. Seine Statistik ist ein bisschen besser: Seit Agust 2008 35 Blogbeiträge und 15 Kommentare.

Der Webblog von Frau Fuhrmann ist ein Witz, von der Software her unbrauchbar, in einem Frame engebettet wo man fast nichts lesen kann und nur noch scrollen muss. Insgesamt gibt es seit Jänner 2009 10 Beträge und keinen einzigen(!) Kommentar!

Herr Huainigg bespielt seinen Blog wohl am besten von den fünf . Er bloggt regelmäßig und sehr authentisch, seit April 2007 522 Beiträge. Leider gibt es keine Möglichkeit zum Kommentieren im Blog, nur ein Gästebuch mit 187 Einträgen seit Mai 2007.

Schlimm ist der Blog von Frau Hakl. Da fängt ein Artikel z.B. mit der Zeile: “Letzten Donnerstag war ich bei der e-Health Enquete der Telekom Austria zu Gast.” an, nur leider steht nirgendwo auf der Webseite ein Datum, somit ist nicht nachvollziehbar welcher Donnerstag gemeint war :) Kategorien, ein Archiv oder sonstige Ordnungsmöglichkeiten sucht man vergebens. Laut RSS-Feed der Kommentare hat sie seit April 2008 10 Kommentare bekommen, insgesamt hat sie seit irgendwann 2006 154 Beiträge geblogt.

Apropos RSS-Feed: Die neue ÖVP-Homepage hat für jede Seite einen RSS-Feed, ist zwar nett, nur eine handvoll gut gepflegte Feeds wären weitaus besser, so ist immer nur ein Satz pro Artikel im Feed, unbrauchbar.

Interessant finde ich das die neuen ÖVP-Homepage eine Creative Commons Lizenz verwendet, nur leider eben die “strengste” Version, man darf mit den Inhalten, außer sie zu veröffentlichen, gar nichts machen, also eigentlich keine Veränderung zu vorher, eher schlimmer :)

Hier zeigt sich eben das eine neue Webseite heutzutage nicht ausrreicht um im Internet “mitspielen” zu können, wenn das so weitergeht wird die Europawahl wohl wieder ein Internet-Desaster :)

Trtotzdem, es tut sich wenigstens was, vielleicht beginnt ja jetzt ein Kampf der Parteiwebseiten :)



Der Meinl, der Staat und das Geld

Politik, Freitag 3 April 2009 07:25

Das kann ich mir wunderbar bildlich vorstellen:

1. Akt

Donnerstag, 2. April, Vormittag. Es geht um die Verhängung der U-Haft über Julius Meinl den V. Die Haftrichterin sitzt mit ihrem Team zusammen:

Haftrichterin: Die Indizien sprechen dafür, ich verhänge die Untersuchungshaft über Julius Meinl den V.

Beamter A: Sehr gut! Da wird sich die Ministerin freuen!

Beamter B: Frau Haftrichter, sie sollten noch eine Kaution nennen, klingt immer gut! Halt so hoch das es eh nie jemand zahlen wird, aber die Presse wird sich sicher freuen wenn’s eine hohe Zahl hat.

Haftrichterin: Da haben sie recht, was wäre den da eine passende Summe? Eine Million?

Beamter A: Viel zu niedrig, das zahlt der ja aus der Portokassa!

Beamter B: Nehmens zehn, das klingt besser!

Haftrichterin: Wenn’s alle schon hohe Zahlen haben wollen dann richtig, machen wir gleich 100 Millionen!

Beamter A, ganz entsetzt, deswegen im Dialekt: Des san ja über 1,3 Milliarden olde Schilling, des ist vül, des zohlt erm niemand!!

Beamter B, scherzt: Wenn er abhaut spenden wir es der Schmied! (alle lachen)

Haftrichterin: Dann ist es beschlossen, die Kaution für Herrn Julius Meinl den V. beträgt 100 Millionen Euro und er muss seinen Britischen Pass abgeben.

Beamter A: Net amol a Österreicher!

Ende 1. Akt

2. Akt

Donnerstag, 2. April, früher Nachmittag:

Beamter B stürmt, ohne anzuklopfen, in das Zimmer der Haftrichterin.

Beamter B: Frau Richter, Frau Richter, der Meinl hat die 100 Mille bezahlt!

Haftrichterin: Machen’s keine Aprilscherze!

Beamter B: Doch! Aus Luxen, äh, Lichtenstein überwiesen!

Haftrichterin: Und wie soll das gehen? Bei mir dauert eine Überweisung immer zwei Werktage!

Beamter B: Keine Ahnung, aber er ist ja Banker, der wird schon wissen wie das geht.

Haftrichterin: Haben sie es schon der Ministerin gesagt?

Beamter B: Nein, das ist ihre Aufgabe…

Haftrichterin: Dann muss mir was einfallen lassen… Ah, ich weiß schon, wir brauchen 24 Stunden um das Geld zu zählen, der Meinl muss bis Freitag noch in U-Haft bleiben, das klingt doch gut, oder?

Beamter B: Gute Idee, das glaubt jeder!

Ende 2. Akt

3. Akt

In der nahen Zukunft, Julius Meinl der V. ist aus der U-Haft entlassen worden.

Haftrichterin, Beamter A und Beamter B werden zur  Ministerin gerufen:

Ministerin: Wie konnte das passieren?

Haftrichterin: Die Beamten sind Schuld!

Beamter A und B Gleichzeitig: Haben wir wissen können das der Meinl auch einen Personalausweis hat?

Vorhang

Ist rein fiktiv (es gilt für alle die Unschuldsvermutung) aber irgendwie kann ich es mir gut so vorstellen, ich hoffe nur auf ein anderes Ende!

Fotos der Postsparkasse 1906-1973

Zukunft, Dienstag 10 März 2009 17:57

Da ich aufgrund einer andere, sehr, sehr spannenden Geschichte (dazu ein anderes Mal mehr!) heute das Archiv meines vor über 30 Jahren verstorbenen Vater durchstöbert habe (über 50 Bananen-Kartons, seit ende der 70er nicht angerührt), wurde ich auf Fotos der von Otto Wagner geplanten und 1906 in Wien eröffneten Postsparkasse aufmerksam.

Diese Fotos finde ich insofern interessant da logischer Weise die sehr alten Fotos “sehr alt” sind, aber die Fotos aus den 50er, 60er und 70er eigentlich genauso alt wirken, da es ja damals z. B. noch keinen Computer gab.

Hier mal die “sehr alten”, 1906-1928, der Bilduntertitel ist der Text der auf der Rückseite der Fotos steht:

Kassensaal der Postsparkasse 1906Büroraum um 1910
Hauptkasse um 1910Kassensaal der Postsparkasse 1928

Vor allem die Arbeitssituation ist interessant!

Jetzt zu den Fotos 1955-1973, wenn man es genau betrachtet ist da die Arbeitssituation nicht viel besser, bei einem einzigem Foto steht der Fotograf dabei:

Büroraum im Postsparkassengebäude um 1955Toto-Wettscheinabgabe 1955, heutiges Scheckbüro (?)ehemaliges Scheckbüro
Büroraum im Postsparkassengebäude um 1960Haptkasse um 1970Kassensaal der Österreichischen Postsparkasse vor der Renovierung (März 1973)
Vom Bundesdenkmalamt genehmigter Schalter (wohl auch 1973)

Da merkt man erst wie viel sich in den letzten 35 Jahren geändert hat! Alleine das “Scheckbüro” und die “Hauptkasse” zeigen ein komplett anderes Bild von einer Bank als man es heutzutage gewohnt ist.

Anfang der 70er wurde die Postsparkasse groß renoviert (dazu gibt es auch noch genügend Zeitungsartikel im Archiv meines Vaters da es viele Diskussionen gab wie weit man sich an das Original halten soll) und in diesem Zusammenhang sind wohl auch diese Fotos bei meinem Vater gelandet.

Die Postsparkasse wurde 2003-2005 wieder renoviert und ist auf jeden Fall sehenswert, mehr Infos dazu gibt es hier (mit Panoramabild).

Manager, Abfertigungen und die Moral

Allgemein, Donnerstag 5 März 2009 10:23

Diese Woche gab es, von den Medien wenig beobachtet, den ersten Prozesstag im Streitfall Martin Huber gegen die ÖBB. Dabei geht es um eine “Abfertigung” die Martin Huber, dessen Vertrag letztes Jahr vorzeitig von der ÖBB gekündigt wurde, für die Restlaufzeit seines Vertrages haben möchte, da diese ihm angeblich zusteht.

Diese “Abfertigung” sollte irgendwie, durch irgendwelche komischen Verträge die keiner unterschrieben haben will, in Form eines Konsulentenvertrages oder sowas ähnlichem ausgezahlt werden.

Dieses Gerichtsverfahren und die dadurch öffentlich werdenden Infos  zeigen, wie bestimmte Manager wirklich keinerlei Gefühl für Moral mehr haben, siehe dieses Zitat aus einem Wirtschaftsblatt-Artikel zum Prozess:

Eingangs wurde außer Streit gestellt, dass künftig nur noch Hubers IMC Immobilien Management Consulting GmbH Klagspartei ist und nicht mehr der Ex-ÖBB-Chef persönlich: Denn erstere ist aus steuerlichen Gründen die Empfängerin der umstrittenen Abfertigung Hubers in Höhe von 836.654,52 €.

Wie kann es möglich sein das ein Manager, der bei einem Konzern angestellt war, sich aus “steuerlichen Gründen” seine Abfertigung an eine Firma auszahlen lassen kann?

Ich weiß, die Frage ist Naiv, da Manager-Verträge anders aussehen als Arbeitsverträge, aber trotzdem war er ein “Angestellter” der ÖBB, oder? Wer hat den da wohl die Sozialversicherung bezahlt und in die Pensionskasse eingezahlt?

Was würde wohl passieren, wenn ein(e) normal in Österreich Angestellte(r) seinem/ihrem Arbeitgeber sagen würde das er/sie gerne das 13. und 14. Gehalt aus “steuerlichen Gründen” an die Firma XY überwiesen hätte?

Oder, was genauso verwundert, wenn jemand, der einen arbeitsrechtlichen Prozess mit seinem (Ex-) Arbeitsgeber am laufen hat, plötzlich sagt das nicht mehr er der Kläger ist sondern die Firma XY?

Versteht das jemand? Ich nicht.

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Der ORF, die Pressestunde und die Kritik

Politik, Montag 23 Februar 2009 09:39

Am 8. Februar war H. C. Strache in der Pressestunde im ORF zu Gast, soweit so uninteressant.

am 13. Februar schrieb Alexander Pollak einen meiner Meinung nach sehr guten Kommentar zu dieser Pressestunde und dem Umgang mit rechten Parteien in Österreich unter dem Titel “Diskutieren mit HC Strache“. Dazu gibt es auf dem Standard auch eine heftige Diskussion mit über 200 Kommentaren.

Heute, am 23. Februar, also knapp zehn Tage nach dem erscheinen des Artikels im Standard (!), gibt es plötzlich eine “Lesermeinung” im Print-Standard von Hans Bürger, Stv. CR “Zeit im Bild”, Ressortleiter ZiB-Innenpolitik/EU.

Da leider nicht Online hier eingescannt:

Lesermeinung Hans Bürger

Wenn ich mir das so durchlese kann ich nur sagen:

Beim ORF müssen die Nerven wirklich blank liegen!

Das ist eine Schimpforgie von einem Ressortleiter des ORFs bei der ich richtig erschrocken bin, keinerlei Argumente, nur Beleidigungen und als einzige Rechtfertigung für die Sendung wird die Quote genannt (wobei 290.000 grad mal 5% Reichweite entspricht)!

Ist das wirklich öffentlich rechtlicher Journalismus?

Hier fordere ich “Change”, aber schnell!


Die Grünen, die Kommentare und die Folgen

Politik, Montag 2 Februar 2009 17:38

Bei den Grünen geht es momentan rund.

Mir geht es jetzt nicht darum da einen Kommentar abzugeben, mir geht es darum, zu zeigen was für eine Diskussion das ganze erzeugt hat und warum das negativ für die Grünen ist.

Dazu habe ich 35 Threads (29x auf “derStandard.at”, 6x auf “orf.at”, wobei rund 90% der Postings auf “derStandard.at” sind da auf “orf.at” nur sehr wenige Artikel Diskussionen zuließen) zu Artikeln über die Grünen und ihre Listenplatzerstellung im Zeitraum von 17.12. (da ging die Diskussion um den ersten Listenplatz los) bis Heute, 2.2. 14:00,  mir angeschaut.

In diesem Zeitraum gab es insgesamt 10.788 Postings zu den 35 Artikeln (zu den sehr wenigen anderen Artikel über die Grünen gab es im Vergleich dazu fast keine Postings). Hier eine Grafik die zeigt wann diese Postings gemacht wurden:

Postings zum Thema Voggenhuber

Daraus lassen sich einige Dinge ablesen:

  • Im Dezember war alles noch egal und hat die WählerInnen nicht interessiert.
  • Die Entscheidung am Bundeskongress nicht Voggenhuber aufzustellen hat zwar aufsehen erregt, ist aber auch bald wieder abgeflacht.
  • Explodiert ist das ganze erst am Freitag (7000! Postings) mit der Entscheidung Voggenhuber nicht auf die Liste zu setzen.

Interessant daran ist auch dass diese 10.788 Kommentare von 2.245 UserInnen gepostet wurde, d.h. jede(r) UserIn hat durchschnittlich 4,8 Kommentare geschrieben. Ein Zeichen dafür wie wichtig den Menschen das Thema ist!

Jetzt könnte man sagen das hier “Kampfposter” unterwegs sind. Kann durchaus sein, diese sind aber vernachlässigbar, z. B. kommen die Top-Ten Poster gerade mal auf 11% alle Kommentare, das liegt recht gut im Durchschnitt solcher Diskussionen (eigentlich sogar darunter).

Warum das ganze jetzt negativ für die Grünen ist
Sehr konservativ gerechnet postet jede(r) 50. LeserIn einen Kommentar (beim Standard wohl höher). Wenn ich die 10.788 mit 50 multipliziere komme ich auf rund 540.000 LeserInnen. Auch wenn ich davon ausgehe das jede(r) die Postings 5x liest sind es immer noch über 100.000 LeserInnen, dass ist nicht wenig für die Grünen!

Da könnte man jetzt auch annehmen das ist Gut für die Grünen, normalerweise haben sie nicht diese Aufmerksamkeit. Ja, aber wenn man sich den Themenfluß dieser Postings ansieht erkennt man sofort das Problem:

Das Schlimme ist: In diesen fast zwei Monaten wurde über kein einziges Thema diskutiert (“EU” kommt hier nur im Zusammenhang mit der Kandidatur vor und wird immer weiter verdrängt, es geht nie um inhaltliches) sondern nur über Befindlichkeiten von Menschen zueinander bzw. über einen “Geschlechterkampf”. Zwei Monate vertan um Themen zu positionieren. Zwei Monate in denen sich die Meinung, dass die Grünen (wieder einmal) nur streiten, gefestigt hat. Auch flacht die Diskussion nicht ab, eher das Gegenteil ist der Fall und sie wird immer untergriffiger.

Dass kann sich einfach nicht postiv für die Grünen auswirken!

Jetzt doch noch ein Kommentar: Ich habe keine Ahnung ob z.B. Faymann oder Pröll mit seinen KollegInnen in der Partei gut auskommt, es ist mir auch völlig egal. Ich wähle eine(n) KandidatIn da mich die Themen ansprechen und nicht weil ich glaube das er/sie besser in die Parteizentrale zu den anderen passt, hier wird Politik mit Big Brother verwechselt.

Und ich bin immer noch der Meinung das hätte man verhindern können.

Analyse der Krone-Leserbriefe 2008

Allgemein, Sonntag 1 Februar 2009 18:44

Im Jahr 2008 hat die Kronen Zeitung Online 4766 Leserbriefe unter dem Titel “Das freie Wort” veröffentlicht die, soweit ersichtlich, den täglich in der Zeitung abgedruckten Leserbriefen entsprachen.

Ich habe mir diese Leserbriefe einmal genauer angeschaut.

Diese 4766 Leserbriefe wurden mit 1994 unterschiedlichen Namen unterschrieben, somit ergibt sich ein Durchschnitt von 2,4 abgedruckte Briefe pro SchreiberIn, deutet auf etliche StammschreiberInnenn hin.

Hier die Top LeserbriefschreiberInnen:

Top LeserbriefschreiberInnen in der Kronen Zeitung

Von diesen zehn Personen wurden 723 Leserbriefe 2008 veröffentlicht, das entspricht rund 15,2% aller Leserbriefe in 2008. 112 Leserbriefe wurden mit “Name und Adresse der Redaktion bekannt” gekennzeichnet.

Eine weitere große Frage ist natürlich welche(r) PolitikerIn am häufigsten genannt wurde, und hier gibt es die erste Überraschung:

Top Namen 2008

Herr Molterer ist mit Abstand die am häufigsten erwähnte Person in den Krone-Leserbriefen 2008.

Interessant auch das Resultat der Parteien, hier ist die ÖVP “Gewinnerin”:

Nennung Parteien 2008

Aus den Texten der Leserbriefe habe ich wieder Themenflüsse gemacht. Als erstes der Themenfluß zu den Parteien, hier sieht man schön wie die ÖVP permanent in den Leserbriefen genannt wurde:

Hier das PDF-File zum Downloaden und reinzoomen!

Weiters die am häufigsten genannten Personen (PolitikerInnen und andere in der Öffentlichkeit stehende Personen) in den Leserbriefen. Hier erkennt man wie überlegen Herr Molterer führt aber auch wann über Herrn Elsner geschrieben wurde:

Hier das PDF-File zum Downloaden und reinzoomen!

Dann de Orte über die geschrieben wurde. Hier wird klar was für ein großes Thema die EU in den Leserbriefen war:

Hier das PDF-File zum Downloaden und reinzoomen!

Zu guter letzt die Themen über die geschrieben wurde. Hier erkennt man sehr gut den Wahlkampf aber auch die Finanzkrise:

Hier das PDF-File zum Downloaden und reinzoomen!

Dise Ergebnisse decken sich in vielen Bereichen mit den Schlagzeilen 2008. Bei einigen Punkten aber erkennt man eine Abweichung, so z.B. bei der ehemaligen Aussenministerin Plassnik und ihrer Auseinandersetzung mit der Krone.

Der Wortschatz der Leserbriefe 2008 in der Krone bestand übrigens aus rund 45.000 (bereits normalisierten, d.h. aus “gehe” und “ging” wird “gehen”) Wörtern, das ist nicht so schlecht!