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Archiv des Tags ‘Politik’

Dichand: Wer, wenn nicht er?

Politik, Dienstag 25 August 2009 09:36

Hans Dichand hat in seinem Leben viel erreicht, aber eine Sache, die er immer wollte, gelang ihm eigentlich nie richtig: WIRKLICH die Politik zu bestimmen.

Keine Frage, die Krone hat genug Einfluss, aber einige Sachen konnte er nicht verhindern, so z.B. Wolfgang Schüssel als Bundeskanzler und den Vertrag von Lissabon, um nur zwei aktuellere Beispiele zu nennen. Auch sind 17,7% für Hans Martin bei der Europawahl viel, aber wenn von 3 Millionen LeserInnen nur 500.000 übrig bleiben ist es wenig. Oder, Böse gesagt: 

Berlusconi ist der erfolgreichere Dichand.

Gerade der Lissabon-Vertrag ist Dichand ein Dorn im Auge, deswegen denke ich das Hans Dichand eine “Schwarze Liste” hat, auf der alle Namen der PolitikerInnen stehen, die diesen Vertrag verhandelt oder unterschrieben haben. Diese Liste könnte so aussehen (schön alphabetisch geordnet):

  • Heinz Fischer
  • Alfred Gusenbauer
  • Ursula Plassnik
  • Wolfgang Schüssel

Bis auf den Bundespräsidenten hat Dichand sein Ziel erreicht: alle anderen haben sich aus der Politik (wenn auch nur in dem sie auf einen “Hinterbänkler”-Platz im Parlament sitzen) verabschiedet.

Deswegen behaupte ich:

Dichand will Pröll damit er Fischer von seiner Liste streichen kann!

Da dies, Aufgrund der Reaktionen der  ÖVP, noch nicht fix ist, hier meine Alternative:

Hans Dichand for Bundespräsident!

Und in Anlehnung an ein Wahlplakat von Wolfgang Schüssel:

Entwurf Wahlplakat Hans Dichand

(Schön wäre auch der Wahlspruch Klestils: “Macht braucht Kontrolle” oder Faymanns: “Genug gestritten“  :) )

Bei 3 Millionen LeserInnen müsste er doch locker diese Wahl gewinnen, das richtige Alter hat Dichand und “unabhängig” ist er genauso wie seine Zeitung. Wäre doch, wie heißt es immer so schön: “Ein krönender Abschluss einer erfolgreichen Karriere”.

Dann noch Eva Dichand als Bundeskanzlerin und Dichand lacht über Berlusconi :)

PS: Ich bin immer noch dafür 50% der Krone zu kaufen!

Die Wahlprogramme Deutscher Parteien als Tagcloud

Politik, Montag 17 August 2009 08:26

Im Zuge der Wahl in Deutschland im September habe ich mir mir die “Wahlprogramme” der Opposition (Grüne, FDP, Piratenpartei) bzw. die “Regierungsprogramme” von SPD und CDU/CSU zur Bundestagswahl 2009 angeschaut (wird von allen Parteien als PDF angeboten). Z. B. wie viele Seiten eine Partei braucht um ihre Ideen unterzubringen:

  1. Bündnis 90/Die Grünen 229 Halbseiten (115 A4 Seiten)
  2. CDU/CSU 94 Seiten
  3. SPD 93 Seiten
  4. FDP 86 Seiten
  5. Die Linke 62 Seiten
  6. Piratenpartei 26 Seiten

Die Deutschen Grünen haben entweder das umfangreichste Wahlprogramm oder es ist am schwierigsten erklärt.

Wirklich interessant wird es wenn man die Wahl-/Regierungsprogramme mittels Wordle als Tagcloud darstellt (immer der Text nach dem Inhaltsverzeichnis und ohne Stichwortverzeichnis natürlich):

CDU/CSU
Regierungsprogramm CDU

SPD
Regierungsprogramm SPD

FDP
Wahlprogramm FDP

Die Linke
Wahlprogramm Die Linke

Bündnis 90/Die Grünen
Wahlprogramm Bündnis 90/Die Grünen

Piratenpartei
Wahlprogramm Piratenpartei

Spannend wie sich da angeblich typischen Merkmale bei CDU/CSU (Deutschland) und SPD (Arbeit) abbilden. Die FDP, die das am wenigsten gestaltete PDF-File auf ihrer Webseite anbietet, nennt sich darin dafür am häufigsten. Bei den Grünen ist kein Thema klar dominierend (was mich eigentlich wundert), dafür dominiert die “Krise”. Bei der Piratenpartei erkennt man die klare Fokussierung auf Bürgerrechte und die Linken sprechen von Gesellschaftsthemen.

Lustig finde ich ja wie oft das Wort “müssen” genannt wird, speziell bei den Grünen.

Inhaltlich  finde ich das Wahlprogramm der Piratenpartei am neuesten und innovativsten. Konzentriert auf das Wesentliche und genau diese Nische bespielend in der die Piraten wohl die Experten sind.

Ich bin sehr gespannt wie diese Wahl wohl ausgehen wird und welche Rolle das Internet in diesem Wahlkampf noch spielen wird.

EDIT: Ja, das Grüne Parteiprogramm hat auf jeder Seite den Satz “Aus der Krise hilft nur Grün”, deswegen ist wohl auch “Krise” das häufigste Wort bei den Grünen. Ich bin der Meinung, dass eine Partei, die explizit mit der Krise Parteiwerbung macht, es verdient, dass in der entsprechenden Tagcloud das Wort auch prominent vorkommt, aber wer damit nicht leben kann sollte sich diese Tagcloud anschauen oder sich das “Krise” wegdenken. Die anderen Parteien sind davon nicht betroffen da dort das Layout anders ist, bzw. ich die entsprechenden, offensichtlichen, Wörter (bei der CDU) entfernt habe.

Der ORF, die Grünen und das Sommergespräch

Politik, Mittwoch 12 August 2009 08:28

Ich habe jetzt einige Zeit zu den Grünen Vorwahlen geschwiegen. Nach meiner Ablehnung als Unterstützer war ich eigentlich so wie Gerald motiviert das ich “den Weg durch die Instanzen” gehe um mein Stimmrecht zu bekommen, ich habe auch einen zweiten Unterstützerantrag, vor dem Ablauf der Frist und auf dem offiziellem Formular, den Wiener Grünen zukommen lassen. Antwort dazu habe ich bis jetzt nicht bekommen.

Jetzt, mit einiger zeitlicher und räumlicher Distanz, sieht die Sache für mich anders aus.

Symptomatisch für den Umgang der Grünen mit den Grünen Vorwahlen und mit der angekündigten “Offenheit” sind für mich die Aussagen von Maria Vassilakou gestern im ORF Sommergespräch:


Da stellt Frau Thurnher eine Frage zu den Grünen Vorwahlen und behauptet das diese eine Idee der Grünen selber waren(!), obwohl ich noch letzte Woche von der ORF-Sommerredaktion angerufen wurde da sie wissen wollten ob das Absage-Email von Robert Korbei wirklich echt ist! Irgendwie symptomatisch für den schlechten Journalismus in Österreich.

Maria Viassilakou, die ich bis jetzt immer als Befürworterin der Grünen Vorwahlen gesehen habe (sie war ja auch beim letzten Infoabend dabei), fand es nicht mal die Mühe Wert darauf hinzuweisen das die Initiative NICHT von den Grünen selber ausgegangen ist (was man sehr gut positiv darstellen könnte, wo gibt es das sonst, dass WählerInnen sich engagieren?) , aber das ist nur ein “Nebenthema”.

Was mich wirklich gestört hat war, dass Frau Vassilakou wieder mit Zahlen herum schmeißt die nicht der Wahrheit entsprechen, da ist von 500 neuen Personen die Rede wenn es in Wirklichkeit nur 230 von den Grünen Vorwahlen sind (die in dem Interview angesprochen wurden) und insgesamt nur knapp 400 aufgenommen wurden. Auch schafft sie es nicht zu erklären warum Leute abgelehnt wurden und spricht wieder von Kriterien die, wie immer, nicht erklärt werden können oder dürfen.

Hier verstehe ich nicht warum sie so schlecht vorbereitet in die Diskussion gegangen ist, aber auch das ist symptomatisch für diese Partei.

Apropos Zahlen: lustig finde ich auch die widersprüchlichen Angaben zur Anzahl der Mitglieder/UnterstützerInnen der Wiener Grünen, im April war da von 1400 Personen die Rede, dann hieß es im Jahr kommen 100-200 dazu (dann müssten die Wiener Grünen aber schon viel größer sein), danach hieß es wieder es sind um die 1200.

Gestern sagte Frau Vassilakou es sind um die 1000. Das würde dann heißen, wenn man die Zahlen von Frau Vassilakou ernst nimmt, dass durch die Grünen Vorwahlen die Parteibasis verdoppelt wurde :)

Auch verstehe ich nicht warum Frau Vassilakou nicht offen sagt, dass sie als Klubobfrau der Wiener Grünen keinen Einfluss auf die Entscheidung des Landesvorstandes hat, da sie dort kein Stimmrecht hat. Oder ist dieses komische System zu schwer zu erklären?

Hier zeigt sich das die angebliche Offenheit der Wiener Grünen einfach nicht existiert.

Wenn als einziger konkreter politischer Erfolg in einer 60 Minuten Diskussion nur ein Biomassekraftwerk (das schon vor 2 Jahren eröffnet wurde!) übrig bleibt ist das eher armselig.

Gerade dieses Sommergespräch hat für mich wieder einen Punkt bestätigt:

Bei den Grünen geht es nur um Befindlichkeiten.

Auf allen Ebenen und als einziges Thema.

Und das ist mir einfach zu wenig.

Deswegen habe ich für mich persönlich die Entscheidung getroffen, dass ich, ähnlich wie Martin, mit den Wiener Grünen eigentlich nichts mehr zu tun haben will.

Ich schätze viele Personen sehr die ich im Rahmen der Grünen Vorwahlen kennen gelernt habe (auch von den Grünen!), aber so wie diese Partei momentan funktioniert und agiert kann ich es einfach nicht mit meinen Gewissen vereinbaren mich dort zu engagieren oder sie zu wählen (auch wenn es eigentlich keine Alternativen gibt).

Es ist mir einfach die Energie nicht wert. Leider!

Ich mache Urlaub mit Freunden!

Politik, Dienstag 7 Juli 2009 09:00

Wenn es etwas gibt, dass leider ein “Verdienst” von Jörg Haider ist, dann ist es der Umstand das der Begriff “Asylant” vor 25 Jahren eigentlich positives besetzt war (ich erinnere nur an die Menschen die während der Konflikte im ehemaligen Jugoslawien geflüchtet sind) und der durch die Politik der FPÖ/ des BZÖ  ins negative geändert wurde (Gleichstellung Asylant=Krimineller).

Das merkt man daran das die Frau Innenministerin Fekter eine Art “Wettrennen” um ein Asylzentrum (“Erstaufnahmezentrum Süd”) ausgerufen hat (SIC!), bei dem sich Gemeinden aus Kärnten gemeldet haben, die aber sofort vom Kärntner Landeshauptmann zurück gepfiffen wurden, da dies ja dem Fremdenverkehr schaden könnte.

Aus diesem Grund haben wir (Michaela Amort, Nicky Baeck, Gerald Baeck, Christoph Chorherr, Martin Schimak und ich) uns überlegt was man gegen diese verklärte Sichtweise machen kann und rufen deshalb zum Urlaub mit Freunden auf:

Urlaub mit Freunden

Die Idee ist ganz einfach:

Jede(r), der auf der Webseite unterschreibt, verspricht in dem Ort, in dem das Asylzentrum gebaut wird, Urlaub zu machen!

Wir wollen den Gemeinden Mut machen und die Angst nehmen, dass durch ein Asylzentrum der Fremdenverkehr einbrechen wird.

Außerdem wünschen wir uns einen Architekturbewerb für den Bau des Asylzentrum, damit dieses genauso einzigartig wird, wie die Menschen die dort Hilfe suchen.

Lasst uns gemeinsam ein Zeichen setzen!

Die Krone, das Österreich und die Umfragen

Politik, Montag 29 Juni 2009 14:15

Gestern hatten sowohl die Krone als auch Österreich den “Kampf um die Hofburg” auf dem Cover. Beide Zeitungen hatten Umfragen  zur Bundespräsidentenwahl in Auftrag gegeben und damit auch zu den beiden Prölls in der Spitzenpolitik. Interessant ist wie die Ergebnisse dieser Umfrage kommuniziert werden. Österreich sagt gleich am Cover was Sache ist ist:

Österreich Cover am 28. Juni 2009

Die Krone nennt diese Zahlen nur in einem Nebensatz:

Umso erstaunlicher, dass laut IMAS bereits jetzt 20% der Österreicher im Duell um die Hofburg Pröll der Favoritenrolle sehen und Heinz Fischer trotz Amtsbonus bei 62%.

Aha, ohne Amtsbonus hätte er dann 90%?

Spannend ist auch dass das von der Krone beauftragte und als eher bürgerlich bekannte IMAS-Institut, im direkten “Duell” zwischen Fischer und Pröll Senior dem Niederösterreichischem Landeshauptmann schlechtere Umfragewerte nachsagt als Gallup in der Umfrage für Österreich (62%:20% Krone, 62%:25% Österreich).

Die Krone verpackt ihre Bundespräsidenten-Umfrage auch unter einem anderen Titel:

Cover Kronenzeitung 28. Juni 2009

Eigenartig ist in dem dazugehörigen Artikel diese Umfrage, die klar darauf abzieht Herrn Fischer in ein schräges Licht zu stellen:

Krone: Einfluss Bundespräsidenten

Da wird als Referenz eine Umfrage herangezogen aus dem Jahr 1992 (!), damals wurde gerade Thomas Klestil dass erste Mal gewählt, Heinz Fischer ist erst zwölf Jahre später Bundespräsident geworden, da gibt es doch sicher jüngere Zahlen, aber die passen wohl nicht in das Konzept.

In dem Krone-Artikel wird auch ausführlich beschrieben was die ÖsterreicherInnen davon halten wenn Onkel Pröll und Neffe Pröll staatstragende Funktionen einnehmen würden:

Nur 30% der Befragten wäre eine solche Situation unvereinbar mit ihrem demokratischen Empfinden. Eine massive Mehrheit von 62% erhebt jedoch keine Einwände, füs sie ist das schlicht kein Problem.

Soweit so gut oder schlecht, jetzt wird es spannend:

Gegner einer familiären Verkettung in hohen politischen Funktionen sind in diesem speziellen Fall in weit überdurchschnittlicher Zahl Anhänger der SPÖ und der FPÖ.

Da fängt für mich das Problem an:  Ein an sich demokratisches  “Problem” wird plötzlich zu einem parteipolitischem “Problem”! Wobei man hier noch sagen könnte das ist eine Auslegung der Kronenzeitung, aber weit gefehlt, es geht noch weiter:

Für IMAS-Forscher Paul Eiselsberg daher ein Indiz, dass diese Ablehnung im starken Maße parteipolitisch begründet ist.

Hier hört der Spass auf!

Da werden Äpfel mit Birnen verglichen und das IMAS glaubt dass auch noch!

Das ist doch  genauso wie wenn ich sagen würde dass die Gewaltentrennung parteipolitisch begründet ist.

Ich wurde als Grüner Unterstützer abgelehnt

Politik, Sonntag 21 Juni 2009 11:34

Soeben bekam ich folgende Email:

ablehnung

Ich will jetzt gar nicht auf diese Mail eingehen, dazu später mehr.

Nur eine kleine Metapher dazu (ich besitze keinen Führerschein):

Da spart jemand  Jahre lang, um sich endlich sein Lieblingsauto zu kaufen und plötzlich erklärt einem die geliebte Automarke: “Wir wissen,  nicht welchen Sinn es macht, ihnen eines unserer Produkte zu verkaufen, da sie ja nur damit fahren möchten”, deswegen verbietet man einem den Kauf.

Was wird diese Person ihren Freunden sagen?

“Tolle Marke, aber vegiss es, in fünf Jahren bekommst du keine Ersatzteile mehr!”

Die Grünen, die Podiumsdiskussion und mein geheimer Putschplan!

Politik, Sonntag 7 Juni 2009 10:48

Am Donnerstag fand im Kent eine Podiumsdiskussion mit dem Titel “Take over your local Green party” statt, organisiert von der Initiative Grüne Vorwahlen (ohne Fördermittel und ohne Hilfe von den Grünen oder sonstigen Organisationen organisiert, das Budget war 0 Euro, wollte ich nur mal gesagt haben).

Im Zuge der Diskussion gab es einige sehr heftige Meinungen, die im sehr gut besuchten Keller (fast 100 Personen) für Raunen, Applaus, Zustimmung oder Ablehnung sorgten, die Emotionen gingen hoch.

Ich fand die Diskussion sehr spannend, sie bestätigte aber einen Punkt:

Die Wiener Grünen diskutieren zwar jetzt schon zwei Monate(!) darüber, wie sie mit den Unterstützungsanträgen umgehen wollen, sind aber leider noch keinen Millimeter weiter gekommen. Es werden immer die gleichen Fragen gestellt und die gleichen Vorwürfe gemacht, traurig! Zum Glück aber gibt es auch viele bei den Grünen die verstehen um was es bei den Grünen Vorwahlen geht, diese wurden am Donnerstag teilweise von den eigenen Leuten angegriffen und vor dem Kopf gestoßen.

Dank der Leute von ichmachpolitik.at gibt es die Diskussion jetzt auch Online, absolut Sehenswert! Hat alles was ein guter Spielfilm braucht: Emotionen, Action und sogar über Sex wird gesprochen :) , hier Teil 1:

Hiier Teil 2:

Symptomatisch war die Wortmeldung von David Ellensohn (ab Minute 31:30 in Teil 2).

Ich behaupte: Jemand der,

  • ehemaligen Parteimitgliedern anderer Parteien das Recht abspricht bei den Grünen mitzuarbeiten,
  • UnterstützerInnen global als “rechter stehend” bezeichnet,
  • 2009 immer noch dem Straßenkampf(!) huldigt und stolz darauf ist Morddrohungen zu bekommen,
  • außer dem Straßenkampf keinerlei Konzepte gegen die Rechten Parteien hat,
  • die selbe Sprache wie die FPÖ verwendet (“Wer war denn dort bei der Demo gegen die rechten Trotteln?”),
  • nicht versteht das Demokratie kein Krieg ist, deswegen “Kampf gegen Rechts” schon von der Metapher her falsch ist  (oder will Ellensohn alle FPÖ-WählerInnen als Kriegsgefangene einsperren?),
  • jeden, der nur den geringsten Zweifel an dieser Art der “Kriegsführung gegen Rechts” hat, sofort bei den Grünen ausschließen will,
  • eine Überprüfung/Gesinnungstest jedes/jeder einzelnen UnterstützerIn fordert,
  • diesen Beitrag entweder gar nicht gelesen hat oder nicht verstanden hat, ihn aber zitiert,

hat nichts bei den Grünen verloren.

So jemand ist (leider) ein Armutszeugnis der (linken) Politik in Österreich, siehe auch die Antwort von Robert Menasse dazu im Video.

Deswegen offenbare ich hier und jetzt meinen persönlichen, während dieser Wortmeldung von David Ellensohn entwickelten, streng geheimen Putschplan für die Wiener Grünen (falls ich als Unterstützer angenommen werde):

Ich werde David Ellensohn am 15. November NICHT wählen.

Das ist meine ganz persönliche Entscheidung, ich steh dazu.

Fürchten sich die Wiener Grünen jetzt vor mir? Ich denke nicht, oder?

EDIT: am 15. November findet die Landesversammlung der Wiener Grünen statt, wo über die Listenplätze für die Gemeinderatswahl 2010 abgestimmt wird.

Grüne Vorwahlen: Open House Camp und Podiumsdiskussion

Politik, Dienstag 2 Juni 2009 08:09

Diese Woche gibt es gleich zwei Veranstaltungen zu den Grünen Vorwahlen!

Heute findet bei den Wiener Grünen, in der Lindengasse 40, 1070 Wien, ab 18:30 Uhr, das Open House Camp statt:

Open House Camp

Die Idee ist das Grüne und (hoffentlich bald angenommene) UnterstützerInnen gemeinsam, in Form eines Mini-Barcamps, sich austauschen.

Ich möchte gerne Auswertungen über die bisherige Berichterstattung zu den Grünen Vorwahlen im Internet präsentieren, freue mich schon!

Am Donnerstag gibt es dann im Restaurant Kent, Brunnengasse 67, 1160 Wien, 19:00 Uhr,  eine Podiumsdiskussion unter dem Titel:

Take over your local Green party

Mit dabei sind:

Moderiert wird die Veranstaltung von Edith Meinhart, Autorin und Journalistin.

Also zwei Mal die Chance sich mit Politik zu beschäftigen :)

Der Eintritt zu beiden Veranstaltungen ist natürlich frei!

Hinkommen!

Die Grünen, der Report und das Gefühl für Zeit

Politik, Mittwoch 27 Mai 2009 14:25

Gestern lief im Report ein langer Beitrag über die Grünen Vorwahlen, danke an gundvienna fürs super schnelle Online stellen:

Nachdem wir uns den Beitrag beim gestrigen (gut besuchten) Infoabend angeschaut hatten, meinten die anwesenden Grünen PolitikerInnen: “War ja gar nicht so schlimm für uns Grüne”.
Dass kann man so oder so sehen.

Gut finde ich die Aussage von Maria Vassilakou:

Ich gehe davon aus, dass weitestgehend alle oder fast alle aufgenommen werden.

Wobei sich hier für mich folgende Frage stellt:

Wie ist das “fast” definiert?
Ist es nicht schon egal ob ich 400, 402 oder 405 Personen aufnehme?
Würde nicht jede(r) nicht aufgenommene(r), vor allem nach so einem Report-Beitrag, einen medialen Aufschrei auslösen?

Vor allem wo Frau Vassilakou nicht im Landesvorstand sitzt, d.h. gar nicht die Entscheidung treffen kann/muss.

Wenn man sich dann die Aussage von Markus Rathmayer, Mitglied des Grünen Landesvorstandes anhört:

Es ist noch kein einziger Antrag in irgendeiner Form behandelt worden, sondern wir haben uns bis jetzt immer noch über Grundsätzliches unterhalten und darüber diskutiert wie definieren wir denn oder wie legen wir denn das Statut aus, in dieser Form wie es jetzt da liegt. Wichtig ist einfach für uns das wir auf einer wirklich individuellen Basis entscheiden und nicht irgendwelche pauschalen Aufnahmen oder Ablehnungen hier machen, dass wäre für uns nicht Zulässig

Da frage ich mich: Ok, seit 57 Tagen denken die Wiener Grünen darüber Grundsätzlich nach, wie lange wird dann wohl die “Entscheidung auf wirklich individueller Basis” dauern?

Ob sich das zur Gemeinderatswahl 2015 ausgehen wird?

Christoph Chorherr hat schon recht das wichtige demokratische Entscheidungen Zeit brauchen, aber die zeitlichen Horizonte sind anscheinend innerhalb der Wiener Grünen anders definiert als bei ihren WählerInnen.

Gastbeitrag: Argumentarium “Netzsperren gegen Kinderpornographie?”

Internet, Computer undPolitik, Montag 18 Mai 2009 15:29

Gastbeitrag von Michael Eisenriegler.

1. Gegen wen richten sich Netzsperren gegen Kinderpornographie?
Es ist schon jetzt so, daß “echtes” kinderpornographisches Material im Netz nur dann zu finden ist, wenn man genau weiß, wo man suchen muß. Ein versehentliches Anklicken, auch über legale Pornoseiten, kommt praktisch nie vor, da sich die legale Pornoindustrie aus ihrem ureigensten Interesse sehr streng von der Kinderporno-Szene abgrenzt. Netzsperren richten sich also nur gegen Leute, die bewußt auf der Suche nach Kinderpornos sind. Selbst wenn aber “Neugierige” dadurch am Ansehen solchen Materials gehindert würden, wäre das für die Verhinderung von Kindesmißbrauch irrelevant, da solche Personen ja nicht dafür zahlen würden.

2. Sind Netzsperren effizient?
Netzsperren sind in jeder Form einfach zu umgehen, zum Beispiel durch die Nutzung anderer Nameserver, offener Proxyserver oder durch frei verfügbare Anonymisierungsdienste. Anleitungen dazu sind im Netz leicht zu finden, die Installation einer solchen Umgehungsstrategie dauert nur wenige Minuten. Es ist davon auszugehen, daß jemand, der am Konsum von kinderpornographischem Material wirklich interessiert ist, auch in der Lage ist, solche Modifikationen an seinem Internetzugang vorzunehmen.

3. Was sind die Nebeneffekte von Netzsperren?
Durch die verpflichtende Einführung von Netzsperren werden Provider gezwungen, das Internet in “gute” und “böse” Seiten zu unterteilen. Durch die dazu notwendige Infrastruktur ergibt es sich praktisch zwangsläufig, daß bei den Providern auch Daten anfallen, wer “böse” Seiten anzusurfen versucht. Auch wenn diese Daten zunächst nicht mitgespeichert oder nicht herausgegeben werden, so wäre es in einem nächsten Schritt ein Leichtes, die Provider rechtlich zur Herausgabe der Userdaten zu zwingen (z.B. um Kinderporno-Konsumenten strafrechtlich zu belangen). Es benötigt nicht sehr viel Phantasie sich vorzustellen, welche demokratiepolitischen Konsequenzen daraus fast zwangsläufig entstehen, denn durch diese Art von Infrastruktur kann auch jede andere Art von Userverhalten aufgezeichnet und ausgewertet werden.

4. Was hat die Musikindustrie damit zu tun?
Die Musikindustrie hat großes Interesse an der Verfolgung von Kinderpornokonsumenten. Sobald die Infrastruktur bei den Providern funktioniert ist es absehbar, daß sie massives Lobbying betreiben wird, damit auch Filesharing-Seiten darüber blockiert werden. Der deutsche Universitätsprofessor Dr. Thomas Hoeren vom Institut für Informations-, Telekommunikations- und Medienrecht an der Universität Münster sagt dazu in einem Interview:

Ich habe den Eindruck, dass die Familienministerin nicht weiß, wessen Interessen sie tatsächlich Rechnung trägt. Für die Musikindustrie, die seit Jahren die Nutzer von Privatkopien kriminalisieren möchte, ist das, was jetzt im Jugendschutz geschieht, das Beste, was passieren kann. Damit lässt sich die Ministerin letztlich auch instrumentalisieren.

Dieser Zusammenhang wird von der Musikindustrie auch selbst hergestellt:

Dieter Gorny, Vorstandsvorsitzender des Bundesverbands Musikindustrie, hakte sich sogleich bei der Ministerin ein: ‘Der Vorstoß der Familienministerin zum Verbot von Kinderpornografie im Internet ist ein richtiges Signal. Es geht um gesellschaftlich gewünschte Regulierung im Internet, dazu gehört auch der Schutz des geistigen Eigentums.

5. Welche weiteren demokratiepolitischen Konsequenzen sind absehbar?
Nachdem sich relativ bald nach Einführung der Netzsperren herausstellen wird, daß diese größtenteils nutzlos sind, wäre es logisch im nächsten Schritt zu versuchen, die oben geschilderten Umgehungsstrategien gesetzlich zu verbieten. Dadurch würde dann jeder Internet-User, der aus irgendwelchen – völlig legitimen – Gründen gerne anonym im Netz surfen will, zwangsweise kriminalisiert, was letztendlich zu einer massiven Einschränkung der Grundrechte auf Informations- und Meinungsfreiheit sowie des Schutzes der Privatsphäre führen würde. Andersrum ausgedrückt: Die Benutzung des Internets wäre nur noch möglich, wenn man dabei in Kauf nimmt, daß der eigene Provider, der Staat und auch die Eigentümer der besuchten Websiten wissen oder zumindest leicht feststellen können, was sich jemand wann angesehen hat.

6. Was kann man wirklich gegen Kinderpornographie tun?
So wie bei jedem Verbrechen besteht die sinnvollste Möglichkeit zur Verfolgung darin, die Verbrecher zu belangen, wie dies ja schon seit Jahren auf Basis internationaler Zusammenarbeit zwischen Behörden, Internet-Providern und Kinderschutzorganisationen durchaus erfolgreich geschieht (siehe z.B. http://www.stopline.at/, https://www.inhope.org/).
Darüber hinaus kann der Effekt der Netzsperren mit geringerem Aufwand auch dadurch erreicht werden, daß die Provider, die das Material hosten, einfach darauf aufmerksam gemacht und gebeten werden, dieses zu entfernen. Andrea Mayer-Edoloeyi schreibt dazu etwa in der facebook-Gruppe “Gegen Internetsperren in Österreich!“:

Was sind die Alternativen, um Kinderpornos zu bekämpfen? Eine dt. Kinderrechsorganisation hat 1 Tag Arbeit investiert und Mail an 20 Provider geschrieben, die auf der dänischen Sperrliste standen. Dadurch waren 16 Kinderporno-Seiten weg. Ein Weg, nicht der einzige, aber zielführender als Internetsperren.

(Quelle)

7. Fazit
Netzsperren sind gegen die Verbreitung und insbesondere gegen die Produktion von Kinderpornographie größtenteils unwirksam. Es profitiert davon in weiterer Folge allenfalls die Musikindustrie, die demokratie- und gesellschaftspolitischen Folgen sind dagegen unabsehbar.

Dieser Artikel wurde von Michael Eisenriegler der Public Domain zur Verfügung gestellt. Jeder möge damit tun, was er oder sie für richtig hält. Hoffentlich nützt es etwas…