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Archiv des Tags ‘Zukunft’

Der Meinl, der Staat und das Geld

Politik, Freitag 3 April 2009 07:25

Das kann ich mir wunderbar bildlich vorstellen:

1. Akt

Donnerstag, 2. April, Vormittag. Es geht um die Verhängung der U-Haft über Julius Meinl den V. Die Haftrichterin sitzt mit ihrem Team zusammen:

Haftrichterin: Die Indizien sprechen dafür, ich verhänge die Untersuchungshaft über Julius Meinl den V.

Beamter A: Sehr gut! Da wird sich die Ministerin freuen!

Beamter B: Frau Haftrichter, sie sollten noch eine Kaution nennen, klingt immer gut! Halt so hoch das es eh nie jemand zahlen wird, aber die Presse wird sich sicher freuen wenn’s eine hohe Zahl hat.

Haftrichterin: Da haben sie recht, was wäre den da eine passende Summe? Eine Million?

Beamter A: Viel zu niedrig, das zahlt der ja aus der Portokassa!

Beamter B: Nehmens zehn, das klingt besser!

Haftrichterin: Wenn’s alle schon hohe Zahlen haben wollen dann richtig, machen wir gleich 100 Millionen!

Beamter A, ganz entsetzt, deswegen im Dialekt: Des san ja über 1,3 Milliarden olde Schilling, des ist vül, des zohlt erm niemand!!

Beamter B, scherzt: Wenn er abhaut spenden wir es der Schmied! (alle lachen)

Haftrichterin: Dann ist es beschlossen, die Kaution für Herrn Julius Meinl den V. beträgt 100 Millionen Euro und er muss seinen Britischen Pass abgeben.

Beamter A: Net amol a Österreicher!

Ende 1. Akt

2. Akt

Donnerstag, 2. April, früher Nachmittag:

Beamter B stürmt, ohne anzuklopfen, in das Zimmer der Haftrichterin.

Beamter B: Frau Richter, Frau Richter, der Meinl hat die 100 Mille bezahlt!

Haftrichterin: Machen’s keine Aprilscherze!

Beamter B: Doch! Aus Luxen, äh, Lichtenstein überwiesen!

Haftrichterin: Und wie soll das gehen? Bei mir dauert eine Überweisung immer zwei Werktage!

Beamter B: Keine Ahnung, aber er ist ja Banker, der wird schon wissen wie das geht.

Haftrichterin: Haben sie es schon der Ministerin gesagt?

Beamter B: Nein, das ist ihre Aufgabe…

Haftrichterin: Dann muss mir was einfallen lassen… Ah, ich weiß schon, wir brauchen 24 Stunden um das Geld zu zählen, der Meinl muss bis Freitag noch in U-Haft bleiben, das klingt doch gut, oder?

Beamter B: Gute Idee, das glaubt jeder!

Ende 2. Akt

3. Akt

In der nahen Zukunft, Julius Meinl der V. ist aus der U-Haft entlassen worden.

Haftrichterin, Beamter A und Beamter B werden zur  Ministerin gerufen:

Ministerin: Wie konnte das passieren?

Haftrichterin: Die Beamten sind Schuld!

Beamter A und B Gleichzeitig: Haben wir wissen können das der Meinl auch einen Personalausweis hat?

Vorhang

Ist rein fiktiv (es gilt für alle die Unschuldsvermutung) aber irgendwie kann ich es mir gut so vorstellen, ich hoffe nur auf ein anderes Ende!

Fotos der Postsparkasse 1906-1973

Zukunft, Dienstag 10 März 2009 17:57

Da ich aufgrund einer andere, sehr, sehr spannenden Geschichte (dazu ein anderes Mal mehr!) heute das Archiv meines vor über 30 Jahren verstorbenen Vater durchstöbert habe (über 50 Bananen-Kartons, seit ende der 70er nicht angerührt), wurde ich auf Fotos der von Otto Wagner geplanten und 1906 in Wien eröffneten Postsparkasse aufmerksam.

Diese Fotos finde ich insofern interessant da logischer Weise die sehr alten Fotos “sehr alt” sind, aber die Fotos aus den 50er, 60er und 70er eigentlich genauso alt wirken, da es ja damals z. B. noch keinen Computer gab.

Hier mal die “sehr alten”, 1906-1928, der Bilduntertitel ist der Text der auf der Rückseite der Fotos steht:

Kassensaal der Postsparkasse 1906Büroraum um 1910
Hauptkasse um 1910Kassensaal der Postsparkasse 1928

Vor allem die Arbeitssituation ist interessant!

Jetzt zu den Fotos 1955-1973, wenn man es genau betrachtet ist da die Arbeitssituation nicht viel besser, bei einem einzigem Foto steht der Fotograf dabei:

Büroraum im Postsparkassengebäude um 1955Toto-Wettscheinabgabe 1955, heutiges Scheckbüro (?)ehemaliges Scheckbüro
Büroraum im Postsparkassengebäude um 1960Haptkasse um 1970Kassensaal der Österreichischen Postsparkasse vor der Renovierung (März 1973)
Vom Bundesdenkmalamt genehmigter Schalter (wohl auch 1973)

Da merkt man erst wie viel sich in den letzten 35 Jahren geändert hat! Alleine das “Scheckbüro” und die “Hauptkasse” zeigen ein komplett anderes Bild von einer Bank als man es heutzutage gewohnt ist.

Anfang der 70er wurde die Postsparkasse groß renoviert (dazu gibt es auch noch genügend Zeitungsartikel im Archiv meines Vaters da es viele Diskussionen gab wie weit man sich an das Original halten soll) und in diesem Zusammenhang sind wohl auch diese Fotos bei meinem Vater gelandet.

Die Postsparkasse wurde 2003-2005 wieder renoviert und ist auf jeden Fall sehenswert, mehr Infos dazu gibt es hier (mit Panoramabild).

Videos, Standbilder und die Qualität

Zukunft, Dienstag 27 Januar 2009 09:35

Das finde ich ein sehr interessantes Projekt für ein altes Problem: Videos mit Consumer-Digitalkameras zu machen ist zwar nett, nur ist die Auflösung bei weitem nicht so gut wie bei Standbildern mit der selben Kamera. Zukünftige Moderne Digitalkameras schaffen es aber während der Videoaufnahme in regelmäßigen Abständen ein hoch auflösendes Foto zu machen.

Darum die Frage: kann man diese Fotos verwenden um die Qualität des Videos zu verbessern?

Ja! Lautet die Antwort eine Teams des “Graphics And Image Laboratory” (GRAIL) an der University of Washington.

Das Projektteam hat ein Video veröffentlicht das ihre Ergebnisse eindrucksvoll zeigt:


Spannend, denke auch das damit einfach höchst auflösende Videos möglich sind, damit meine ich jetzt nicht HDTV sondern eher 4k . Auch sind die Slowmotion-Möglichkeiten faszinierend!

Oder aber die Berechnung in Echtzeit, würde z. B. die Datenmenge weiter verringern, was dann wohl eine Weiterentwicklung von derzeitigen Komprimierungsalgorithmen wäre.

Mehr Infos gibt es auf der Projektseite des Teams.

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G1: It’s In The Software, Stupid!

Mobile, Freitag 23 Januar 2009 16:17

Nach der Hardware jetzt zur Software.

Wobei man hier auch über Konzepte sprechen muss. Bekannt ist das iPhone Konzept: “We know what’s good for you!”. Anders gesagt: Apple bestimmt was auf deinem iPhone läuft und was du darfst. Wenn Apple dir einen Browser “zur Verfügung” stellt dann darf es keinen anderen Browser auf dem iPhone geben.

Noch ein wunderbares Beispiel ist die Fähigkeit Videos aufzunehmen, Apple will das nicht und deswegen darfst du es nicht (mit JailBreak geht es wunderbar).

Dieses Konzept ist nur dann erfolgreich wenn die zur Verfügung gestellten Software brauchbar ist, was beim iPhone über weite Strecken der Fall ist.

Ganz anders ist das das G1 Google/T-Mobile Handy:

Jede Applikation ist ersetzbar. Google hätte zwar gerne das du ihre Produkte verwendest, aber wenn die eine andere Email-Applikation willst: Gerne, vielleicht gibt es sie ja schon, wenn nicht schreib sie dir selber!

Hier ein Beispiel: Der eingebaute Browser ist ganz ok, aber man muss immer die Tastatur aufmachen wenn man eine URL eingeben will. Deswegen gibt es “Steel” im Google Market, dort gibt es ein Onscreen-Tastatur die fast besser als am iPhone funktioniert da bei jedem Tastendruck kurz das Handy vibriert, ein einfaches, aber sehr wirkungsvolles Feedback. Hier die beiden Browser, Steel kann auch Fullscreen und Autorotate:

Eingebauter BrowserSteel Browser

Ein Beispiel von vielen! Und wie bei einem normalen Rechner  kann man natürlich “Steel” auch zum Standardbrowser machen (wie wär’s mit einer Kartellklage gegen Apple da sie ein Handy mit eingebautem, nicht ersetzbaren Browser ausliefern? :) ).

Im Gegenzug zu dieser Freiheit sind dann leider die mitgelieferten Applikationen teilweise eigenartig. Das GMail sehr gut funktioniert ist klar, aber der “normale” Email-Client ist etwas komisch. Ich habe es bis jetzt nicht geschafft eine Mail auf meinem IMAP-Server verschieben zu können. Auch verweigert der EMail-Client den Dienst wenn das SSL-Zertifikat des Mailserver nicht wirklich zertifiziert ist, am iPhone geht das wunderbar, Schade! Aber wie gesagt, “Do It Yourself!”.

Ein anderes Konzept ist Multitasking. Das iPhone könnte es zwar, nur wird es nicht verwendet da Apple weiß das dadurch der Akku sofort leer ist. Das G1 kann Multitasking und dadurch ist der Akku fast immer sofort leer :) Bin aber der Meinung das Multitasking definitiv die Zukunft ist, schließlich soll mein Chat-Client unterbrochen werden wenn ich telefoniere? Oder mein GPS-Tracking?

Für mich gibt es aber ein Konzept von Android das ich wirklich liebe: Die Programmübergreifende Back-Taste!

Try this on your iPhone: Aus irgendeiner Applikation eine URL aufrufen die Safari am iPhone öffnet. Um wieder zur Applikation zurück zu kommen muss Safari geschlossen werden und die Applikation wieder gestartet werden, möglicherweise ist sie dann in einem anderen Status als vorher.

Nicht so am G1-Handy: URL aufrufen, der Browser öffnet sich. Sobald man zurück will einfach die Back-Taste drücken, fertig, man befindet sich in der anderen Applikation dort wo man vorher war. Ein wunderbares Konzept das sich hoffentlich durchsetzen wird.

Hier sieht man das die Software noch einiges an Potential hat, auch wenn es noch etwas dauern wird bis sie soweit ist.

PS: Gratulation an Barbara, sie hat den zehnten Testplatz auf Mobileblogger.at gewonnen!

G1: Die Hardware und der Stylefaktor

Mobile, Sonntag 18 Januar 2009 18:22

Jetzt habe ich mich ein paar Tage mit dem Google/T-Mobile G1 beschäftigt. Hier einmal meine Eindrücke von der Hardware.

Das G1 liegt recht gut in der Hand. Dte Verarbeitung ist typisch HTC: schaut schleißig aus (z.B. das bewegliche Display schließt nicht ganz mit dem Unterteil bündig ab) aber da ich jahrelang ein HTC-Handy hatte weiß ich das diese Dinger viel aushalten. Auch HTC-typisch sind die LEDs oben am Display die blinken wenn z. B. der Akku leer wird (HTC-untypisch blinken sie nicht immer :) ). Aber jetzt der Reihe nach:

Das Display

Das G1-Display

Das Display des G1 ist sehr gut (das Foto ist mit dem iPhone gemacht, irgendwie schaffe ich es nicht das es scharf wird…). Der Kontrast ist wunderbar und lässt sich auch schön einstellen (Automatisch wie beim iPhone gibt es derzeit nur im Zusammenhang mit Energiesparmaßnahmen). Der Touchscreen funktioniert einwandfrei, wenn auch anders als beim iPhone, nämlich eigentlich genauer, dafür gibt’s kein Multitouch. Beim Onscreen-Keyboard z.B. in der Applikation “Steel” vertippe ich mich weniger als auf dem iPhone. Das einzige das mich ein bisschen stört ist das kleiner Display als am iPhone, aber das wird sich in Zukunft sicherlich ändern.

Die Kamera

Die Kamera des G1 Handys hat eine Auflösung von 3,2 MP, also mehr als die des iPhones (2MP). Auch ist die Linse besser da sie richtig fokussiert (dadurch dauert aber auch das Auslösen länger). Was noch nicht wirklich funktioniert ist der Weißabgleich, hier ein iPhone-Foto und ein G1-Foto im Vergleich:

Foto mit der G1 Kamera gemachtFoto mit der iPhone-Kamera gemacht

Man sieht sofort das beim G1 der Weißabgleich viel zu hart ist. Dafür ist die Tiefenschärfe besser, hier wirkt sich die Linse aus.

Die Tastatur

die G1-Tastatur

Ich hatte jahrelang ein HTC-Handy und liebte die Tastatur, deswegen hatte ich mich auch auf die G1-Tastatur gefreut. Soweit ist sie brauchbar, hat aber für mich drei Probleme:

1. Die Backspace-Taste liegt gleich über der Return-Taste, einmal vertippt und schon ist nur die halbe Message auf Twitter gelandet da man ja eigentlich einen Fehler ausbessern wollte…

2. Die Hintergrundbeleuchtung verringert die Lesbarkeit der Tasten noch weiter und ist so irgendwie unbrauchbar.

3. Die Kante des hoch-geschobenen Displays wirft, aufgrund seiner Dicke, fast immer einen Schatten auf die Tastatur und macht das tippen noch schwerer.

Positiv finde ich dass das Handy mit ausgefahrener Tastatur sehr gut in der Hand liegt und das tippen, wenn man die drei Probleme im Hinterkopf hat, funktioniert recht gut (besser als am iPhone).

Die Funktionstasten/Der Trackball

Die G1-tasten

Im Vergleich zum iPhone hat das G1-Handy ja jede Menge Tasten. Die Telefon- und Auflegen-Tasten wären ja nicht so notwendig, manchmal  aber sind sie auch praktisch. Die “Home”-Taste entspricht der gleichnamigen Taste am iPhone.

Genial finde ich die “Back”-Taste in Verbindung mit dem Android-Betriebssystems, aber dazu ein anderes Mal mehr.

In der Mitte befindet sich der Trackball mit eingebauter Klick-Funktion. Mit ihm lässt sich wunderbar navigieren, auch im Webbrowser sehr gut einsetzbar. Außerdem wird mit dem Trackball Copy & Paste zum Kinderspiel. So sehr ich die Navigation mit dem Finger am iPhone liebe, mit dem Trackball ist oft der Finger nicht immer im Blickfeld :)

Es gibt noch eine Wipp-Taste links oben am Handy für die Lautstärke (so einen feinen Stumm-Schalter wie beim iPhone gibt es leider nicht). und rechts unten der Auslöser für die Kamera (die momentan fix davon ausgeht das man das Handy zum fotografieren dreht).

Der Akku

Ja, da sieht man die Nachteile von Multitasking… Wenn man andauernd mehrere Programme laufen hat ist der Akku schnell leer. Anscheinend ist das Powermanagement auch noch nicht fertig programmiert, denn wenn ich das Handy, voll aufgeladen, in der Früh vom Strom trenne, kein einziges Gespräch mache und auch sonst das Handy maximal insgesamt zehn Minuten verwende aber der Twitterclient im Hintergrund alle fünf Minuten die neuen Tweets holt ist am Abend der Akku komplett leer. Hier gibt es, siehe iPhone (da hat es auch ein paar Softwarefixes gebraucht), noch viel Optimierungsbedarf.

Das Gehäuse und der Stylefaktor

Die komische Biegung des Handys hat wohl den Sinn den Trackball zu schützen:

Seitenansicht des Gehäuses

Mich stört diese Biegung, da damit das Handy, das so schon relativ dick ist, noch dicker wird (übrigens, die Taste die man auf dem Foto sieht ist der Kamera-Auslöser).

Das bringt mich auch zum Stylefaktor: Das Handy sieht aus wie ein Developer-Ding und genau das ist es wohl auch.

Stylisch ist es nicht unbedingt, obwohl es besser aussieht als ich es erwartet habe.

Fazit: Das große Plus des G1 ist die Software, die hat einige Funktionen und Konzepte die ich beim iPhone (schmerzlich) vermisse. Die Hardware ist brauchbar und erfüllt seinen Zweck, aber hier wird die Zukunft wohl weitaus besseres bringen.

Wahl08: Ein kleiner Rückblick

Politik, Freitag 3 Oktober 2008 09:35

DIe Wahl ist geschlagen, die Wunden sind geleckt (wobei ich schon 14 Tage vor der Wahl das Endergebnis fast auf die Stelle hinter dem Komma genau vorhergesagt habe). Von meinen drei prognostizierten Rücktritten von SpitzenkandidatInnen sind zwei bereits alle vollzogen (beim LIF wohl gleich gründlich mit dem Ende der Bewegung).

Was hat diese Wahl aber noch gezeigt?

1. Die Macht der Kronen Zeitung ist nicht unendlich

Auch wenn man noch soviel Werbung für eine Partei macht wird’s nicht mehr als 30%. Außerdem könnte man das bewerben von Faymann auch positiv auslegen, wie dieser Leserbrief in der gestrigen Krone behauptet:

Somit ist DIchand wohl endgültig gescheitert mit seinem Versuch die politischen Verhältnisse in Österreich zu bestimmen und nicht nur zu beeinflussen. Siehe dazu auch die die Daten von Georg, die zeigen dass die Macht der Krone zwar groß, aber nicht unendlich ist.

Weitaus mehr endlich ist natürlich auch die Macht von “Österreich”.

2. Die Grünen haben versagt

Die Grünen haben mit ihrem Wahlkampf bewiesen das sie DRINGEND eine Erneuerung brauchen. So eine Chance ungenutzt zu verstreichen zu lassen regt mich wirklich auf. Wobei ich hier nicht der Agentur oder den Beratern die Schuld gebe sondern der Partei, denn wenn nichts da ist kann auch nichts daraus gemacht werden. So sehr Van der Bellen wichtig für die Grünen ist ist er auch ein Symbol dafür das hinter ihm die Personen (bis auf eine handvoll Ausnahmen) fehlen. Dazu gibt es eine sehr gute Analyse (und Diskussion) von Helge und ein sehr gutes Interview von Christoph Chorherr im heutigen Standard das anscheinend Online nicht verfügbar ist, deswegen habe ich es eingescannt:

3. Eine Person und sei sie noch so gut, reicht nicht

Das Liberale Forum hat mit ihrem Wahlkampf gleich einige Dinge eindrucksvoll bewiesen: Einerseits,  dass eine Person alleine und eine nicht vorhandene Struktur zu wenig ist und anderseits das ein auch noch so guter Internetwahlkampf in so guter Zeit einfach nicht funktionieren kann.

Ausserdem hat das LIF ein Paradebeispiel für schlechte Kommunikation rund um die Eurofighter-Geschichte abgeliefert. Nach dem “News”-Artikel waren da nur kleine Berichte in den Medien, nur am Blog  von Heide Schmidt wurde die Ehrlichkeit von Alexander Zach in Frage gestellt. Hier hätte man sofort drauf reagieren müssen (und nicht nur Kommentare löschen), denn das Web2.0 kennt keine Gnade für Lügner.

Das ist nicht passiert und somit hat das Debakel seinen Lauf genommen (die Ankündigung einer nächtlichen Krisensitzung hat dann so richtig die Aufmerksamkeit gebracht). Wie gesagt, ein Lehrstück.

4. Der Rechtsruck

Der Rechtsruck ist Schlimm war aber leider vorhersehbar. Wobei ich davon ausgehe das 60-70% der “RechtswählerInnen” ProtestwählerInnen sind die in Deutschland z. B. “Die Linken” oder in Bayern die “Freie Wähler” gewählt haben.

Trotzdem ist es Schlimm und zeigt das die Politik der letzten 10 Jahre, angeführt von Wolfgang Schüssel, komplett versagt hat (habe mir erst vor kurzem die Karikaturen im Standard der letzten fünf Jahre angeschaut, wie oft da Jörg Haider auf einem Scherbenhaufen stehend abgebildet war ist beeindruckend). Deswegen ist es für die Österreichische Politik extrem wichtig das die ÖVP sich endlich erneuert damit die Mitte wieder Dialog fähig ist und das entstandene Vakuum wieder auffüllt.

5. Das Internet

Ganz klar war der Internet-Wahlkampf oder auch der “Web2.0″-Wahlkampf ein Testballon für die Zukunft.

Das zeigt auch klar das Ergebnis: die Partei, die am wenigstem von sich aus im Internet gemacht hat (die FPÖ) hat die meisten Stimmen bei den unter 30-jährigen (DER Internet-Zielgruppe).Dafür war es aber auch die Partei über die am meisten im Internet (meistens negativ) geschrieben wurde.

Auch hat der Jugendwahlkampf der SPÖ, angeführt von Laura Rudas, eigentlich versagt, denn genau in diesem Segment hat die SPÖ am meisten verloren. Wobei man hier natürlich immer auch sagen kann: Was wäre wohl passiert hätte es den Jungendwahlkampf der SPÖ nicht gegeben? Hier sind die Probleme natürlich vielschichtiger.

Für die Zukunft aber muss Jeder Partei klar sein das das Internet sehr, sehr wichtig sein wird und die Politik verändern wird (einer meiner Lieblingssprüche ist: “Das Internet ist die Rache der WählerInnen an den PolitikerInnen”). Dann werden die Parteien die jetzt schon ihre Erfahrungen damit gemacht haben eine Vorteil haben, was mich wieder positiver für die Zukunft stimmt.

Den diese Zugänge können, richtig eingesetzt, der Weg sein um die Protestwähler wieder aktiv in den politischen Diskurs einzubringen und das würde uns allen helfen!

Deswegen ist JETZT der Moment um zu zeigen wie wichtig das Internet ist. JETZT geht es darum zu sorgen das eine zukünftige Regierung, egal wie sie aussieht, die Themen abarbeitet die uns wichtig sind. Um das zu erreichen müssen wir JETZT unseren PolitikerInnen klar machen was dieses “Medium” kann.

Das Internet wird, anders als die Wahlplakate, nicht für die nächsten fünf Jahre weggeräumt!

Funktioniert der “Long Tail” doch nicht?

Web2.0, Dienstag 29 Juli 2008 16:22

Da gibt es das wirklich sehr interessante und lesenswerte Buch “The Long Tail: Why Why the Future of Business Is Selling Less of More” von Chris Anderson, Chefredakteur von Wired, in dem er die Theorie aufstellt das in Zukunft Firmen Online mehr mit vielen Nischenprodukten (der “Long Tail”) verdienen werden als Mit Blockbustern, d. h. das Einkaufsverhalten, z. B. bei Filmen oder Musik, wird sich verändern und die Verkaufskurve dadurch abflachen:

Eigentlich ein sehr guter und logischer Ansatz da ja Online z. B. die Verkaufsfläche unbegrenzt ist und dieser “Long Tail” genauer den Bedürfnissen der KäuferInnen entsprechen kann.

Nun gibt es eine Studie von Anita Elberse, Professorin an der Harvard Business School die diese Theorie überprüft hat.

Dazu hat sie Daten von Nielsen VideoScan, Nielsen SoundScan, Quickflix (DVD-by-mail Verleih in Australien) und Rhapsody, ein Abo-basierender Online Musikdienst, ausgewertet, mit erstaunlichen Ergebnissen:

So ist z. B. gerade bei den digitalen Downloads im Zeitraum von 2005 bis 2007 die Dominanz der Blockbuster im Vergleich zum CD-Verkauf gestiegen und der “Long Tail” zwar länger, aber auch viel flacher geworden, d. h. die Kurve ist steiler geworden, wie man hier schön sieht:

Es zeigte sich anscheinend bei allen Daten das gleiche Bild: Die Dominanz von Blockbustern ist, entgegen der Theorie von Chris Anderson, nicht geringer sondern im Gegenteil größer geworden:

My colleague Felix Oberholzer-Gee and I studied this question. In particular, we looked at weekly sales of home videos as reported by Nielsen VideoScan from January 2000 to August 2005, focusing on a random sample of nearly 5,500 titles. Using econometric models that control for a number of possible concomitant trends, we found that sales did shift measurably into the tail: The number of titles that sold only a few copies almost doubled for any given week from 2000 to 2005. In the same period, however, the number of titles with no sales at all in a given week quadrupled. Thus the tail represents a rapidly increasing number of titles that sell very rarely or never. Rather than bulking up, the tail is becoming much longer and flatter. Moreover, we determined that this is not simply a function of the sharp increase in the number of titles that have come onto the market in recent years, or of the transition from VHS to DVD; it is the truth of the long tail.

Meanwhile, our research also showed that success is concentrated in ever fewer best-selling titles at the head of the distribution curve. From 2000 to 2005 the number of titles in the top 10% of weekly sales dropped by more than 50%—an increase in concentration that is common in winner-take-all markets. The importance of individual best sellers is not diminishing over time. It is growing.

D. h. jetzt aber nicht das der “Long Tail” unwichtig ist, KaüferInnen die gerne im “Long Tail” shoppen kaufen dafür weitaus häufiger ein.

ABER! sie kaufen trotzdem zum Großteil Blockbuster und nur zu einem geringen Prozentsatz aus dem “Long Tail”!

Der Artikel ist sehr lesenswert, Anita Elberse gibt auch Tipps für Produzenten und Retailer wie man mit diesen Ergebnissen umgehen kann, z. B.:

When trying to strengthen your presence in digital channels, focus on marketing your most popular products.

Fast noch spannender ist die  Diskussion die sich Aufgrund dieses Artikels zwischen Chris Anderson und Anita Elberse entwickelt hat, siehe hier und hier!

Ich denke ja das der “Long Tail” auf jeden Fall seine Berechtigung hat, nur ob man damit Geld verdienen kann bin ich mir auch nicht sicher, denke eher das er wichtig zum verstehen von Social Networks ist und sich daraus vielleicht Ideen und Produkte entwickeln lassen die eben nicht mit z. B. digitalen Downloads vergleichbar sind.

Ich bin aber sehr neugierig wie diese Diskussion noch weiter gehen wird, finde es sehr wichtig das diese “Long Tail” Theorie, die seit zwei Jahren als “Buzzword” durch die Welt geistert genauer hinterfragt wird und somit vielleicht weiterentwickelt wird und nicht nur fürs Bullshitbingo da ist.

Wahl08: Die Grünen und das Plakat, ein Nachtrag

Politik, Dienstag 15 Juli 2008 22:09

Jetzt ist die Plakat-Aktion von Christoph Chorherr (siehe auch hier) in den “alten” Medien (z. B. Fernsehen) angekommen, was nun?

Ich denke es ist mal Zeit darüber kurz zu reflektieren, es wurde viele Entwürfe gemacht, viel darüber geschrieben usw.

Deswegen lasst uns mal die Entwürfe in Ruhe anschauen, z. B. hier.

Wenn man diese Plakate so durchgeht sieht man fast nur Dinge die sich mit der Vergangenheit beschäftigen und/oder eine große Koalition verhindern wollen (einige erinnern mich stark an Plakate der 20er des letzten Jahrhunderts). Irgendwie wird bei den Entwürfen (fast) kein neues Thema angerührt, ich hoffe auch das die Grünen mehr zu bieten haben als “Wir verhindern eine große Koalition”!

Was ich vermisse ist der Blick in die Zukunft!

Deswegen finde ich ja die Aktion von Christoph Chorherr so schön, da es auch darum geht eine Perspektive zu ermöglichen um wichtige Fragen zu stellen:

Was wollen wir von der Politik?

Wie soll das Zusammenspiel/die Kommunikation der PolitikerInnen und der Bevölkerung funktionieren?

Wie definiert sich Politik in einer globalisierten, informierten Welt?

Warum ist Politik für uns alle wichtig?

Welche Kanäle werden dafür benötigt, welche nicht?

Wahrscheinlich ist das jetzt die erste Phase eines Weges den wir gemeinsam gehen müssen. So lasst uns diese Aktion doch als Anstoss sehen:

Das Ziel kann nicht sein das mein Plakat im Fernsehen gezeigt wird (erinnert mich irgendwie an “15 minutes of fame“), das Ziel muss sein das auch meine/unsere Themen in einem politischen Prozess diskutiert und umgesetzt werden!

Wie kann z. B. die Kommunikation zwischen PolitikerInnen und der Bevölkerung wieder funktionieren? Mit, aber auch abseits der “alten” Medien. Hier gibt es ja unendlich viele Berührungsängste und von allen Seiten Micro-Zielgruppen zu bedienen um den Selbsterhalt zu sichern.

Darum lasst uns in den Blogs, Foren, Chats, Micro-Blogs, auf Twitter, Flickr, YouTube, Facebook, Myspace in allen anderen Communities, wo auch immer darüber reden! Lösungen brauchen gerade bei diesen Themen Gespräche und im Moment traut weder die Bevölkerung den PolitikerInnen noch die PolitikerInnen der Bevölkerung die Diskussionsfähigkeit zu.

Es geht jetzt nicht um Partei X oder Partei Y sondern um die Zukunft, denn wie Christoph Chorherr richtig meinte: “Was passiert nach der Wahl?”, egal wie diese ausgeht.

Who’s Newton?

Zukunft, Dienstag 6 Mai 2008 07:47

Wunderbares Video aus dem Jahr 1989, vor allem die technischen Daten sind Super:


IBM XT, 720 KB Floppy  und ein 1200 Baud Modem :)

Außerdem war Design damals schon wichtig, es gab (angeblich) Newton in verschiedenen Farben :)

Und nicht den Song am Ende des Videos vergessen! :)

Gefunden bei Paleo-Future.

Kriegerdenkmäler und der Umgang mit Geschichte

Zukunft, Sonntag 27 April 2008 20:45

Heute wieder einmal mit dem Fahrrad durch den Wiener Zentralfriedhof gefahren. dort gibt es die “Gruppe 91″ für die Opfer des ersten Weltkrieges.

Ganz hinten auf diesem Platz gibt es einen Stein auf dem die Namen von 1865 nicht Österreichischen Soldaten stehen die in Österreich gefallen sind und am Zentralfriedhof beerdigt sind:

Denkmal am Zentralfriedhof Inschrift

Die Vorderseite sieht ja renoviert aus, die Schrift ist nachgezogen, etc.

Wenn man aber anfängt die Anzahl der Toten zusammen zu zählen kommt man aber nur auf 583 Namen, wo stehen die restlichen 1282?

Nun ja, dazu muss man auf die Rückseite des Denkmal schauen, genau, in den schmalen Raum zwischen Gebüsch und Denkmal gehen, da stehts:

Rückseite des DenkmalsPlatz hinter dem Denkmal

Da stehen die 1282 Namen der gefallenen Russen! Komisch, wieso ist diese Tafel nicht renoviert worden? Anscheinend wird diese Tafel noch besucht, da Kerzen davor stehen.

Und warum ist die Rückseite so versteckt? Ist mir schon vor ein paar Jahren einmal aufgefallen, da war aber noch eine Baustelle rundherum, jetzt sind da nur Bäume und Gestrüpp…

Schade eigentlich, zuerst im Krieg gefallen, dann auf die Hinterseite eines Denkmal verbannt, nah am Gebüsch und dann nicht mal renoviert, obwohl einer der größten Gräbergruppen am ganzen Friedhof.

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Wir wollen mitbestimmen und rufen für die Wiener Wahl 2010 Grüne Vorwahlen aus.